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Eine länderübergreifende Schutzstrategie für den Luchs soll dazu beitragen, die Lebensraumsituation für die Tiere zu verbessern und illegale Nachstellungen weiter zu reduzieren.

Luchs-Monitoring in Bayern

Am 2. März 2020 hat das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) in einer Pressemitteilung die Bestandszahlen zum Luchs für das Monitoringjahr von Mai 2018 bis April 2019 bekanntgegeben. Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), freut sich über die leichte Zunahme des Bestandes, mahnt aber auch gezieltes Handeln in Bayern an.

Für das Monitoringjahr von Mai 2018 bis April 2019 wurden in Bayern 60 selbstständige Luchse sowie 26 Jungtiere nachgewiesen. Ein Großteil dieser Tiere ist grenzüberschreitend im Dreiländereck Deutschland/Tschechien/Österreich unterwegs. Überwiegend in Bayern leben davon 49 Luchse einschließlich 17 Jungtiere. Ein wichtiger Gradmesser für den Zustand der Population sind die Weibchen mit Nachwuchs: Das sind im o.g. Monitoringjahr 11 Weibchen. Nach vielen Jahren der Stagnation ist eine leichte Zunahme und Ausbreitung des Bestandes erkennbar.

Das Luchsvorkommen in Ostbayern ist eine von drei Populationen deutschlandweit. Trotz der leicht positiven Entwicklung bleiben Luchse stark gefährdet. Als Risikofaktoren sind auch illegale Nachstellungen und Wildunfälle im Straßenverkehr zu nennen.

Luchse brauchen aktive Hilfe!

Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN): „Dem Luchs muss aktiv geholfen werden. Mit gezielten Freisetzungen von Luchsen in geeigneten Lebensräumen könnten wir der Gefahr eines erneuten Aussterbens in Bayern und Deutschland wirkungsvoll entgegentreten.“ Mit nur 88 erwachsenen Luchsen, die v.a. auf drei größere, aber voneinander isolierte Teilpopulationen (Bayerischer Wald, Harz, Pfälzerwald) verteilt sind, sei der deutsche Luchsbestand weiterhin hochgradig gefährdet.

Negative Einflussfaktoren wie z.B. Krankheiten könnten in Teilpopulationen die Zahl der Tiere deutlich reduzieren. Wegen der geringen Anzahl von Tieren müsse in allen Teilpopulationen mit genetischen Problemen gerechnet werden. Aufgrund der großen Entfernung zwischen den Teilpopulationen gibt es nur selten und vereinzelt Austausch zwischen den Teilpopulationen durch wandernde Luchse, meist Männchen. Denn Jungluchse wandern meist nur 50 km weit ab und viele werden bei ihren Wanderungen überfahren. Die in Bayern noch unbesiedelten geeigneten Luchslebensräume in bayerischen Mittelgebirgen (Spessart, Rhön, Frankenwald, Oberpfälzer Wald mit Steinwald, Fichtelgebirge) wären zur Verbindung der beiden Bestände im Harz und im Bayerischen Wald hervorragend geeignet. Aus diesem Grund fordert Mergner die gezielte Freisetzung von Luchsen in diesen geeigneten Lebensräumen.

Gemeinsames Projekt von Deutschland, Tschechien und Österreich

Um ein Gesamtbild der Verbreitung über die Ländergrenzen hinweg zu erhalten, starteten Deutschland, Tschechien und Österreich 2017 das Projekt 3Lynx innerhalb des EU-Förderprogramms Interreg Central-Europe mit 11 Projektpartnern. Ein Monitoringsystem mit Wildkameras wurde auf einer Fläche von 13.000 Quadratkilometer aufgebaut. Um Doppelzählungen zu verhindern und Wanderungen grenzüberschreitend zu erfassen, werden die gewonnenen Daten von Wissenschaftlern aller Projektpartner gemeinsam ausgewertet.

Eine länderübergreifende Schutzstrategie soll dazu beitragen, die Lebensraumsituation für die Tiere zu verbessern und illegale Nachstellungen weiter zu reduzieren.

Zur Internetseite Luchsprojekt Bayern

Red., Quellen: BUND Naturschutz in Bayern, Bayerisches Landesamt für Umwelt

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