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Nationales Naturerbe: Bundesamt für Naturschutz zieht Bilanz

Zehn Jahre nach dem ersten Beschluss der Bundesregierung zur Sicherung des Nationalen Naturerbes wird in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Natur und Landschaft“ eine erste Bilanz gezogen: Bislang sind 125.000 ha des Bundes von der Privatisierung ausgenommen und werden als Naturerbeflächen an Naturschutzverbände, Stiftungen und die Länder unentgeltlich übertragen.In dem Themenheft werden der aktuelle Stand der Übertragungen und die weiteren Planungen zu den bestehenden Naturerbeflächen vorgestellt und diskutiert. Neben einem allgemeinen Überblick und Auswertungen aus Sicht des Bundes und der Naturschutzorganisationen greifen Fachbeiträge flächenspezifisch die Themen Wald, Offenlandpflege und Monitoring auf.„Das Nationale Naturerbe ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes in Deutschland. Das vorliegende Themenheft zeigt eindrucksvoll, in welchem Umfang der Bund Verantwortung für die Sicherung wertvoller Naturschutzflächen übernommen hat“, sagte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Jessel verwies darauf, dass rund zwei Drittel der aktuellen Naturerbeflächen mit Wald bestanden sind. Eine mit der unentgeltlichen Übertragung verbundene Bedingung ist, dass die Waldflächen kurz- bis mittelfristig aus der forstlichen Nutzung genommen werden. „Der Bund leistet damit einen wesentlichen Beitrag bei der Erfüllung der in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt formulierten Zielsetzung von Wildnis auf zwei Prozent der Landesfläche bzw. fünf Prozent der Waldfläche“, erklärte die BfN-Präsidentin.Das aktuelle Themenheft gibt einen Überblick zu den Merkmalen der übertragenen Flächen wie zum Beispiel zu vorkommenden Lebensraumtypen oder Schutzgebietsanteilen. Größte Flächenempfängerin ist die DBU Naturerbe GmbH. Sie berichtet in dem Heft über gezielte Maßnahmen des Waldumbaus, um möglichst schnell einen naturnahen Zustand und das Ziel der Nutzungsaufgabe zu erreichen. Auch das Thema Munitionsbelastung wird aufgegriffen, da es sich bei vielen Naturerbe-Gebieten um ehemals militärisch genutzte Flächen handelt und die Munitionsbelastung eine besondere Herausforderung für das weitere Management darstellt. In diesem Zusammenhang werden Möglichkeiten zur Offenlandpflege beschrieben und diskutiert, wie die Beweidung, die Energieholznutzung und das Feuermanagement. Da die weitere Entwicklung der Naturerbeflächen beobachtet werden soll, wird in dem Themenheft auch ein vereinfachter Monitoring-Ansatz für Naturerbe-Waldflächen eingeführt.Das Themenheft „Nationales Naturerbe“ ist in enger Kooperation mit der Naturstiftung David entstanden. Das Engagement der Naturschutzorganisationen, die bereits frühzeitig insbesondere auf den Naturschutzwert von Militärflächen hingewiesen haben, war eine Voraussetzung für die Sicherung der Naturerbeflächen. „Der Erfolg des Nationalen Naturerbes war nur durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Verbänden möglich“, sagte Adrian Johst, Geschäftsführer der Naturstiftung David. Die Naturstiftung David koordiniert im Auftrag des Deutschen Naturschutzrings (DNR) die beim Nationalen Naturerbe engagierten Stiftungen und Verbände. „Bei der weiteren Sicherung und im Management der Naturerbeflächen werden auch weiterhin intensive Abstimmungen und der Austausch zwischen allen Flächeneigentümern notwendig und sinnvoll bleiben“, erläuterte Johst die zukünftigen Aufgaben.HintergrundIm Jahr 2005 hatte die Bundesregierung beschlossen, bis zu 125.000 ha Naturflächen des Bundes von der Privatisierung auszunehmen und diese an Naturschutzverbände, Stiftungen sowie an die Bundesländer zu übertragen. Diese Flächen sollen so dauerhaft für den Naturschutz gesichert werden. In Planung ist derzeit eine Erweiterung des Nationalen Naturerbes auf insgesamt mehr als 156.000 ha. Ehemals militärisch oder für den Braunkohlentagebau genutzte Areale sowie das Grüne Band als größter Biotopverbund in Deutschland bleiben so als wertvolle Naturräume erhalten. Insbesondere militärische Übungsgelände sind wichtige Rückzugsgebiete für Arten mit großem Raum- und Ruheanspruch wie zum Beispiel Seeadler oder Wolf, weil es sich meist um großflächige, unzerschnittene und in weiten Teilen unberührte Lebensräume handelt.BezugEinzelhefte können beim Verlag W. Kohlhammer GmbH bestellt werden; Einzelartikel sind gegen eine Gebühr von 2,95 €/Artikel von der Natur-und-Landschaft-Homepage (www.natur-und-landschaft.de) als Screen-PDF-Datei verfügbar.

BfN

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