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Mogelpackung Nationalpark Schwarzwald

Mogelpackung Nationalpark Schwarzwald

Die Einrichtung eines Nationalparks und die damit zwangsläufig verbundene Stilllegung großer Waldflächen wird restriktive Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft einer ganzen Region mit sich bringen. Der Schwarzwald ist im besonderen ein bedeutender Standort der Holz be- und -verarbeitung und stellt einen wichtigen volkswirtschaftlichen Faktor dar, für den ein Nationalpark eine existenzgefährdende  Unterversorgung an Rundholz bedeutet. So der Verband der Säge- und Holzindustrie Baden-Württemberg in einem Positionspapier.

In dem Papier wird die Frage aufgeworfen, ob die von einem Großschutzprojekt direkt abhängige Wertschöpfung nicht überbewertet wird und ob die Abwägungen verschiedener Aspekte nicht eine Entscheidung herbeiführen, die für ansässige  Betriebe und für die Bevölkerung vor Ort eine Bevormundung darstellt, die weitreichende wirtschaftlich nachteilige Auswirkungen für eine ganze Region hat.

Ein Schutzgedanke kann auch einer Region als Wirtschaftsraum Rechnung tragen und man kann sich fragen, ob das Naturschutzinstrument Nationalpark nicht nur die Planungshoheit vieler Gemeinden untergräbt, einer Region langfristige Entwicklungsmöglichkeiten von Bedingungen für Gewerbe, Handel, Industrie und Dienstleistung vereitelt und ob es nicht zuletzt im Widerspruch zu einem nachhaltigen Bewusstsein von naturverträglicher Regionalvermarktung des nachwachsenden Rohstoffes Holz steht.

Aus Sicht der Sägeindustrie gibt es keine Rechtfertigung für die Ausweisung eines Totalreservates mit großen Totholzflächen, auf denen der Rohstoff mit einer guten Ökobilanz, angesichts zunehmender, regionaler, aber auch europaweiter Holzverknappung und zunehmendem Pro-Kopf-Holzverbrauch nicht bewirtschaftet wird.

Es ist bekannt und wissenschaftlich nachgewiesen, dass in wachsenden und bewirtschafteten Wäldern und daraus erzeugten Produkten mehr Kohlendioxyd  gespeichert wird als in sich selbst überlassenen Wäldern. Bei Abbauprozessen  auf  großen, zusammenhängenden Totholzflächen wird viel Kohlendioxyd freigesetzt. Dass dies kein Beitrag zur Lösung drängender Zukunftsfragen in Sachen Klimaänderung und Energieversorgung ist, liegt auf der Hand.

Hier sollte doch eine politische Zielsetzung mit Augenmaß gewahrt werden. Der Klimawandel verlangt nach naturnaher, nachhaltiger Nutzung von Holz, das fossile Energieträger ersetzt und nicht vor der Haustüre verkompostiert. Mobilisierung heimischer Holzressourcen ist ein Beitrag zur mittel- oder langfristigen Bindung von Kohlendioxyd: in Form von Bauholz  oder in Form von energetischer Nutzung.

Es kann nicht im Sinne eines ökologisch verträglichen, nachhaltigen Gedankengebäudes sein, dass die Deckungslücke Holz in Baden – Württemberg  mit Importen aus weiten Distanzen, aus Ländern mit nicht mustergültig bewirtschafteten Systemen überbrückt werden soll, wenn gleichzeitig Programm ist, dass der naturnahe Rohstoff Holz vermehrt genutzt werden soll. Substitutionsprodukte wie Plantagenhölzern, Importholz, das aus großen Distanzen bezogen werden muss, oder etwa Tropenholz sind wohl nicht Teil eines nachhaltig verantwortlichen Handelns.

Der Verband der Säge- und Holzindustrie Baden-Württemberg befürchtet durch die Einrichtung eines Nationalparks einen Wegfall von vielen Arbeitsplätzen und betrachtet in Zeiten eines steigenden Pro-Kopf-Verbrauches von Holz und dem politisch gewünschten Ausbau erneuerbarer Energien eine Verknappung der bewirtschaftbaren Waldflächen als unverantwortlich, auch im Sinne des Allgemeinwohls.

Finanzielle Verluste in der Wertschöpfungskette Holz sind nicht mit der Schaffung neuer Arbeitsfelder in einem Nationalpark aufzuwiegen. Die mittelständischen Familienbetriebe sind wirtschaftlich stabil aufgestellt,
wenn man dieser dynamischen Wachstums – Richtung den Boden unter den Füssen wegzieht, kann eine nachhaltige Rohstofflieferung nicht garantiert werden. Diese basiert auf dem Prinzip lokal zu agieren und nicht den zu verarbeitenden Rohstoff aus großen Entfernungen beziehen zu müssen.

Desweiteren ist fragwürdig, ob der gewünschte Effekt einer Stärkung der bereits seit langem touristisch sehr erschlossenen Region durch einen Mehrwert in der Tourismusbranche erreicht werden kann. Hier sind als Beispiel Vergleichszahlen der Entwicklung von Übernachtungen im Bayerischen Nationalpark anzuführen. Laut Statistischem Bundesamt wird aufgezeigt, dass das anfängliche Mehraufkommen von Übernachtungen stark unter ein Anfangsniveau zurückging. Mit ein Grund hierfür könnte der Aspekt der zunehmenden Totholzflächen sein, einer Studie von Suda und Pauli nach, wirken tote Wälder auf die Masse der Waldbesucher deprimierend und 3/4 der Befragten lehnt nach einer Umfrage die Ausweitung der Naturzone des Nationalparks ohne konsequente Bekämpfung des Borkenkäfers ab – gepflegte, naturnah bewirtschaftete Wälder verbinden Besucher am ehesten mit ihrem ästhetischen Idealbild eines Waldes.

Zusammenfassend stellt sich die „Marke Nationalpark“ eher als Mogelpackung dar – es wird kein zusammenhängendes Kerngebiet geben, das geeignete Bedingungen für eine vernünftige Größe erreicht und das zersplitterte Gebiet mit den Pufferzonen wird mit mehr als  4000 Unternehmen und mehreren tausend Beschäftigten in der Region Nordschwarzwald erhebliche Verluste in der gewerblichen Wirtschaft hinnehmen müssen. Nicht nur für die ansässige Bevölkerung bedeutet dieser Etikettenschwindel u.a.  drastische Einschränkungen des Betretungsrechtes und eine Inkaufnahme des Zerfalls gepflegter, seit Jahrhunderten traditionell nachhaltig bewirtschafteter Waldbestände.

Im Nordschwarzwald wurden übrigens von öffentlicher Hand mehrere Millionen Euro in den naturnahen Waldbau investiert. Denn den landläufig meistgenannten Indikatoren des Naturschutzes, Biodiversität und Artenschutz, werden in einer nachhaltigen Forstwirtschaft in gepflegten und stufigen Mischwäldern mit angemessenem Totholzmanagement auf ganzer Fläche bereits Rechnung getragen.

 

Das Positionspapier in voller Länge

 
Verband der Säge- und Holzindustrie Baden-Württemberg

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