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Berühmter Förster verstorben

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

Er war Vorbild für Generationen von engagierten Waldbauern, hat wie kaum ein anderer Naturschutz und Forstwirtschaft unter einen Hut gebracht und konnte durch seine charismatische Art unzähligen Menschen eine Idee vermitteln, wie wir mit unseren Wäldern in die Zukunft gehen können.

Er hat den größten Teil seines Lebens dem Schutz der Bergwälder gewidmet, gilt als der Gründervater des Nationalparks Berchtesgaden, und er hat vor allem unermüdlich dafür gekämpft, die Gemeinwohlleistungen des Waldes über die Einzelinteressen einiger weniger – vor allem der Trophäenjäger- zu stellen. Vor allem mit Letzterem hat er sich auch in einflussreichen Kreisen immer wieder Feinde gemacht.

Im Unterschied zu dem einen oder anderen modernem Medien-Förster konnte er in seinem beruflichen Wirken greifbare Beweise für seine -teilweise auch unbequemen- Thesen liefern. Eines seiner wichtigsten Mittel, um die langem Entwicklungszeiträume im Wald begreifbar zu machen, waren seine „Zeitsprung- Bilder“ – Fotoserien, bei denen er manchmal über viele Jahre immer wieder die selbe Perspektive in einem Wald aufgenommen hat.

Wer war unser berühmter Förster?

Georg Meister war leidenschaftlicher Fotograf.
Foto: G. Meister

Die Rede ist von Dr. Georg Meister, der am 2. März 2022 im Alter von 93 Jahren nach langer Krankheit verstorben ist. 1929 als Sohn eines Revierförsters geboren, kam er schon als kleiner Bub mit der Jagd in Berührung und sagte später von sich selbst, dass er vermutlich schon mit 15 Jahren mehr Wild geschossen hatte, als viele Jäger in ihrem ganzen Leben. Die Erkenntnis im Studium der Forstwissenschaft, dass hohe Wildbestände regelrechte Schäden im Wald anrichten können, schockierte ihn zuerst. Zugleich begann er danach zu handeln und wandte sich gegen jede Art von Trophäenkult bei der Jagd. Konsequentes Wildtiermanagement wurde für Georg Meister zu einer Schlüsselfunktion zur Waldverjüngung, den Waldschutz und nicht zuletzt den Waldumbau, der heute in aller Munde ist. So wurde er nicht nur zum jagdlichen Berater der Staatsforstverwaltung berufen sondern 1988 auch zum Mitbegründer des Ökologischen Jagdvereins (ÖJV) in Bayern. In seiner Diplomarbeit schrieb er weiteres wichtiges Leitmotiv nieder: „Forstwissenschaft kann vom Urwald noch viel lernen.“ Der langjährige Forsteinrichter, Standortserkunder und spätere Leiter des Forstamts Reichenhall verlor dabei aber nie die Nutzfunktion des Waldes aus den Augen. Der Erhalt des Bergwalds lag ihm besonders am Herzen: Schon ab 1973 begann Meister im Auftrag des damaligen Forstministers Hans Eisenmann mit den Planungen für den späteren Nationalpark Berchtesgaden. Ein weiteres Denkmal für den engagierten Forstmann ist das Schutzwald-Sanierungsgebiet „Weißwand“ oberhalb der Bundesstraße B305 bei Ramsau. Heerscharen von Studenten und Förstern aus aller Welt haben dieses Vorzeigeprojekt seit 1986 schon besucht.

Dr. Georg Meister in seinem Element
Foto: connykurzfoto.de

Dr. Meisters Vorstellungen und Ideen, wie man den Umbau der Wälder hin zu mehr Artenreichtum, Naturnähe und Klimastabilität galten in seiner aktiven Zeit als Forstmann als visionär – heute sind sie längst in der Praxis angekommen. Niedergelegt hat er sie auch in diversen Büchern, zuletzt 2015 in „Die Zukunft des Waldes – Warum wir ihn brauchen, wie wir ihn retten“. Eines der spannendsten Bücher wurde allerdings ÜBER Georg Meister und sein Lebenswerk geschrieben: „Tatort Wald- von einem, der auszog, den Forst zu retten “ von Claus-Peter Lieckfeld.

Heinrich Höllerl