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Naturerbe Buchenwälder Ostwestfalen Lippe

Bereits seit über 30 Jahren werden die Wälder der nördlichen Egge in Ostwestfalen Lippe zu einem naturnahen und ursprünglichen Buchenwaldkomplex umgestaltet. Mittlerweile befinden sich hier wertvolle Buchenwälder mit einem bundesweit bedeutenden Bestand an alten Buchen als Teil des europäischen Naturerbes. Bei einem Besuch in Altenbeken im Kreis Paderborn erläuterte Umweltminister Johannes Remmel am 15. April, welche Planungen das Land NRW zur weiteren naturnahen Entwicklung der landeseigenen Wälder in der Egge-Nord hat.
„Wir haben die Möglichkeit einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu entwickeln, der die europaweit zu schützenden Buchenwälder und ihre regionalspezifische Artenvielfalt bewahrt. Hier in OWL gibt es einen ‚Hot-Spot‘ der Artenvielfalt. Die nördliche Egge ist ein Teil davon. Rotbuchenwälder sind als natürliche Waldlebensräume in der Mitte Europas beheimatet, aber wurden stark zurückgedrängt. Wir können stolz auf die Arbeit der vergangenen 30 Jahre sein, in denen es geglückt ist, dieses Gebiet zu einem einzigartigen Bestandteil des europäischen Naturerbes aufzuwerten.“
Weiterentwicklung des Waldpflegeplans
Das Staatswaldgebiet „Naturerbe Buchenwälder OWL“ ist insgesamt rund 2.600 ha groß. Davon sind bereits 600 ha als Wildnisgebiete ausgewiesen. Hier soll sich nach dem Motto „Natur Natur sein lassen“ echter Urwald entwickeln. Im Rahmen der Weiterentwicklung des Waldpflegeplans sollen weitere etwa 800 ha aktuell nicht mehr bewirtschaftet und in der jetzt anstehenden Konzeptionsphase entwickelt werden. Auf den restlichen 1.000 ha wird der naturnahe Waldumbau in Bewirtschaftung weitergeführt, um vor allem Fichten zu entnehmen und damit dem Buchenwald mehr Platz für eine naturnahe Entwicklung zu geben. „Wir wollen also mit verschiedenen Waldentwicklungsszenarien konkrete Perspektiven von Buchenwaldentwicklung aufzeigen“, erklärte Remmel.
Für die Entwicklung der Staatswaldgebiete in der nördlichen Egge und die Fortschreibung des Waldpflegeplans wird auf Beteiligung und Fachverstand gesetzt. Gemeinsam mit einem Fachbeirat aus Vertretern der anliegenden Kreise, der biologischen Stationen und der Naturschutzverbände soll unter Leitung des Landesbetriebes Wald und Holz NRW der bestehende Waldpflegeplan weiter entwickelt und fortgeschrieben werden. Waldpflegepläne sind Fachpläne, die sowohl waldwirtschaftliche als auch waldökologische Fragestellungen aufgreifen. Alle für ein Waldgebiet wichtigen Informationen über Pflanzen und Tiere sind in diesen Plänen enthalten. Daraus lassen sich dann Empfehlungen für die künftige Pflege und Entwicklung ableiten. Dazu gehören auch Wegekonzepte und Naturerlebnis.
„Bei den Waldpflegeplänen handelt es sich um ein von Wald- und Naturschutzexperten erstelltes Planwerk, welches bisher ausschließlich in Expertenkreisen diskutiert wurde“, sagte Minister Remmel. „Wir wollen, dass unter der Beteiligung des regionalen Fachbeirats über den zukünftigen Waldpflegeplan mit seinen Empfehlungen transparent informiert und die Region in die Entwicklung unserer Wälder in der Egge eingebunden wird. Wer über die zukünftige Gestaltung seiner direkten und unmittelbaren natürlichen Umgebung eingebunden wird und mitreden kann, wird viel Verständnis für die Bewahrung des Naturerbes aufbringen. Denn gerade die Geschichte des europäischen Waldes, und hier ist die Egge keine Ausnahme, ist auch eine Geschichte einer Jahrhunderte währenden Nutzung für menschliche Zwecke“, fügt Minister Remmel ergänzend hinzu.
Gesamtgesellschaftliche Aufgabe
„Der Umbau von Wäldern ist immer ein langfristiger Prozess, der mehrere Generationen dauern kann“, sagte Minister Remmel. „Umso wichtiger ist es deshalb, den Menschen vor Ort hier im Staatswald zu zeigen, was genau hier geschieht und welchen Zweck das hat. Denn Naturschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe die nur funktionieren kann, wenn wir den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort die Chance geben, den Wald auch aktiv zu erleben und zu erfahren. Wir werden deshalb ein umfangreiches Naturerlebnisangebot für die Egge entwickeln, um allen Menschen in der Region die Chance zu geben, dem Schatz vor ihrer Haustür mit allen Sinnen begegnen zu können“, erläuterte Remmel.
Das Naturerbe Buchenwälder OWL soll mit der Region und den Menschen gemeinsam gestaltet werden. Bei der weiteren Konzeptentwicklung wird es darum gehen, Verbindungen und Bezüge zum Beispiel in Form von Patenschaften zu Kindergärten und Schulen herzustellen, sowie bürgerschaftliches Engagement für das „Naturerbe Buchenwälder OWL“ zu unterstützen. „Auch im Zusammenhang mit der Landesgartenschau in Bad-Lippspringe, die ja erstmalig das Thema Wald im Mittelpunkt hat, sind Anknüpfungspunkte oder Projekte denkbar“, sagte der Minister.
Historie
Bereits seit den 1980er Jahren ist für die Buchenwälder der Egge eine ökologische Waldbewirtschaftung entwickelt worden. 1996 erhielt das Gebiet den Rang eines für das europäische Naturerbe bedeutenden Waldnaturschutzgebietes und wurde in das europäische Schutzgebietsnetz NATURA 2000 aufgenommen. 2013 hat das Bundesamt für Naturschutz die nördliche Egge und den Teutoburger Wald – gemeinsam mit der angrenzenden Senne – zu einem der 30 Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland erklärt.
MKULNV Nordrhein-Westfalen

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