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Trockenheit, Käferbefall und die Pandemie haben den Holzmarkt destabilisiert und die Holzpreise teils ins Bodenlose fallen lassen.

Nachhaltigkeitsprämie startet

Mit einer Nachhaltigkeitsprämie in Höhe von insgesamt 500 Mio. € unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die privaten und kommunalen Waldeigentümer im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets „Wald & Holz“ (lesen Sie auch unsere Meldung vom 10. November). Waldeigentümer und Umweltverbände sehen die Prämie sehr unterschiedlich.

Unterstützung gibt uns Rückenwind

Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, begrüßte diese Hilfen: „Diese Unterstützung gibt uns Rückenwind. Denn die Waldeigentümer befinden sich in einer doppelten Krise: Sie leiden sowohl unter Trockenheit und Schädlingsbefall als auch unter den Folgen der Pandemie. Beide Krisen haben den Holzmarkt destabilisiert und die Holzpreise teils ins Bodenlose fallen lassen“, sagte der Präsident.

Auch der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes Brandenburg e. V., Thomas Weber, begrüßte aktuelle Hilfen aus dem Corona-Konjunkturpaket. „Die Unterstützung wird dringend gebraucht, denn die Situation in den Brandenburger Wäldern spitzt sich weiter zu.“ Die Forstbetriebe leiden anhaltend unter den klimabedingten Schäden an ihren Wäldern und die Pandemie verschlimmert die Lage zusätzlich. Dringend benötigte Mittel zur Sanierung vertrockneter Kulturen und zur Fortführung des Waldumbaus fehlen den Waldbesitzern, weil Holzerlöse wegbrechen. „Wiederaufforstung und Waldumbau dürfen nicht stoppen, denn der Klimawandel macht auch keine Pause. Wir müssen dranbleiben an der Nachhaltigkeit, auch in schwierigen Zeiten. Da sind die Hilfen für die Waldbesitzer eine echte Unterstützung“, so der Vorsitzende.

Forstkammer-Präsident (Waldbesitzerverband Baden-Württemberg) Roland Burger begrüßt die finanziellen Direkthilfen ausdrücklich und kommentiert die Waldprämie wie folgt: „Die Anpassung unserer Wälder an die Klimaveränderungen ist vergleichbar mit einem Marathonlauf. Dürre und Borkenkäfer haben den Waldbesitzern aber immer wieder aufs Neue ein Bein gestellt, enorme Waldschäden verursacht und die Forstbetriebe vor große Herausforderungen gestellt. Die nun beschlos-sene Nachhaltigkeitsprämie Wald verschafft den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern eine kurze finanzielle Verschnaufpause. Dadurch können die Forstbetriebe neue Kraft tanken und optimistisch die nächste Etappe ange-hen.“

Ganz anders sieht das der WWF

„Das ist ein Weihnachtsgeschenk und keine Nachhaltigkeitsprämie“, so titulierte die Umweltstiftung WWF Deutschland ihre Pressemitteilung vom 17. November. Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz bei WWF Deutschland, kommentierte das wie folgt: „Das, was Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine ‚Nachhaltigkeitsprämie‘ nennt, ist tatsächlich eine pauschale Flächenprämie. Je mehr Wald, desto mehr Geld gibt es. Wir fordern stattdessen: Fördermittel aus Steuergeldern sollen nur die Forstbetriebe erhalten, die tatsächlich auch erhebliche Waldschäden haben. Die halbe Milliarde Euro darf nicht zum Weihnachtsgeschenk ein Jahr vor der Bundestagswahl 2021 werden, sondern muss den Wald besser gegen künftige Dürreperioden wappnen.“ Bei der Prämie aus dem Corona-Konjunkturpaket gäbe es kaum Bedingungen, lediglich müsse der Forstbetrieb zertifiziert sein. Heinrich: „Waldbesitzer sollten für die Prämie nachweisen, ob sie die Mittel wirklich brauchen und ob tatsächlich Schäden vorliegen. Die Lage im deutschen Wald ist ernst, die trockenen und heißen letzten Jahre haben ihm zugesetzt. Millionenhilfen im Gießkannenprinzip zu verteilen, bringt langfristig allerdings nicht viel.“

Der WWF fordert zudem einen WaldBiodiversitätsFonds einzurichten, um den Wald resistenter gegenüber künftigen Dürreperioden zu machen. Nicht abgerufenen Mittel aus dem vom BMEL angekündigten Förderprogramm sollten direkt in einen WaldBiodiversitätsFonds fließen.

FSC-zertifizierte Waldbesitzer bekommen mehr

Die Nachhaltigkeitsprämie in Höhe von 100 € für PEFC- bzw. 120 € für FSC-Forstbetriebe wird ab einer Größe von einem Hektar gewährt. Die Betriebe müssen durch eine anerkannte Zertifizierung eine nachhaltige Bewirtschaftung auf hohem fachlichen Niveau nachweisen und bei der zuständigen Berufsgenossenschaft (SVLFG) versichert sein. Die Nachhaltigkeitsprämie soll Liquiditätsengpässe infolge des konjunkturellen Einbruchs überbrücken, um den klimaresilienten Waldumbau voranzutreiben. Die Prämie fällt zudem unter die De-minimis-Regelung und damit unter die hierfür relevante Obergrenze von 200.000 € über drei Jahre.

Die Auszahlung der Prämie muss bis Ende 2021 abgeschlossen sein, da es sich um Mittel aus dem Corona-Konjunkturprogramm handelt. In diesem Jahr müssen von den 500 Mio. € noch 170 Mio. Euro abfließen. „Alle Waldbesitzenden sind aufgerufen, die Prämie schnellstmöglich zu beantragen, damit das Geld dem Walderhalt zugutekommt und nicht verfällt“, appelliert Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR).

Voraussichtlich ab dem 20. November soll die Antragstellung über die Netzadresse www.bundeswaldprämie.de abgerufen werden können.

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Quelle: AGDW/WWF/Red.

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