Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service

Naturschützer wollen mehr Wildnis

Mit der Verabschiedung der „Erfurter Positionen“ der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ging am 21. September der 31. Deutsche Naturschutztag (DNT) in Erfurt zu Ende. Damit reagierten die 700 anwesenden Fachleute des Deutschen Naturschutzes auf die Herausforderungen, die sich für den Naturschutz durch die Energiewende ergeben. Die Auffassungen und Forderungen der Naturschutzvertreter wurden in den insgesamt 10 Punkte umfassenden „Erfurter Positionen“ präzisiert.
U.a. fordert der DNT, dass die in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossenen Ziele der Bundesregierung (wonach bis zum Jahr 2020 auf mindestens 2 % der Landesfläche Deutschlands die Natur sich nach den eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln kann und auf 5 % der Waldfläche eine natürliche Waldentwicklung stattfindet) rasch umgesetzt werden. Dabei sind neben bestehenden Nationalparken und Kerngebieten von Biosphärenreservaten weitere Gebiete entsprechend zu entwickeln. In Frage kommen dafür vor allem Waldflächen der öffentlichen Hand und des Nationalen Naturerbes, Auen und Fließgewässer, Moorlandschaften, großflächige ehemalige Truppenübungsplätze und Abbaugebiete. Aufgrund des relativ geringen Flächenbedarfs halten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des DNT die dadurch verursachte Verminderung des Holzangebotes für verkraftbar. Durch eine angemessene Öffentlichkeitsarbeit soll die Wahrnehmung der Bedeutung von Wildnis in der Bevölkerung deutlich gesteigert werden. Die Ausweisung neuer Nationalparke ist dazu geboten.

Weiter fordert der DNT, die gemeldeten Natura 2000 – Gebiete zügig zu einem funktionsfähigen Netz zu verknüpfen. Dazu soll insbesondere ein länderübergreifendes Biotopverbundsystem entwickelt und rechtlich gesichert werden. Durch fachlich fundierte Managementpläne und ihre konsequente Umsetzung soll der Anteil der Arten und Lebensraumtypen, die einen günstigen Erhaltungszustand aufweisen, deutlich erhöht werden. Dazu müssen spezifische Finanzierungsinstrumente geschaffen werden. Negative Auswirkungen auf Natura 2000 – Gebiete durch den vermehrten Anbau von Energiepflanzen sind auszuschließen. Diese Gebiete sollten zudem frei von Windkraft- und Solaranlagen sowie dem Anbau gentechnisch veränderter Organismen bleiben.

Beim Thema Windkraft empfehlen die Naturschützer: Konfliktminderung durch sorgfältige Standortwahl! Bedeutende Brut-, Fortpflanzungs- und Rastgebiete sowie Zugrouten der störungsempfindlichen und kollisionsgefährdeten Arten in ausreichendem Umkreis von Windkraftanlagen sind freizuhalten. Die Einhaltung der von der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten empfohlenen Abstände ist fachlich sinnvoll. Sie wirkt verfahrens-vereinfachend, kostensparend und akzeptanzfördernd. Natürliche und naturnahe Wälder oder solche, die ein harmonisches Landschaftsbild prägen, müssen von Windkraft freigehalten werden.
Das Fazit: Die Energiewende mit ihren weitreichenden Folgen für Natur und Landschaft kann nur unter Berücksichtigung der biologischen Vielfalt in einer nachhaltigen Entwicklung erfolgreich umgesetzt werden. Die natürlichen Lebensgrundlagen stellen unverzichtbare Grundlagen für alles menschliche Wirtschaften und alle gesellschaftlichen Entwicklungen dar.
BfN

Auch interessant

von