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Naturnahe Waldbewirtschaftung oder Flächenstilllegung?

Anlässlich des „Internationaler Tag der biologischen Vielfalt“ hatte NRW-Umweltminister Johannes Remmel zum Schutz der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten in NRW aufgerufen und ein stärkeres Vorgehen gegen den weiter fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt angekündigt.
Thema Artensterben in NRW

Nach Angaben der Landesregierung liegt die Zahl der bereits ausgestorbenen oder verschollenen Tier- und Pflanzenarten in NRW mit mehr als 9 % so hoch wie nie. Insgesamt sind nach der aktuellen „Roten Liste der gefährdeten Arten in NRW“ etwa 45 % der beobachteten Tier- und Pflanzenarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Besorgniserregend ist vor allem, dass die Gefährdung typischer Arten der Feldflur und bisher ungefährdeter „Allerweltsarten“ deutlich zunimmt.
Die Ursachen des Artensterbens in NRW seien häufig menschengemacht: Hierzu gehören unter anderem die zu intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, die Zerstörung und Zerschneidung naturnaher Lebensräume und der fortschreitende Flächenfraß. So gehen in NRW etwa 10 ha täglich an wertvollen Lebensräumen verloren. Als Erfolg der Naturschutzpolitik wird v.a. auf die Ausweisung von 100 Wildnisgebieten in den Wäldern des Landes verwiesen.
Polarisierung eine fatale Entwicklung
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald NRW teilt die Auffassung der Landesregierung bezüglich der Hauptursachen des Artensterbens in NRW, allerdings sieht sie im Wald keinen vorrangigen Handlungsbedarf.
Die Ausweisung von Wildnisgebieten hat unter Naturschutzaspekten absolut ihre Berechtigung und der Nutzungsverzicht auf 5 % der Waldfläche ist zwar nicht unumstritten, aber inzwischen weitgehend gesellschaftlicher Konsens.
Allerdings befürchtet die SDW, dass der Druck auf den öffentlichen Wald, v.a. dem Kommunalwald deutlich zunehmen und es dort zu einem weitreichenden Nutzungsverzicht kommen wird. Schon heute wird der integrative Ansatz der multifunktionalen Forstwirtschaft mit einer gleichrangigen Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte gerade im Ballungsraum immer mehr in Frage gestellt und selbst eine ausgeprägt naturnahe Waldwirtschaft wird durch Bürgerproteste sowie einer unreflektierten Berichterstattung in den Medien zusehens blockiert. Politik und Verwaltung reagieren zumeist abwartend und lassen eine klare Positionierung vermissen.
Verwunderlich ist diese Entwicklung nicht, denn unsere Medien, wie auch deren zunehmend freien Mitarbeiter leben von der negativen Schlagzeile und die Öffentlichkeitsarbeit des amtlichen wie ehrenamtlichen Naturschutzes propagiert das Allheilmittel der natürlichen Sukzession. Die allgemeine Tendenz zur Segregation auch im Wald, d.h. der vermehrten Ausweisung von Schutzgebieten auf der einen und eine primär produktionsorientierten Bewirtschaftung auf der anderen Seite, ist unverkennbar.
Aus Sicht der SDW eine fatale Entwicklung, denn die Polarisierung in der öffentlichen Meinung – hier der gute, vermeintliche Urwald, da der „böse“, reine Wirtschaftswald – wird weiter zunehmen. Statt einer naturnahen, multifunktionalen Waldwirtschaft in der Fläche, hätten wir eine ähnliche Entwicklung wie in der Landwirtschaft und deren alarmierenden Auswirkungen auf die biologische Vielfalt sind (siehe oben) hinreichend dokumentiert.
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald NRW

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