Waldbau

Nadelbaumwirtschaftswälder durch den Waldbau auf Trockenheit vorbereiten

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

In Mitteleuropa werden Trockenzeiten mit dem Klimawandel häufiger, doch manche heutige Wälder können schlecht damit umgehen. Forscher der Eidgen. Forschungsanstalt WSL in der Schweiz zeigen nun anhand von Daten eines 30-jährigen Experiments der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), wie anfällig Fichten- und Tannenwirtschaftswälder auf Dürre sind.

An sechs Versuchsstandorten mit Fichten- und Weisstannenwäldern wurde seit den 1970er Jahren eine besondere Waldbewirtschaftung erforscht, der Femelschlag. Dabei lässt man beim Holzschlag Gruppen von Bäumen stehen. In den frei werdenden Lücken samen sich dann neue Bäume an und es entsteht ein altersmässig gestufter Wald. Die richtige Art von Waldbau kann also die Resilienz gegen Trockenheit erhöhen, das heißt, wie rasch und gut sich die Bäume davon erholen können. Jeder einzelne Baum auf den Flächen wurde im Laufe der Zeit genau vermessen. Einen Rückschluss auf die Schweizer Wälder ermöglichte anschließend der Vergleich mit mehr als 300 Testflächen zum Waldwachstum (EFM), welche die WSL teilweise schon seit über 100 Jahren beobachtet.

Alessandra Bottero (Erstautorin der Studie) misst den Umfang einer Tanne. Zusätzlich zu solchen Messungen entnahmen die Forschenden auch Jahrringbohrkerne, die das vergangene jährliche Wachstum aufzeigen. Foto: M. Sławski

Tanne als Ersatz für Fichte?

Fichte und Weißtanne sind die wichtigsten Baumarten für die Waldbranche: Die Fichte ist der Hauptholzlieferant, hat aber vielerorts wegen Trockenheit und Borkenkäfern keine Zukunft. Die Weißtanne gilt als Ersatz für die Fichte, da ihre Wurzeln tiefer reichen und sie somit besser an Wasserknappheit angepasst ist. „Beides sind zurzeit Megathemen in der Europäischen Waldszene, und zwar aus ökologischer wie aus ökonomischer Sicht“, sagt Andreas Rigling, Leiter der WSL-Forschungseinheit Walddynamik.

Hohe und große Bäume empfindlicher für Trockenheit

Dank der Langzeitdaten aus Südwestdeutschland, ergänzt mit neuen Untersuchungen an diesen Standorten, konnte das internationale Forschungsteam die Wirkung von Trockenzeiten auf Fichten und Tannen erkunden. Die Messungen zum Wachstum und zum Zustand der Bäume zeigten, dass Fichten schon unter leichter Trockenheit litten, während Weißtannen noch genügend Wasser erschließen können und somit von höheren Temperaturen sogar profitieren konnten. Bei extremer Trockenheit, zum Beispiel 2003 und 2011, kränkelten dann auch die Tannen, obgleich immer noch weniger als die Fichten. Dabei spielte es eine Rolle, wie dicht die Bäume standen, aber auch wie groß sie waren – beides Faktoren, die von der Waldbewirtschaftung beeinflusst werden können. „Große und hohe Bäume sind empfindlicher für Wasserknappheit, da sie das Wasser bis in die Krone hochsaugen müssen“, erklärt Alessandra Bottero von der Forschungsgruppe Ökosystem-Ökologie der WSL, die Erstautorin der Studie.

Ein Wald mit dichtem Baumwuchs, der sich als anfälliger für Trockenheit erwies. Studienstandort im Schwarzwald.
Foto: A. Bottero

Wälder im Hinblick auf Trockenstress bewirtschaften

Es gibt somit mehrere Ansätze, wie Forstleute die Anfälligkeit der Wirtschaftswälder auf Trockenstress verkleinern können: Den Baumbestand ausdünnen, an trockenen und warmen Standorten die Weißtanne und trockentolerante Laubhölzer fördern oder die Bäume nicht zu groß werden lassen. Diese Erkenntnisse stimmen mit jenen aus den Langzeituntersuchungen der WSL in der Schweiz überein, wie den Durchforstungs- und Bewässerungsexperimenten im Pfynwald, einem Waldföhrenwald, erklärt Bottero. „Es ist ermutigend, dass wir in Wäldern mit unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen und Artenzusammensetzungen vergleichbare Beobachtungen machen.“

Ergebnisse sollen auch in der Praxis vermittelt werden

Welche Eingriffe die Forstleute machen sollen und wie oft, hängt von der Baumartenzusammensetzung, aber auch vom Standort, der Entwicklungsphase und der Funktion des Waldes ab – ob er zum Beispiel eher Holz liefern oder langfristig vor Naturgefahren schützen soll. Die Forschenden kommunizierten das neu gewonnene Wissen in Workshops und werden die Ergebnisse des Projekts auch über Fachzeitschriften der Praxis vermitteln.

Quelle: WSL