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Nationalpark Nordschwarzwald: Waldbesitzer fordern zuverlässigen Waldschutz

Nationalpark Nordschwarzwald: Waldbesitzer fordern zuverlässigen Waldschutz

In der Debatte um einen Nationalpark im Nordschwarzwald hat die Forstkammer Baden-Württemberg einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, um die angrenzenden Waldbesitzer vor zunehmenden Borkenkäfer- und Wildschäden zu schützen. „Die bisherigen Aussagen hierzu aus unserer Sicht unzureichend. Wir brauchen eine verlässliche Rücksichtnahme für die Waldnachbarn“, kommentiert Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg. Um beispielsweise bei Massenvermehrungen des Borkenkäfers ein Übergreifen auf benachbarte Waldgebiete zu vermeiden, ist aus Sicht der Forstkammer eine insgesamt 2 000 m breite Schutzzone unbedingt notwendig. Diese müsse auch das Borkenkäfermonitoring in den angrenzenden Wäldern unterstützen.

Für den Fall, dass dennoch vermehrt Schäden im Privat- und Kommunalwald entstehen, müsse in einem Nationalparkgesetz ein finanzieller Ausgleich verankert werden. Borkenkäfer und Rotwild könnten eine ganze Generation von Waldbäumen zum Absterben bringen und so die Waldlandschaft radikal verändern. Was in einem Nationalpark als Phase im Entwicklungsprozess angesehen werde, sei für die angrenzenden Privat- und Kommunalwälder eine Katastrophe.

Auch beim Thema Jagd müsste in einem Nationalpark die Verantwortung für die Region ernst genommen werden. „Die Waldbesitzer haben große Angst, dass die Schäden durch Rotwild an Ihren Bäumen massiv zunehmen“, berichtet Hilt. Auch im Nationalparkgutachten werde hierfür keine Lösung angeboten. Auf die Regulation der Wildbestände könne auch in den Kernzonen eines Nationalparks nicht verzichtet werden.

Die Forstkammer möchte nun die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der angrenzenden Wälder in den nächsten Wochen mit Vertretern der Landtagsfraktionen und des Ministeriums diskutieren. „Wenn das Land seine Verantwortung für die Menschen und deren Wald in der Region ernst nehmen will, dann müssen verbindliche Regelungen festgelegt werden“, so Hilt abschließend.

Forderung der Forstkammer zum geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald
Um die privaten und kommunalen Waldeigentümer im Nordschwarzwald im Falle einer Nationalparkausweisung soweit wie möglich vor negativen Folgen zu schützen, müssten aus Sicht der Forstkammer Baden-Württemberg folgende Punkte verbindlich in einem Nationalparkgesetz verankert werden: 
1. Finanzieller Ausgleich nationalparkbedingter Schäden im Privat- und Kommunalwald:

Schäden, insbesondere durch Borkenkäferbefall, die durch den Nationalpark im Privat- und Kommunalwald auftreten, müssen vollumfänglich ausgeglichen werden. Hierfür ist ein entsprechendes Verfahren zu entwickeln, das die Waldbesitzer von der Beweislast freistellt.

2. 2.000m Borkenkäfer-Gürtel rings um den Nationalpark, bestehend aus:

a) 500 m Entwicklungszone 1: BK-Management (Monitoring und Bekämpfung) + Waldumbau über 30 Jahre.

b) 700 bis 1.000 m Pufferzone: dauerhaftes BK-Management, unterstützt durch Waldumbau.

c) 500 bis 1.000 m Monitoringzone außerhalb des Nationalparks: dauerhafte personelle Unterstützung der angrenzenden Waldbesitzer bei der Suche von Borkenkäferbefall in Fichtenbeständen während der Schwarmphase (April September); erforderliches Personal: 1 BK-Sucher pro 150 ha

3. Verstärkte Waldumbauförderung:

Ausweitung der Förderung auf Bestände mit Fichtenanteilen > 30% und Erhöhung der Fördersätze (90% Förderung für alle standortsgerechten Mischungsarten, inkl. reiner Nadelwaldmischungen)

4. Wildmanagement:

der Nationalpark darf sich nicht aus der jagdlichen Verantwortung ziehen. Um erhöhte Wildschäden in den angrenzenden Wäldern zu vermeiden, muss auch in den Kernzonen ein Wildmanagement aufrechterhalten werden. Dies betrifft insbesondere die Wildarten Rotwild und Rehwild.

5. Holvermarktung:

Es ist zu befürchten, dass die Gefahr von Marktstörungen durch hohen BK-Anfall im Nationalpark steigen wird. Die Vermarktung der Hölzer muss daher professionell durch die Forstverwaltung erfolgen. Der unbeeinträchtigten Vermarktung der Hölzer aus dem Privat- und Kommunalwald ist dabei Vorrang einzuräumen.

6. Flächentauschoption:

Es ist davon auszugehen, dass die Grundstückswerte der Waldflächen im unmittelbaren Umfeld des Nationalparks durch das zunehmende Betriebsrisiko sinken werden. Den angrenzenden Waldbesitzern soll daher eine freiwillige Flächentauschoption angeboten werden. Hierbei werden angrenzende Waldflächen gegen wertgleiche Staatswaldflächen in der Region eingetauscht.

FOKA

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