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Nationalpark Nordschwarzwald: Politik respektiert Bürgerwille nicht

Nationalpark Nordschwarzwald: Politik respektiert Bürgerwille nicht

Nach der Veröffentlichung eines unabhängigen Gutachtens bezogen auf einen möglichen Nationalpark im Nordschwarzwald hat die betroffene Gemeinde Baiersbronn rund 50.000 Stimmberechtigte befragt und jetzt 27.500 gültige Antworten ausgewertet, mit dem Ergebnis: Ein Viertel aller beteiligten Kommunen sprechen sich für und drei Viertel der Befragten gegen einen Nationalpark aus. Die befragten Städte und Gemeinden liegen direkt an bzw. in den vom geplanten Nationalpark betroffenen Gebieten.
 

Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) und die Deutsche Säge- und Holzindustrie (DeSH) fordern angesichts wiederholter Umfrageergebnisse gegen einen Nationalpark Alternativvorschläge der Politik: „Die grün-rote Regierung rund um Winfried Kretschmann ist mit dem Wahlversprechen für mehr Bürgerbeteiligung gewählt worden. Nun sollte er Wort halten und andere erprobte Wege für die Entwicklung der Region einschlagen“, fordert AGR-Sprecher Denny Ohnesorge. Lars Schmidt, Generalsekretär des DeSH: „Wir fordern die konsequente Weiterentwicklung des bestehenden Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Ein Naturpark lässt im Gegensatz zu einem Nationalpark wunderbar den Dreiklang Naturschutz, Tourismus und Holznutzung zu.“

Das neue Abstimmungsergebnis reiht sich ein in eine Reihe weiterer Umfragen, die dem Nationalpark eine breite Ablehnung in der Bevölkerung attestieren.
• So ergab eine Umfrage im Auftrag des WWF, dass 52 % der Baden-Württemberger zwar die Einrichtung eines Nationalparks in ihrem Bundesland begrüßen, sich gleichzeitig jedoch knapp die Hälfte (48 %) der Befragten ablehnend bzw. gar nicht zur Frage Pro oder Contra Nationalpark äußerten. 
• Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Vereins Unser Nordschwarzwald e.V. hatte jüngst ergeben, dass mehr als 70 % der Baden-Württemberger zugunsten weiterer Naturschutzgebiete nicht auf die einheimische Holznutzung verzichten wollen.
 
Warum bietet die Politik keine Alternative an?

„Ein Nationalpark bedeutet Verzicht auf regionale Wertschöpfung und damit wollen sich die Menschen in Baden-Württemberg nicht abfinden“, sagt Denny Ohnesorge. Und Lars Schmidt fragt: Warum bietet die Politik keine Alternative an?

Die Verbände AGR und DeSH weisen darauf hin, dass die Stilllegung weiterer Waldflächen und damit auch die Nationalparkpläne die ansässige Holzindustrie gefährden und den Verbrauchern einheimisches Rohholz-Potenzial entziehen. Den Unternehmen der Holzindustrie ist es nicht möglich das Holz rentabel per Lkw aus anderen Landesteilen oder gar dem Ausland nach Baden-Württemberg zu schaffen. So stellt sich für die oft familiengeführten Betriebe die existentielle Frage: Schließen oder den Standort verlagern, um anderswo Wettbewerbsfähigkeit und Rohstoffverfügbarkeit zu sichern?

AGR/DeSH

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