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Nadelstammholz unter Druck

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist weiterhin gut. Die Holzindustrie
produziert auf hohem Niveau. Wie reagieren die Rundholzmärkte?

 

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni etwas gesunken. Die Manager schätzen zwar die aktuelle Geschäftslage in fast allen Branchen etwas schlechter ein, der Index liegt aber nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Die Wirtschaft floriert trotz leichter Eintrübung weiterhin. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird im Jahr 2018 von namhaften Instituten auf 1,7 bis 2,0 % geschätzt. Dennoch warnen Experten vor Konjunkturrisiken wie z. B. der protektionistischen Politik der USA.

Auch in der Bauwirtschaft hat der Index auf seinem Rekordniveau leicht nachgegeben. Die aktuelle Lage wird von den befragten Managern etwas schlechter eingeschätzt. Hintergrund könnten leicht sinkende Auftrags- und Umsatzzahlen im Wohnungsbau sein. Der Bauboom hält jedoch weiter an. Die Zahl der Auftragseingänge liegt deutlich über dem Schnitt der letzten Jahre.

Außerdem lag der Umsatz im Bauhauptgewerbe in den ersten drei Monaten diesen Jahres 6,3 % über dem des Vorjahreszeitraums. Bis Jahresende wird mit einem Umsatzwachstum im Wohnungsbau in Deutschland von 3,6 % im Vergleich zum Vorjahr gerechnet. Somit würde der höchste Wert seit 18 Jahren erreicht werden. Stabil ist auch die Anzahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau. In den ersten vier Monaten des Jahres 2018 wurden 0,7 % mehr Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt worden als im Vorjahr.

Für die nächsten Jahre bis 2020 erwartet das Forschungsnetz Euroconstruct in den 19 angeschlossenen Mitgliedsländern einen leichten Umsatzrückgang des Wohnungsbaus. Als Gründe werden ausgelastete Kapazitäten in der Bauwirtschaft, gestiegene Preise für Baumaßnahmen, Grundstücke und Wohnimmobilien sowie gestiegene wirtschaftspolitische Risiken angeführt.

Der Geschäftsklimaindex in der Holzindustrie ist auf hohem Niveau stabil. Besonders positiv wird die Geschäftslage und -entwicklung von der Holzpackmittel- und Palettenindustrie sowie der Nadelholzsägeindustrie eingeschätzt. Etwas verhaltener haben sich die Manager der Holzwerkstoffindustrie geäußert. Die Erzeugerpreise der vom Statistischen Bundesamt beobachteten 19 Holzprodukte (Schnittholzsortimente, Holzwerkstoffe, Pellets, Hackschnitzel) lagen im Mai 2018 fast ausnahmslos über denen des Vorjahrs.

Hochkonjunktur bei den Nadelholzsägewerken

Die wirtschaftliche Lage der Nadelholzsägewerke ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Nachfrage nach Nadelschnittholz ist nach wie vor hoch. Dies betrifft sowohl die aufgrund der Baukonjunktur florierenden Inlands- als auch die Exportmärkte. Die in die Levante (östliche Mittelmeerküste und das Hinterland) und nach Nordafrika gelieferten Kiefernschnittholzmengen konnten im zweiten Quartal 2018 deutlich gesteigert werden. Auch die Nadelschnittholzlieferungen in die USA konnten ausgeweitet werden.

Die Preise für Fichten- und Tannenschnittholz lagen in Deutschland im Mai durchschnittlich 4,7 % über denen des Vorjahresmonats und haben damit den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre erreicht. Die Sägewerke produzieren auf hohem Niveau. Im ersten Quartal 2018 wurden mit 3,573 Mio. m³ 10,6 % mehr Fichtenschnittholz produziert als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Insgesamt war die Nadelschnittholzproduktion im ersten Quartal 4,2 % höher als im Vorjahr. Auch im zweiten Quartal wird von einer anhaltend hohen Produktionstätigkeit berichtet.

Die EOS (European Organisation of the Sawmill Industry) rechnet 2018 in den 13 Mitgliedsländern mit einem Anstieg der Nadelsägeholzproduktion von 1,3 %. Für Deutschland wird sogar eine 4,2 % höhere Produktion prognostiziert. Probleme bereitet einigen Sägewerken der Fachkräftemangel. Geplante Produktionsausweitungen konnten deswegen teilweise nicht umgesetzt werden.

Trotz der hohen Einschnitttätigkeit sind die Sägerestholzpreise stabil und liegen häufig im zweistelligen Prozentbereich über denen des Vorjahrs. Die Rundholzversorgung der Nadelholzsägewerke ist hoch. Die Stammholzpreise liegen unter denen des Vorjahrs. Die sehr gute wirtschaftliche Lage nutzen viele Sägewerke für notwendige Investitionen in bestehende Anlagen oder die Erhöhung der Verarbeitungskapazitäten.

