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Nadelschnittholz-Konferenz in Riga – ein Resümee

Gerd Ebner zieht für den Holzkurier ein Resümee der Internationalen Nadelschnittholz-Konferenz 2018 in Riga.

„Wie schätzen Sie die Marktentwicklung 2019 ein? Geht es runter, bleibt es stabil oder steigt die Nachfrage“, das war die Einleitung von Sampsa Auvinen, Präsident der Europäischen Organisation der Sägeindustrie (EOS), am 11. Oktober auf der Internationalen Nadelschnittholz-Konferenz in Riga. Das Ergebnis war eindeutig!

Wenige der über 200 Teilnehmer hoben bei der ersten und dritten Frage die Hand – die überwältigende Mehrheit der anwesenden Säger und Holzhändler geht von einer weiterhin stabilen Marktentwicklung aus. Optimistisch eröffnete Auvinen daher auch seine Ausführungen: „In der jüngeren Vergangenheit konnte die Nadelschnittholz-Produktion lange Zeit nicht mit dem Bedarf Schritt halten. Es kam zu einer unausgeglichenen Situation, welche die Preise steigen ließ. Zuletzt glichen sich Angebot und Nachfrage besser an.“ Die Nadelschnittholz-Erzeugerländer meldeten Auvinen steigende Produktionen für 2018 und 2019: heuer noch 3,2 %, 2,8 % dann 2019.

Schweden bald auf Vorkrisenniveau

„Wenn die schwedische Nadelschnittholz-Produktion 2019 wirklich um 2,2 % zulegt, hat Schweden als erster wieder das Vorkrisenniveau erreicht“, freute sich Auvinen. „Insgesamt fehlen des ISC-Staaten bis dorthin aber nur noch rund 2 Mio. m3 Produktion“, analysierte er. Was dem EOS-Präsidenten aber fehlt, ist eines: Rundholz. Daher sieht er steigende Rundholzpreise im Baltikum und in Schweden sowie leichte Rückgänge in Schweden voraus. In Mitteleuropa sinken die Preise. „Die Rundholzversorgung ist der Flaschenhals in Europa. Die Produktion kann so kaum noch steigen. Umgekehrt zieht die Konjunktur in Europa um 2 % an und wird sich 2019 nur leicht einbremsen“, analysierte Auvinen.

Marktaussichten

Der Absatz in China hat sich für die Europäer eingebremst, aber der Markt wächst weiter und importiert immer mehr Holz aus Russland. Das chinesische BIP wächst ebenso wie Chinas Bauzahlen. Japan baut tendenziell weniger, die Importe sind aber anhaltend stabil. Andere asiatische Staaten werden immer bedeutender für die europäische Holzindustrie. Diese sind bedarfsmäßig in Summe schon so groß wie China. Levante: Ägypten hat sich so erholt, dass die Schweden dorthin das liefern können, was sie in China verloren haben. Die USA erhalten pro Jahr schon wieder 2 Mio. m³ europäisches Holz. Der Markt ist zu volatil, als dass sich die europäischen Produzenten getrauen würden, mehr hinzuliefern. Viele erinnern sich noch, was 2006/2007 passierte. Für Deutschland sind die USA schon Exportland Nummer 1. Der US-Bedarf ist aber hoch und die Hausbau-Genehmigungen steigen weiter.

Sampsa Auvinen zu den Marktaussichten:

  • Die europäische Wirtschaft entwickelt sich stabil.
  • Der globale Schnittholzbedarf steigt weiter.
  • Der Einfluss der Währungsverhältnisse war zuletzt vergleichsweise gering, wird uns künftig aber wohl stärker treffen.
  • Die wirtschaftlichen Ergebnisse der europäischen Sägewerke sind gut. Investments in Produktionsverbesserungen werden durchgeführt.
  • Die Rundholzverfügbarkeit in Europa limitiert das weitere Wachstum.
  • Die Preise für Rund- und Schnittholz werden weiter steigen.

Andreas von Möller – Präsident europäischer Holzhandelsverband (ETTF), stellt fest:

  • 2017 war für die meisten von uns gut.
  • 2018 kann man als „ganz gut“ bis „sehr gut“ einschätzen. Es gab allerdings in den vergangenen Monaten eine Abkühlung.
  • 2019 wird noch gut starten und dann wohl etwas härter werden.

Ende der weltweiten Absatzparty?

Unsicherheiten summieren sich am Horizont: Was passiert mit dem Schadholz? Wie schaut Chinas Bedarf aus? Gibt es einen Immobilienblase? Wie entwickelt sich der Export in die USA? Kommt ein chaotischer Brexit? Wie wirken sich die Handelskriege auf unsere Produkte aus?

Detailliert ging Andreas von Möller, Präsident des Europäischen Holzhandelsverbandes, auf die europäischen Importmärkte hin. Diese prägt weiter hohe Zuversicht. Das Plus im Türen- und Fensterbereich zeigt, dass „der Bau sehr gut läuft“. Nach einem guten Vorjahr gab es heuer erneut einen stabilen Zuwachs. „2019 sollte gut starten – es wird aber härter“, schloss von Möller. „Die Unsicherheiten steigen einfach: der hohe Schadholzanfall, was passiert in China, nach dem Brexit und wie wirken sich die Handelshemmnisse auf den Holzbedarf aus? Ich würde aber meinen: Bleibt optimistisch für das kommende Jahr.“ Der Experte wies die Produzenten darauf hin, dass man den weltweiten Absatz auch den „lächerlich tiefen“ Transportkosten verdanke. „Es stimmt etwas nicht, wenn es vom Baltikum aus gleich teuer ist, Holz nach Großbritannien oder US-Ostküste zu schicken. Die Containerpreise nach China sind ebenfalls nicht nachhaltig.“ Mit dem Ende dieser Preise komme auch das Ende der weltweiten Absatzparty, sagte von Möller voraus.

Krise kommt bestimmt, nur wann?

Riskmanager Kärlis Danevics, SEB Bank, wies in Riga darauf hin, dass man bereits sehr weit im Konjunkturzyklus fortgeschritten sei. „Der Abschwung wird kommen.“ Die Worte: „Diesmal ist es anders“, wären schon immer die teuersten in der Geschichte gewesen. Als Warnsignale verwies er auf den hohen Verschuldungsgrad in China und in den USA hin. Bei beiden seien es schon 150 % des BIP. Dagegen wirke die EU mit 100 % durchschnittlich sehr stabil. Abschließend warnte Danevics vor einem „wirklich kranken Land in Europa, dessen Wirtschaftskraft größer als die Russlands ist“: Italien.

holzkurier.com

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