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Nadelrundholz regional unverkäuflich

Die Sturmholzmenge durch den Sturm Friederike wird mittlerweile auf 18 Mio. Fm geschätzt und damit deutlich höher, als viele Forstbetriebe erwartet hatten. Die letzten offiziellen Zahlen lagen noch bei etwa 11 Mio. Fm. Hinzu kommen die Mengen der vorangegangenen Stürme Xavier und Burglind. Zudem haben Gewitterstürme im Sommer für erneuten Zwangsanfall gesorgt. Insgesamt dürfte die Sturmholzmenge weit über 20 Mio. Fm liegen.

Seit Anfang August steigt der Anfall an Käferholz. Die über Monate hinweg trockenwarme Witterung hat für optimale Entwicklungsbedingungen für die Borkenkäferarten gesorgt und zusätzlich die Vitalität der Fichten und Lärchen in Mitteleuropa und in Teilen Skandinaviens geschwächt. Geringer oder fehlender Harzdruck machen den Borkenkäfern leichtes Spiel. Der Gesamtanfall von Käferholz in Mitteleuropa und Skandinavien wird Presseberichten zufolge auf etwa 20 Mio. Fm geschätzt. Außer aus Deutschland werden große Mengen Käferholz aus Tschechien, Österreich und Schweden gemeldet.

In Deutschland sind besonders die fichtengeprägten Sturmschadensgebiete betroffen, wo die Borkenkäferkalamität wegen der hohen Verfügbarkeit bruttauglichen Materials das Ausmaß einer Naturkatastrophe erreicht. Doch auch in nicht vom Sturm betroffenen Regionen wird besonders auf flachgründigen Standorten von einem erheblichen Käferholzanfall berichtet. Befallen sind überwiegend Fichten durch die bekannten Borkenkäferarten Kupferstecher und Buchdrucker. Beim Buchdrucker wird nicht selten die erfolgreiche Entwicklung von drei Generationen beobachtet. Wegen des Anhaltens der sommerlichen Witterung wird mit einem weiteren Stehendbefall bis in den September hinein gerechnet. Außer bei Fichte sind in diesem Jahr auch bei der Lärche starke Borkenkäferschäden festzustellen.

Die Aufarbeitung und Vermarktung des Sturmholzes liegt in den betroffenen Regionen zumeist zwischen 70 und 90 %. Außerhalb der Sturmschadensgebiete wurde der Frischholzeinschlag in den vergangenen Monaten häufig in normalem Umfang fortgesetzt. Beides führte bereits vor der Aufarbeitung des Käferholzes zu einem Überangebot auf den Rundholzmärkten.

Logistikprobleme wegen fehlender Lkw- und Bahnkapazitäten und Anfuhrbeschränkungen führten dazu, dass in den Hauptsturmschadensgebieten noch große Mengen Rundholz im Wald lagern. Die Qualität des teilweise seit Monaten am Waldweg bereitgestellten Holzes leidet. Mit zunehmendem Zwangsanfall durch Borkenkäfer wurde die Sturmholzaufarbeitung zumeist eingestellt. In Abhängigkeit vom Witterungsverlauf planen viele Forstbetriebe, etwa Anfang Oktober die Käferholzaufarbeitung bis Februar einzustellen und entweder in den Laubholzeinschlag zu wechseln oder die Sturmholzaufarbeitung fortzuführen.

Die Marktlage stellt sich in Deutschland sehr uneinheitlich dar. In Süddeutschland werden in Gebieten mit geringem Sturmholzanfall für Fichtenfrischholz, Stärkeklasse 2b, B/C-Qualität 75 bis 92 €/Fm gezahlt. Der Käferholzabschlag beträgt Pressemitteilungen zufolge 20 bis 35 €/Fm. In den Sturmschadensgebieten in Mitteldeutschland sind für das gleiche Sortiment Preise für Fichte, 2b, in B/C-Qualität von 55 bis 75 €/Fm bekannt geworden.

Die anfallenden Käferholzmengen wurden von größeren Vermarktungsorganisationen zu B/C/D-Mischpreisen von 45 bis 55 €/Fm vermarktet. Im Rundholzexport konnte stärkeres Fichtenstammholz in größeren Mengen mit Zopfdurchmesser von 20 bzw. 25 cm ohne Rinde, B/C/D, Käferbefall zulässig, für 50 bis 55 €/Fm vermarktet werden.

Am heimischen Markt sind wegen des Überangebots vertraglich nicht gebundene Mengen kaum noch absetzbar. Erst mit nachlassender Bereitstellung von Käfer- und Sturmholz in den kommenden Monaten ist mit Entlastung zu rechnen. Es ist zu erwarten, dass sich der Markt zweiteilt. Die Preise für frische, weiße Fichtensägeholzqualitäten werden vermutlich steigen, während sich der Markt für schlechtere Qualitäten erst langsam erholen dürften. Der verfügte Einschlagsstopp für Frischholz in einigen Bundesländern könnte für Entlastung sorgen.

Der Kiefernstammholzmarkt ist im Zuge der Preisrücknahmen für Fichtenstammholz ebenfalls unter Druck geraten. Vermarktungsorganisationen haben angekündigt, den Frischholzeinschlag wegen der unattraktiven Konditionen nach Auslieferung bestehender Verträge einzustellen. Teilweise wurden Kiefernstammholzverträge in Fichtenholz-B/C/D-Verträge umgewandelt, um das Käferholz absetzen zu können. Der Preisrahmen für Kiefernstammholzabschnitte, 2b, B/C-Qualität liegt bundesweit bei ca. 58 bis 68 €/Fm.

Wegen des hohen Angebots an Nadelholzpalette sind ungebundene Mengen nur schwer oder nicht absetzbar. Die Preise für Nadelholzpalette 2,40 m + 10 cm liegen zwischen 28 und 35 €/Rm.

Michael Degenhardt, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Forstamt Südniedersachsen Quellen: u. a. EUWID, Holzzentralblatt, Holzjournal

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