WaldÖkologie

Über Tausend nächtliche Schönheiten im Nationalpark Eifel

Bearbeitet von Carolin Föste

Wenn es Nacht wird im Nationalpark Eifel und Ruhe einkehrt, dann beginnt die Zeit der Insekten, die im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Motten bezeichnet werden. Sie gelten als grau und wenig ansehnlich. Doch sie haben ihren Platz im Ökosystem – nun wurden Erkenntnisse über sie aus der Eifel zusammengetragen.

Tatsächlich seien viele der nachtaktiven Schmetterlinge wunderschön, erklärt Wald und Holz NRW in einer Pressemitteilung. Der filigran gezeichnete Nagelfleck (Aglia tau) oder die elegante Langhornmotte (Adelidae) gehören zu den Nachtfaltern und sind nur zwei von überraschend vielen im Nationalpark Eifel nachgewiesenen und teilweise sehr seltenen Nachtschmetterlingen. Dazu sei bisher aber nur wenig bekannt. Die jetzt veröffentlichte Broschüre ist die erste große Erfassung der nachtaktiven Schmetterlinge im Nationalpark Eifel.

12 Jahre und über 1.000 Arten

Forscher an der Lichtfalle bei Nacht
Forscher an der Lichtfalle auf der Suche nach Nachtfaltern
Foto: Rudi Seliger

Möglich wurde diese Forschung unter anderem durch sechs ehrenamtliche Schmetterlingsforscher, die in langen nächtlichen Beobachtungen das Arteninventar erfasst haben. Wichtigster Partner in diesem Projekt sei die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen (Schmetterlingskundler). Über einen Zeitraum von zwölf Jahren konnten die Nachtfalterexperten um Wolfgang Wittland und Rudi Seliger mit viel Engagement und Herzblut 1.288 Nachtfalterarten nachweisen. Jetzt wurden die Ergebnisse der Forschungsarbeiten in einem 288 Seiten starken Gesamtwerk zusammengetragen und von Wald und Holz in Arnsberg vorgestellt.

Die Arbeit der ehrenamtlichen Schmetterlingskundler ist ein sogenanntes „Citizen Science-Projekt“ – übersetzt „Bürger schaffen Wissen“. Projektleiter und Biologe Dr. Andreas Pardey vom Fachgebiet Forschung des Nationalparkforstamtes Eifel von Wald und Holz NRW: „Die Broschüre wäre ohne das ‚Citizen Science-Projekt‘ nicht möglich gewesen.“

Projekt begleitet Wildnis aus zweiter Hand

Ziel war es, eine Vergleichsstudie für spätere Wiederholungsuntersuchungen zu haben, wenn die natürliche Entwicklung im Nationalpark Eifel weiter fortgeschritten ist und sich deshalb die Lebensraumbedingungen verändert haben. Der noch junge Entwicklungsnationalpark wurde 2004 gegründet und ist auf dem Weg zu einer Wildnis aus zweiter Hand. Die Nachtschmetterlinge, die dort aktuell vorkommen und künftig vorkommen werden, geben den Expertinnen und Experten des Nationalparks wertvolle Hinweise darauf, wie die Entwicklung zur Natur aus zweiter Hand vorankommt.

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz: „Naturschutz, Artenschutz und der Erhalt der Biodiversität gehören zum Markenkern von Wald und Holz NRW. Besonders wichtig ist mir, dass die Diskussion um Biodiversität faktenbasiert erfolgt. Das ist leider nicht immer selbstverständlich. Die Forschung zu den Nachtfaltern im Nationalpark Eifel liefert wichtige Daten Entwicklung der Biodiversität in unseren Wäldern. Für diese Forschung arbeiten unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gern gemeinsam mit ehrenamtlichen Naturschützern und Artenexperten. Das ‚Citizen Science Projekt‘ im Nationalpark Eifel ist dafür ein gutes Beispiel.“

Gefährdete Arten und gefährdete Artenkenntnis

Die ehrenamtlichen Wissenschaftler lagen 273 Tage beziehungsweise Nächte auf der Lauer und lockten mit Lichtquellen und Ködern an 12 ausgewählten Wald- und Grünlandbereichen über 90.000 Einzeltiere an. Dabei wurden 1.337 Schmetterlings-Arten gefunden, darunter 1.288 Nachtfalter-Arten. Dies sind rund 36 % der für Deutschland bekannten Arten. Darunter sind 248 Arten mit einem Gefährdungsstatus in NRW. Zahlreiche Arten wurden für die Nordeifel bzw. NRW sogar erstmalig nachgewiesen.

„Die ehrenamtlichen Spezialisten sind für solch grundlegende Forschungsarbeiten wichtiger denn je“, sagt Pardey. Infolge der rückläufigen Vermittlung von Artenwissen in der universitären Ausbildung gibt es immer weniger Menschen mit guten Artenkenntnissen. Eine natürliche Artenvielfalt ist die Grundlage für stabile Ökosysteme, so Pardey.

Expertinnen und Experten „dringend benötigt“

Wiebe ergänzt: „Im Wald gibt es bei der Entwicklung der Artenvielfalt, zum Beispiel in der Vogelwelt viele positive Entwicklungen. Umso wichtiger ist es genau hinzuschauen, wo die Biodiversität sinkt. Deshalb werden Expertinnen und Experten zur Erfassung der Artenvielfalt dringend benötigt.“

Die Studie wurde als 9. Band der Schriftenreihe zum Nationalpark Eifel der Nationalparkverwaltung herausgegeben und ist kostenlos als Download verfügbar: Forschung im Nationalpark Eifel (nationalpark-eifel.de)

Quelle: Wald und Holz NRW