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Naturschutzgroßprojekt Nordvorpommersche Waldlandschaft

Naturschutzgroßprojekt Nordvorpommersche Waldlandschaft

Am 17. Juni hat Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, zusammen mit Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, im Forstamt Schuenhagen das Naturschutzgroßprojekt „chance.natur“ eröffnet. Diese Region umfasst mit den naturnahen, alten Laubwäldern, mit Mooren, Flüssen und Wiesen viele der einmaligen Naturschätze Mecklenburg-Vorpommerns. „Daher wollen wir mit diesem Projekt diesen Landstrich verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit bringen, um Natur und Region weiterentwickeln zu können“, so Dr. Backhaus.
Dem Projekt gingen mehrere Arbeitsphasen voraus. So hatte sich der ehemalige Landkreis Nordvorpommern unterstützt durch das Landwirtschaftsministerium bereits 2008 erfolgreich bei dem Bundeswettbewerb „idee.natur“ gegen etwa 100 Mitbewerber durchgesetzt. Das Projekt ist dabei u.a. wegen des integrierten Ansatzes (Regionalentwicklung und Naturschutz) sowie des Freiwilligkeitsprinzips für alle Maßnahmen ausgewählt worden.
Unter dem Schirm des Schreiadler-Schutzes
„Im Mittelpunkt stand immer schon der Erhalt der Vorpommerschen Waldlandschaft. Einerseits weil sie sehr landschaftprägend ist, andererseits weil hier ein großes Verbreitungsgebiet unseres Wappentiers, dem Schreiadler, ist. Wir müssen diese seltene Art besser erhalten“, erklärte der Minister.
Um die Nahrungsgrundlage des Schreiadlers zu sichern, müssen unter anderem mehr Amphibienlebensräume geschaffen werden, beispielsweise durch Ackersölle. Es gilt eine amphibienverträgliche Landwirtschaft im Umfeld sicherzustellen und auch Waldmoore zu renaturieren. Daher ist ein Schreiadlerschutzprojekt zugleich auch ein Projekt für Rotbauchunken und Moorfrösche. „So werden unter dem Schirm des Schreiadlerschutzes wesentliche Teile des Naturraumes und seiner regionaltypischen Arten befördert. Dafür werden in den Brutwäldern Altholz- und Prozessschutzinseln erhalten.
Als Nahrungsflächen für die Schreiadler-Brutpaare soll eine schreiadlerfreundliche Landbewirtschaftung auf Acker- und Grünlandstandorten auf freiwilliger Basis mit den Landwirten erreicht werden. Dafür stellen wir gemeinsam mit dem Bund und dem Landkreis 9 Mio. € für die nächsten 10 Jahre zur Verfügung“, stellte Dr. Backhaus dar.
Unterschiedliche Interessen – ein gemeinsames Ziel
Zusätzlich wird in einem Begleitvorhaben, das mit etwa 1 Mio. € finanziert wird, die Regionalentwicklung gefördert und damit viele Menschen in der ländlichen Region erreicht. Daher wurden alle Maßnahmen gemeinsam vom Projektbüro mit Vertretern der Land- und Forstwirtschaft, der Regionalentwicklung und des Naturschutzes entwickelt und in der ersten Phase des Projektes mit anderen Akteuren abgestimmt.
„Wie ich finde, ein besonders gelungenes Beispiel dafür, bei unterschiedlichen Interessen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Rückblickend kann man wohl sagen, dass es gerade bei diesem Prozess immer wieder gelungen ist, Landnutzer, Naturschützer und Akteure aus der Region an einen Tisch zu bringen. Wir stellen zusätzlich weitere 500.000 € für flankierende Maßnahmen im Umfeld der Fördergebiete bereit. Des Weiteren stellen wir eigene landwirtschaftliche Flächen in den Fördergebieten kostenlos für die Maßnahmen zur Verfügung“, berichtete der Minister.
Das gesamte Projektgebiet ist 51.200 ha groß. Die vier Fördergebiete sind 8.014 ha groß. Die Fördergebiete wurden anhand der Kernlebensräume von 10 Schreiadler-Brutpaaren abgegrenzt und bestehen aus den Brutwäldern (etwa 65 % und damit 5.181 ha Waldanteil!) und deren Umfeld (etwa 35 %, d.h. 2.833 ha Acker, Grünland, Moore und Gewässer).
Das Bundesförderprogramm „chance.natur“ hat sich zum Ziel gesetzt, herausragende repräsentative Landschaften Deutschlands zu fördern und zu sichern, die einer akuten Gefährdung unterliegen und zentrale Förderkriterien wie Großflächigkeit, Naturnähe, Repräsentanz und Beispielhaftigkeit erfüllen. Seit 1979 wurden deutschlandweit 77 Gebiete mit Bundesmitteln von mehr als 450 Mio. € gesichert.
 

Zur Projektseite Landkreis Vorpommern-Rügen

 
LU Mecklenburg-Vorpommern

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