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Das wichtigste, nur mithilfe einer starken Lupe erkennbare Unterscheidungsmerkmal sind die unterschiedlich geformten „Zähne“ am Flügeldecken-Absturz

Neue Borkenkäferart in der Schweiz

Der aus Skandinavien stammende Nordische Fichtenborkenkäfer ist erstmals in der Schweiz entdeckt worden. In Zusammenarbeit mit den Forstdiensten des Kantons St. Gallen und des Fürstentums Liechtenstein konnten ihn Forscher der Eidg. Forschungsanstalt WSL auf beiden Seiten des Rheintals sowohl mit Hilfe spezifischer Lockstoff-Fallen als auch bei der Kontrolle von gelagertem Käferholz nachweisen. Die neu in der Schweiz beobachtete Käferart befällt vorwiegend Fichten.

Der Nordische Fichtenborkenkäfer (Ips duplicatus) ist in Skandinavien, dem östlichen Europa, Russland und Asien heimisch. Seit einigen Jahren gibt es vermehrt auch Nachweise aus Mitteleuropa, so aus Deutschland und Österreich. Neben der natürlichen Ausbreitung dürfte für das Vordringen nach Süden vor allem der Transport von berindetem Fichtenholz über Straße und Schiene verantwortlich sein.

Schnellere Entwicklung als bei einheimischen Borkenkäferarten

Die Entwicklung des neu auftretenden Käfers verläuft ähnlich wie beim Buchdrucker (Ips typographus), der in der Schweiz und Liechtenstein häufigsten Borkenkäferart an Fichten. Der an tiefere Temperaturen gewöhnte Nordische Fichtenborkenkäfer fliegt allerdings im Frühling tendenziell früher aus als der Buchdrucker. Auch seine Larvenentwicklung ist etwas schneller, sodass seine zweite Generation im Herbst die Brutbäume meistens noch verlässt und im Boden überwintert. Aufgrund der schnellen Entwicklung könnte diese Art in heißen und trockenen Jahren in Tieflagen auch eine dritte Generation entwickeln, was die Populationsentwicklung stark beschleunigen würde und das Risiko für Befall ansteigen ließe.

Beide Borkenkäferarten sind direkte Konkurrenten um Brutplätze unter der Borke der Fichtenstämme. Unklar ist aber noch, ob der Nordische Fichtenborkenkäfer in Zukunft zusätzlichen Befall verursachen und welche wirtschaftlichen Folgen der Käferbefall haben wird.

Der Nordische Fichtenborkenkäfer gilt in den nördlich gelegenen Ländern als weniger aggressiv als der Buchdrucker. Er kann zwar ebenfalls gesunde Bäume befallen, scheint in anderen Ländern aber bisher weniger Schaden anzurichten als der Buchdrucker. Eine Frage ist, wie sich das zunehmend wärmere Klima in der Schweiz auf sein Befallsverhalten auswirkt.

Borkenkäferbekämpfung wird komplizierter

Die Insektenforscher der WSL empfehlen vorerst, in den wärmeren Jahreszeiten die bei Borkenkäferbefall üblichen Maßnahmen zu ergreifen: Nach dem Entdecken von Einbohrlöchern und Bohrmehl an der Borke sowie vergilbten oder vertrocknenden Kronenbereichen sollten befallene Bäume gefällt und entweder rechtzeitig aus dem Wald gebracht oder dort entrindet gelagert werden.

Im Winter nützt das Fällen und Entfernen der Bäume aus dem Wald kaum als Maßnahme gegen den Nordischen Fichtenborkenkäfer, weil die Mehrheit der Käfer die kalte Jahreszeit in der Streuschicht des Bodens verbringt. Da jedoch der Nordische Fichtenborkenkäfer bisher immer gemeinsam mit dem Buchdrucker vorkam, können die Maßnahmen im Winter weiterhin zielführend gegen Borkenkäferbefall im Frühjahr sein.

Die Insektenforscher der WSL empfehlen vorerst, in den wärmeren Jahreszeiten die bei Borkenkäferbefall üblichen Maßnahmen zu ergreifen
Fichtenborke mit Einbohrlöchern des Nordischen Fichtenborkenkäfers (Ips duplicatus). Foto: Beat Wermelinger/WSL

Der Nordische Fichtenborkenkäfer lässt sich mit bloßem Auge kaum vom Buchdrucker unterscheiden. Auch die Brutbilder der beiden Arten sind sehr ähnlich. Die nordische Art ist mit rund 3 bis 4 mm meist etwas kleiner als der Buchdrucker. Zudem besiedeln beide Arten ihre Brutbäume oft gemeinsam, der Nordische Fichtenborkenkäfer eher im mittleren und oberen Stammbereich, der Buchdrucker im unteren. Das wichtigste, nur mithilfe einer starken Lupe erkennbare Unterscheidungsmerkmal sind die unterschiedlich geformten „Zähne“ am Flügeldecken-Absturz, also dem hinteren Ende des Körpers.

WSL

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