Überangebot an den Nadelrundholzmärkten

Die Lage an den Nadelrundholzmärkten hat sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert. Die Aufarbeitung der Sturmholzmengen, ein hoher Frischholzeinschlag außerhalb der Sturmgebiete und die beginnende Aufarbeitung von Borkenkäferholz führen zu einem Überangebot an den Rundholzmärkten.

Die Aufarbeitung der Sturmholzmengen des Sturms Friederike vom 18. Januar 2018 und der vorangegangenen Stürme ist noch nicht abgeschlossen. In den Hauptschadensgebieten ist der Aufarbeitungsstand sehr unterschiedlich. In vom Borkenkäfer bedrohten Bereichen wurde versucht, möglichst rasch aufzuarbeiten. Die Forstverwaltungen hatten so die Möglichkeit, Holz, das nicht abgefahren werden konnte, am Waldweg mit zugelassenen Insektiziden zu behandeln, um weiteren Befall zu vermindern.

Auch dort, wo der Holzabfluss per Bahn oder Lkw gewährleistet war oder wo Holz in Folien- oder Nassläger gebracht wurde, sind schon große Teile des Sturmholzes aufgearbeitet. In anderen Bereichen wurde das Holz bewusst am Stock belassen, um einer Entwertung vorzubeugen. Insgesamt dürfte sich die Aufarbeitung wegen des zähen Holzabflusses noch einige Monate hinziehen.

Fuhrkapazitäten sind knapp. Die Anhebung des zulässigen Gesamtgewichts auf 44 t und die Aufhebung des Kabotageverbots in den Hauptschadensgebieten wirken unterstützend, konnten aber die Logistikprobleme nicht lösen. In den ersten Monaten des Jahres hatten einige Forstverwaltungen, forstliche Zusammenschlüsse und Privatwaldbesitzer in den Nicht-Sturm-Regionen den Frischholzeinschlag forciert. In der verregneten Einschlagssaison im Winter 2017/18 konnten Einschlags- und Einnahmeziele häufig nicht verwirklicht werden, was nun nachgeholt werden sollte. Zudem war man bemüht, abgeschlossene Verträge möglichst rasch auszuliefern.

Die Frischholzmengen setzten die Holzvermarktung in den Sturmholzregionen zusätzlich unter Druck. Wegen der anhaltend trocken-warmen Witterung steigen aktuell in vielen Regionen in Deutschland, aber auch in angrenzenden Ländern wie der Schweiz und in Österreich die Zwangsnutzungen von vom Borkenkäfer befallenem Holz. Die folgerichtige Reduktion des Nadelfrischholzeinschlags in Bayern und Baden-Württemberg führte bisher zu keiner grundlegenden Entlastung der Märkte.

Die Nadelrundholzpreise stehen in den meisten Regionen Deutschlands unter Druck. Für Fichtenstammholz in Bayern werden je nach Zeitpunkt des Vertragsabschlusses 83 bis 93 €/Fm für das Sortiment 2b in B/C-Qualität erlöst. Der Abschlag für Käferholz wird mit 20 bis 25 €/Fm beziffert. In Rheinland-Pfalz konnten bei aktuellen Verhandlungen wegen geringer Sturmholzmengen und hoher Nachfrage die Preise für das gleiche Sortiment auf hohem Niveau bei 87 bis 93 €/Fm gehalten werden.

In den Sturmschadensgebieten in der Mitte und im Norden Deutschlands werden häufig Preise zwischen 65 und 75 €/Fm für Fichtenstammholz, Stärkeklasse 2b in B/C-Qualität gezahlt. An den Spotmärkten liegt der Preis zum Teil deutlich darunter. Vertraglich ungebundene Frischholzmengen sind hier aktuell nur schwer zu vermarkten.

Wegen des bestehenden Überangebots an Fichtenstammholz stehen auch die Kiefernstammholzmärkte nach wie vor unter Druck. In Norddeutschland liegen die Preise für Kiefernlangholzabschnitte LAS, Stärkeklasse 2b, Güteklasse B/C bei 60 bis 66 €/Fm. Von Verkaufsorganisationen wird berichtet, dass auch hier vertraglich ungebundene Mengen kaum absetzbar sind. Für Nadelholzpalette 2,40 m + 10 cm werden Preise zwischen 29 und 34 €/Rm erzielt.

Hohe Laubstammholznachfrage zum Saisonstart

Die Laubstammholzsäger profitieren ebenfalls von der guten gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland und in den wichtigsten Exportmärkten. Die Laubschnittholzpreise haben im einstelligen Bereich angezogen. Das Preisniveau ist so hoch wie in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr. Allerdings sind auch die Laubstammholzpreise stabil bis anziehend.

Problem einiger Werke ist die nach wie vor unzureichende Rundholzversorgung und Rückstände bei der Auslieferung bestehender Schnittholzverträge. Die Geschäftslage der Laubholzsäger ist daher nicht so gut wie die der Nadelholzsäger, wird aber als gut bis befriedigend eingeschätzt. Die Marktlage für Buchenschnittholz auf den europäischen Märkten wird als befriedigend, die auf den asiatischen Märkten als tendenziell gut eingeschätzt.

