Holzverkauf und Holzpreise

Nachverfolgung von Baumstämmen künftig mit dem Smartphone?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Mithilfe moderner Sensorik können Baumstämme markierungsfrei gelabelt werden. Damit wäre jeder Baumstamm zweifelsfrei wiedererkennbar, was die Nachverfolgung – z. B. im Fall eines Diebstahls – erheblich erleichtern würde.

Der Beitrag wurde zuletzt am 18. Oktober aktualisiert.

Das Fraunhofer-Institut für physikalische Messtechnik (IPM) entwickelt zusammen mit der Forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA) und anderen Projektpartnern im Rahmen des Verbundprojekts „Digitaler Fingerabdruck: Markierungsfreie Rückverfolgung vom gefällten Baumstamm bis ins Sägewerk“ (DiGeBaSt) ein Verfahren, mit dem ermöglicht werden soll, geerntete Baumstämme zukünftig mittels Kamerabild zu identifizieren und nachzuverfolgen. Anhand der natürlichen Oberflächen-Mikrostruktur der Schnittfläche könnte dann ein Baumstamm jederzeit, egal ob im Wald, beim Transport oder im Sägewerk, zweifelsfrei identifiziert, sein Eigentümer bestimmt, der Fällungsort ausgelesen oder aber auch der Zeitpunkt der Fällung exakt zurückverfolgt werden. Verzichtbar würden damit die allgegenwärtigen Polter-Farbmarkierungen oder baumweisen Nummerierplättchen, die Waldbesitzende oder Förster derzeit aufbringen. Das berichtet die Technikwochenzeitung VDI Nachrichten in ihrer jüngsten Ausgabe.

Identifizierung einfach mittels Smartphone-App?

„Die Digitalisierung der forstbetrieblichen Arbeitsschritte bei der Ernte, der Rückung, dem Transport bis zur Weiterverarbeitung in der Holzindustrie nimmt immer weiter zu“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. „ThüringenForst ist beispielsweise mit dem fotooptischen Holzvermessungssystem sScale schon auf gutem Weg.“ Heute schon sind die Fällköpfe moderner Holzerntemaschinen mit Sensoren bestückt, die eine Volumenbestimmung des Holzes erlauben. Diese könnten ergänzt werden. Derzeit laufen Praxisversuche in Baden-Württemberg. Das System soll eine fälschungssichere Zuordnung jedes einzelnen Stammes zu seinem Waldeigentümer ermöglichen, egal ob dieser bei der Waldlagerung oder der Holzlogistik mit anderen Stämmen vermengt wird. Die nicht staatliche Holzvermarktung – allein in Thüringen sind in den letzten Jahren drei private Holzvermarktungsorganisationen entstanden – würde weiter gefördert, zum Vorteil der rund 180.000 kleinparzellierten Privatwaldbesitzer im Freistaat. Denn mittels Smartphone-App könnte dann der Waldbesitzer künftig seinen Stamm problemlos selbst identifizieren. Eine Abfrage bei einem cloudbasierten Server würde ihn umgehend mit den entsprechenden Informationen versorgen.

Holzdiebstahl wird weiter eingeschränkt

Der „Fingerabdruck“ eines Baumstamms ermöglicht auch die zweifelsfreie Identifizierung gestohlenen Holzes, zumindest soweit dieses noch nicht weiterverarbeitet wurde. In Kombination mit Nachverfolgungs-Trackern können mit der neuen Technik und einem Smartphone mutmaßlich gestohlene Stämme sofort auf ihre Herkunft und damit auf ihren rechtmäßigen Eigentümer überprüft werden.

Entwickelt hat das IPM die Technik für die Anwendung ursprünglich für den Einsatz in der industriellen Fertigung. Dort lassen sich Präzisionsbauteile anhand von Produktionsmerkmalen identifizieren und zurückverfolgen.

Das Verbundprojekt DiGeBaSt:

Ziel des Vorhabens DiGeBaSt ist die Entwicklung und Demonstration eines Verfahrens zur individuellen Rückverfolgung von Baumstämmen bzw. Stammteilen von der Holzernte im Wald bis zum vermessenen Baumstamm im Sägewerk. Das Verfahren soll ohne jegliche Markierung auf dem Holz auskommen und die ID-Daten Cloud-basiert verarbeiten, speichern und zur Verfügung stellen. Eine lückenlose und obendrein intrinsisch fälschungssichere Identifikation und Rückverfolgung bietet Anreize für Forstbetriebe respektive Waldbesitzer zur effizienteren, nachhaltigeren Bewirtschaftung des Waldes und trägt somit zur Holzmobilisierung bei.

Lesen Sie hier die Kurzbeschreibung zum Projekt.

Weitere Infos und Ansprechpartner finden Sie auf der Projektseite der FVA.

Red./FVA

Quelle: ThüringenForst