Geraeumte Fichtenfläche im Harz nach Borkenkäferbefall
Neben der Aufarbeitung von Schadholz versuchten Forstleute in den letzten Jahren auch durch vorsorgliche Hiebe die Ausbreitung von Schadinsekten einzugrenzen.
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Neue Auswertung: Deutsche Wälder stärker geschädigt als befürchtet

28. Februar 2022

Deutsche Wälder haben in den letzten Jahren stark gelitten – unumstößlich zeigen dies nun die Auswertungen von Satellitenaufnahmen, die den deutschen Wald im Blick haben. Das Ergebnis ist dramatischer als befürchtet: Fast 5 % der deutschen Wälder sind seit 2018 verloren gegangen.

Jeder Studierende der Forstwissenschaften und alle Forstleute haben es im Kopf: In Deutschland gibt es 11,4 Mio. ha Wald, dieser macht 32 % der Bundefläche aus. Bis jetzt – denn nun ist der Waldbestand in wenigen Jahren um 501.000 ha zurückgegangen. Dürrejahre und Folgeschäden haben die deutschen Wälder vielerorts an ihre Grenzen gebracht und ihn damit um fast 5 % zurückgedrängt. Somit wurden die Befürchtungen der Regierung in Bezug auf die Waldschäden noch einmal übertroffen.

Diese Karte zeigt aktuelle Waldschäden in deutschlands Landkreisen
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Mitte Deutschlands besonders geschädigt

Ursache der vielen abgestorbenen Bäume und Wälder waren vorwiegend trockene Perioden, die einen starken Schädlingsbefall, wie durch den Borkenkäfer, zur Folge hatten. Das habe sich besonders in Regionen bemerkbar gemacht, die großteilig mit Wäldern einer Baumart ausgestattet waren. In der Mitte Deutschlands – in der Eifel, im Harz, im Sauerland und im Thüringer Wald – seien die Schäden besonders groß. Vor allem große Fichtenflächen sind dort dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. In manchen Regionen seien so bis zu zwei Dritteln der Wälder zerstört, das berichtet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nach der Auswertung von Satellitenaufnahmen der Satelliten Sentinel-2 und Landsat-8.

Die aktuellen, schwerwiegenden Waldschäden seien über deutsche Wälder hinaus ein Problem. Flächen, wie nach einem Kahlschlag, seien die Folge, die künftig wieder aufgeforstet werden müssen.

Wie geht es mit den deutschen Wäldern weiter?

Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) hat im Jahr 2019 auf dem nationalen Waldgipfel beschlossen, zusätzliche Gelder bis 2024 bereitzustellen, um die Schäden des Klimawandels in deutschen Wäldern zu reparieren. Auf dem Folgegipfel im Jahr 2021 wurde darüber hinaus ein Modell vorgestellt, das künftig die Klimaschutzleistung deutscher Wälder honorieren soll. Insgesamt sollen 1,5 Mrd. Euro durch das Hilfsprogramm von Seiten der Bundesregierung in den Waldschutz investiert werden.

Im Rahmen der sogenannten Waldstrategie 2050 wurden außerdem Leitlinien formuliert, die unter anderem die Anpassung deutscher Wälder an den Klimawandel sowie den Waldnaturschutz und die Holzerzeugung mit betreffen. Bis 2030 wurden darüber hinaus Zwischenziele – unter anderem die verstärkte, nachhaltige Holznutzung, eine sichere Waldinfrastruktur (bsp. Waldbrandschutz) und ein etabliertes Monitoring des Klimawandels – festgesteckt.

So werden Walddaten zusammengetragen

Für die aktuellen Erkenntnisse hat das DLR hat über 20.000 Datensätze mit einer Bildauflösung von 10 m ausgewertet. Damit lassen sich Wälder erkennen und vergleichen. Unbewaldete Flächen oder stark geschädigte Bestände werden so automatisch erkannt. Da die ökologischen und auch wirtschaftlichen Schäden deutscher Wälder weiter im Auge behalten werden müssen, sei eine regelmäßige Auswertung von Satellitendaten sinnvoll für den Waldschutz.

Gleichzeitig ist die Bundeswaldinventur das wohl wichtigste Element des forstlichen Umweltmonitorings. Bis Ende 2022 sollen alle Daten der nächsten und damit vierten Waldinventur zusammengetragen werden. Forstleute sind wohl schon jetzt auf die Ergebnisse gespannt.

Quelle: DLR, Heise, BMEL