ABO
Naturerbe im „Bombodrom“

Naturerbe im „Bombodrom“

Rund ein Drittel des 12.000 Hektar großen ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide im Land Brandenburg, etwa zwölf Kilometer südlich der Müritz,  ist künftig dem Nationalen Naturerbe gewidmet. Die Heinz Sielmann Stiftung (HSS) verantwortet ab Oktober 2012 den Naturschutz auf der ökologisch wertvollen Fläche in der Kyritz-Ruppiner Heide und wird den Erhalt der großflächigen Heidelandschaften sicherstellen.
„Die 4.000 Hektar der Kyritz-Ruppiner Heide sind damit die ersten Flächen der zweiten Tranche des Nationalen Naturerbes, die ein Flächenempfänger unentgeltlich erhält“, so die Abteilungsleiterin Naturschutz im Bundesumweltministerium Gertrud Sahler am 12. September 2012. An dem Tag wurde die Übergabe der 4.000 Hektar Naturschutzflächen zwischen der Heinz Sielmann Stiftung sowie dem Bundesministerium für Umwelt, Reaktorsicherheit und Naturschutz und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) durch Unterschrift besiegelt.
Insgesamt werden in Deutschland 125.000 Hektar ehemals militärisch genutzter Flächen als Nationales Naturerbe ausschließlich für den Naturschutz und damit zur Sicherung der biologischen Vielfalt zur Verfügung stehen. Der Natur soll großflächig Raum für eigenständige Dynamik und Entwicklung gegeben werden. Dieses Ziel werde in erster Linie mit den großen Truppenübungsplätzen in den neuen Ländern verwirklicht. Nach intensiven Verhandlungen unterzeichneten heute vor Ort die beteiligten Partner den Vertrag.

Erfahrene Stiftung

„Wir freuen uns sehr, dass wir die renommierte Heinz Sielmann Stiftung als Pächter und Partner für die Naturerbe-Flächen gewinnen konnten“, sagte Axel Kunze, Vorstand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). „Mit ihrem Naturschutzprojekt in der Döberitzer Heide hat die Stiftung bereits wertvolle Erfahrungen gesammelt, wie man eine ehemals militärisch genutzte Fläche erfolgreich als ökologisch hochwertigen Lebensraum für seltene Arten erhält und gestaltet.“

Erhaltung als vorrangiges Ziel

Die BImA bleibt auch nach der Übertragung der Naturerbe-Flächen an die Heinz Sielmann Stiftung Eigentümerin der gesamten rund 12.000 Hektar großen Fläche des ehemaligen Übungsplatzes. Diese Entscheidung wurde insbesondere vor dem Hintergrund der enormen Belastung durch die vormalige militärische Nutzung getroffen. Mit der Übergabe an die Stiftung wird die Fläche komplett dem Naturschutz gewidmet. Die Wälder sollen sich nach einer Übergangsfrist für den Waldumbau ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Die Offenlandflächen werden, soweit durch die Hinterlassenschaften der militärischen Nutzung möglich, weiterhin durch Pflege erhalten. „Obwohl die Fläche auch langfristig nicht frei betreten werden kann, wird sich die Stiftung bemühen, das Naturerleben in der neuen ‚Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide’ an ausgewählten Punkten möglich zu machen“, verspricht Michael Beier, Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung, „gerade auch für die Menschen aus der Region, die sich so lange für eine freie Heide eingesetzt haben.“ Vorrangiges Ziel sei es aber, die Fläche in ihrem ökologischen Wert zu erhalten und zu entwickeln.

Richtungsweisender Beitrag

Mit der Unterschrift am 12. September wurden bis jetzt rund 15.000 Hektar Naturschutzflächen aus dem Besitz des Bundes im Land Brandenburg an Träger des Naturschutzes übertragen. „Mit den vorliegenden Verträgen stellt sich die Bundesanstalt ihrer politischen und geschichtlichen Verantwortung“, sagt Axel Kunze. „Wir hoffen damit im Land Brandenburg einen richtungsweisenden Beitrag für unsere Umwelt geleistet zu haben.“

Sanfter Tourismus

Die zukunftsweisende, zivile Nachnutzung als Nationales Naturerbe wird in den nächsten Jahren auch den sanften Tourismus in die Heide bringen. Dafür notwendige Kampfmittelräumungen werden in der Zukunft durch die verantwortlichen Stellen durchgeführt. Ziel ist die Errichtung eines 13 Kilometer langen Wanderweges mit Rastplätzen, Infotafeln  sowie einem Aussichtsplateau. Auch die in der Vergangenheit zur Heideblüte durchgeführten Kremserfahrten werden künftig Bestandteil des Projektes „Erlebnis Heide“ sein.
 

 
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Auch interessant

von