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Naturschutz und Forstwirtschaft auf Truppenübungsplätzen

Naturschutz und Forstwirtschaft auf Truppenübungsplätzen

350.000 Hektar oder 3.500 qkm Land werden in Deutschland derzeit noch militärisch genutzt. Das ist mehr als die Fläche des Saarlandes und Berlins zusammen. Ein Fünftel davon – 75.000 Hektar, eine Fläche fast so groß wie Hamburg – wird von Stationierungsstreitkräften der NATO-Bündnispartner genutzt. 280.000 Hektar oder 2.800 qkm sind Übungsgelände, wovon etwa 60 % (168.000 Hektar) bewaldet sind. Die anderen 40 % oder 112.000 Hektar sind Offenland. Das ergibt sich aus den Zahlen, die die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu „Naturschutz und Forstwirtschaft auf Truppenübungsplätzen in Deutschland“ mitgeteilt hat.
 
Wie viele dieser Flächen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Zuge der Bundeswehrreform und des Abzugs von Stationierungskräften aus der militärischen Nutzung entlassen und damit für eine zivile Nutzung frei werden, steht noch nicht fest. „Es ist aber absehbar, dass das erhebliche Flächen sein werden,“ erwartet die Sprecherin für Ländliche Entwicklung und für Waldpolitik der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, Cornelia Behm.
 
„Die zivile Nachnutzung aufgegebener militärischer Liegenschaften ist sorgfältig zu planen,“ fordert Behm. „Dabei geht es nicht nur um die städtebaulichen Potenziale und Herausforderungen der siedlungsnahen Kasernengelände, sondern auch um die in der Regel siedlungsfernen Übungsgelände. Bei den Übungsplätzen muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass deren zivile Nachnutzung nicht zu einem Desaster für den Naturschutz wird. Denn paradoxerweise haben sich gerade die Übungsplätze trotz oder wegen der nahezu ausschließlichen Störungen durch die militärische Nutzung zu einem Rückzugsraum für seltene Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass 75 % der Übungsgeländeflächen in irgendeiner Form unter Naturschutz stehen. Eine ausreichende Sicherung der Naturschutzfunktionen muss daher Vorrang vor allen anderen möglichen Nutzungsansprüchen haben. Um wertvolle Offenlandflächen zu erhalten, wird daher eine Ausweitung der Beweidung, die bisher nur auf gut 13.000 Hektar stattfindet, z.B. durch Schäfereien, nötig sein. Weitere Flächen werden für das Erreichen der Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie, 5 % Wälder mit natürlicher Entwicklungsdynamik und 2 % Wildnisgebiete in Deutschland zu schaffen, in Frage kommen.“
 
„Trotz der vielen ungeklärten Fragen sehe ich in ehemaligen Übungsplätzen erhebliche Möglichkeiten für eine Erhöhung des forstwirtschaftlichen Potenzials,“ sagt Behm. „Denn man wird kaum alle militärisch bedingten Offenlandflächen nach Wegfall der militärischen Nutzung offen halten können und müssen. Ich gehe daher davon aus, dass es auf aufgegebenen Übungsplätzen mehr Wald geben wird als bisher. Außerdem dürfte es vitalere Wälder mit höheren Zuwächsen geben als bisher. Denn die 3,4 Erntefestmeter verwertbares Holz, das pro Hektar Wald auf den Übungsplätzen eingeschlagen wird, sind weniger als die Hälfte dessen, was in forstwirtschaftlich genutzten Wäldern außerhalb der Übungsplätze eingeschlagen wird.“
 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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