In China werden Presseberichten zufolge vor allem helle, gedämpfte Buchenschnittholzsortimente gesucht. Die weitere Entwicklung des bedeutenden chinesischen Markts hängt nicht zuletzt von der Umsetzung der von den USA angedrohten Handelshemmnisse ab. Die politischen Diskussionen der vergangenen Wochen haben zu einer Verunsicherung chinesischer Abnehmer geführt, die sich Presseberichten zufolge auch in den laufenden Verhandlungen von Anschlusskontrakte über Buchenschnittholz niederschlägt.

Die Buchenstammholzsaison ist früh gestartet. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Rundholzversorgung wurden bereits Ende Mai/Anfang Juni erste Abschlüsse über Frühlieferungen von Buchenstammholz getätigt. Hierbei wurden im Vergleich zum Vorjahr der Basispreis leicht und die Frühlieferprämien für Lieferungen ab Ende August deutlich auf bis zu 20 €/Fm angehoben. Auch die Lieferbedingungen wurden vereinfacht. Erste buchenstammholzexportierende Händler haben ihrerseits ein reges Einkaufinteresse bekundet und Frühlieferprämien in Aussicht gestellt.

Die knappe Verfügbarkeit von Einschlags- und besonders Holzrückeunternehmern könnte die Rundholzbereitstellung zu Beginn der Laubholzsaison vor allem in der Mitte und im Norden Deutschlands begrenzen. Die Sturmholzaufarbeitung bindet nach wie vor Kapazitäten.

Für Eichenstammholz wurde in ersten Gesprächen eine hohe Nachfrage signalisiert. Die Eichenrundholzpreise werden ersten Einschätzungen zufolge nochmals deutlich steigen. Eswurde auch ein reges Interesse an Eschenstammholz bekundet. Dagegen scheinen Kirsche und Bergahorn nach wie vor weniger gefragt zu sein. Insgesamt sind die Vorzeichen für die Laubstammholzsaison also vielversprechend.

Gute Geschäftslage der Holzwerkstoffindustrie

Die Holzwerkstoffindustrie hat nach Angaben der European Panel Federation (EPF) im vergangenen Jahr mit 57,6 Mio. m³ 3 % mehr Holzwerkstoffe produziert als im Jahr 2017. Mehr als die Hälfte waren Spanplatten (54 %), gefolgt von MDF- (21 %), OSB- (10 %) und Dämmplatten (9%) sowie Sperrholz (6 %). Während Span- und MDF-Platten überwiegend in der Möbelindustrie weiterverarbeitet werden, werden OSB, Dämmplatten und Sperrholz zum größten Teil in der Bauindustrie eingesetzt. Deutschland ist europaweit der größte Spanplatten-, MDF-, und OSB-Produzent.

Für das laufende Jahr rechnet die EPF mit einem weiteren Anstieg der Holzwerkstoffproduktion in den EU28- und EFTA-Ländern. Die Preise für Holzwerkstoffe sind im laufenden Jahr auf breiter Front gestiegen. Im Mai 2018 lagen sie für OSB um 23,7 %, für Spanplatten roh und geschliffen um 11,5 %, für MDF um 7,5 % über den Preisen des Vorjahresmonats. Die hohe Produktionstätigkeit der Holzwerkstoff- und Zellstoffindustrie führt zu einem hohen Rohstoffverbrauch und zur Stabilisierung der Sägerest- und Industrieholzmärkte. Die Nadelindustrieholzmengen sind zum größten Teil in Halbjahres- oder Jahresverträgen gebunden.

Größere Preisänderungen hat es in den letzten Wochen nicht gegeben. Für Nadelindustrieholz in F/K-Qualität werden im Norden Preise zwischen 19 bis 24 €/Rm erzielt. OSB-Qualitäten erlösen 23,40 bis 26,00 €/Rm. Fichtenschleifholz erbringt 27,30 bis 30,50 €/Rm.

Lkw-Transportkapazitäten sind knapp. Nicht selten kommt es zu Problemen bei der Werksversorgung mit waldlagerndem Industrieholz. Die Konjunktur läuft trotz einiger Wolken am Horizont auf hohem Niveau. Die wirtschaftliche Belebung ist voll in der Holzindustrie angekommen. Für die Waldbesitzer ergeben sich erfreuliche Absatzmöglichkeiten für Laubstammholz. Die Fichten-, Kiefern- und Tannenstammholzmärkte stehen trotz hoher Einschnittstätigkeit und hohem Rundholzbedarf der Sägewerke unter Druck. Wer kann, sollte die Nadelstammholzernte in dieser angespannten Lage auf bessere Zeiten verschieben.

Michael Degenhardt, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Forstamt Südniedersachsen Quellen: u. a. EUWID, Holzzentralblatt, Holzjournal

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