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Die Klimawürfel sind überreicht (v.l.): Georg Kreuzer (Rosenbirkach)

Nachhaltigkeit in den Kommunalwäldern der Marktgemeinde Burghaslach

Im Rathaussaal von Burghaslach wurde am 28.9.2014 wurde in einer offiziellen Feierstunde die neue Forstbetriebsplanung für die Kommunalwälder der Marktgemeinde Burghaslach vorgestellt. Hierzu hatte sich im Rahmen der Woche des Waldes Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt angekündigt. Das Motto der Veranstaltung lautete: „Planmäßige Nachhaltigkeit in den Kommunalwäldern der Marktgemeinde Burghaslach – vorbildlich und zukunftsweisend“.
Anlass der kleinen Feierstunde war die offizielle Vorstellung der neuen Forstbetriebsplanung für alle Kommunalwälder in der Marktgemeinde. Dazu gehören der Gemeindewald Burghaslach, der Rechtlerwald Freihaslach, der Rechtlerwald Münchhof, der Rechtlerwald Rosenbirkach, die Rechtlergemeinschaft Unterrimbach sowie die Rechtlergemeinschaft Gleißenberg. Alle diese Wälder sind kommunaler Wald, also öffentlicher Wald, der vorbildlich nach Wirtschaftsplänen gepflegt und genutzt wird. Die neue Planung gilt für die kommenden 20 Jahre.
Lange Tradition der Forsteinrichtung
Die Erstellung solcher Wirtschaftspläne (Forsteinrichtung) hat eine lange Tradition und dient der Sicherung der Nachhaltigkeit. Die ersten Forsteinrichtungen entstanden in den königlich-bayerischen Staatswaldungen ab 1830. Seit dem Bayerischen Forstgesetz von 1852 bis zum heute gültigen Waldgesetz für Bayern sind solche Wirtschaftspläne auch für die Gemeindewälder verbindlich vorgeschrieben.
Es gab noch einen weiteren Anlass für diese Feierstunde, nämlich den 250. Geburtstag eines Mannes, der die gesamte deutsche Forstwirtschaft geprägt hat. Das Jahr 2014 ist Jubiläumsjahr für einen der bedeutendsten deutschen Forstwissenschaftler, der weltweite Anerkennung genießt: Georg Ludwig Hartig wurde vor 250 Jahren am 2.9.1764 geboren. Er hat als einer der ersten das Prinzip der Nachhaltigkeit in seiner „Anweisung zur Taxation der Forsten“ praxisgerecht formuliert und damit auch wichtige Grundlagen für die Forsteinrichtung geschaffen. 1804 schrieb Hartig seine markanten Sätze zum Nachhaltigkeitsprinzip:
„Es läßt sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirektion muss daher die Waldungen des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und sie zwar so hoch als möglich, doch so zu benutzen suchen, daß die Nachkommenschaft wenigstens ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet.“ (Georg Ludwig Hartig, 1804)
Diese Sätze haben ihre grundsätzliche Gültigkeit in den vergangenen 200 Jahren nicht verloren. Zu jeder Forsteinrichtung gehört heutzutage die möglichst genaue Feststellung der Flächen, der Baumarten, der Holzvorräte, der Zuwächse und der nachhaltigen Nutzungsmöglichkeiten. Hartig nannte dies „Taxation“.
Nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt betonte das Wort „Nachhaltigkeit“, das mittlerweile von vielen Sparten und Produktherstellern übernommen wurde. Aber gerade die deutsche Forstwirtschaft stehe seit über 300 Jahren für Nachhaltigkeit. Die neue Forstbetriebsplanung trage wesentlich dazu bei, dass nachhaltig gewirtschaftet wird, also nach dem Grundsatz: Es darf nur das geerntet werden, das auch wieder nachwächst.
Die bayerische Land- und Forstwirtschaft sei der viertgrößte Wirtschaftszweig Bayerns und stelle jeden siebten Arbeitsplatz, so Schmidt. Mehr als die Hälfte des bayerischen Waldes liege in den Händen privater Waldeigentümer. Ein Großteil der Waldbesitzer habe aber weniger als zwei Hektar, sodass Zusammenschlüsse wie hier in den Rechtlerwäldern häufig sinnvoll seien.
Neben den wichtigen Funktionen des Waldes für Klima, Naturschutz und Erholung habe der Wald den unschätzbaren Vorzug, dass er den Rohstoff Holz liefert. Dies sei gerade in Zeiten der Energiewende von größter Bedeutung, denn als wichtigster Biobrennstoff ersetze er in Bayern jährlich mehr als zwei Milliarden Liter Heizöl. Durch die Speicherung von großen Mengen Kohlenstoff im Holz würde zudem die Umwelt jährlich um 128 Mio. t Kohlendioxid entlastet.
Die vom Bundeskabinett beschlossene Waldstrategie 2020 sei ein Bekenntnis zu einer nachhaltigen, multifunktionalen Forstwirtschaft. Der Wald müsse mit seiner nachhaltigen Leistungsfähigkeit und seinem sehr hohen Wert für den Natur- und Klimaschutz bewahrt und gegebenenfalls optimiert werden. Der Minister ist überzeugt, dass Nutzung und Schutz des Waldes immer in Einklang gebracht werden können. Zielkonflikte könnten durch Einbeziehung aller Akteure und Interessengruppen entschärft werden.
Zur Umsetzung der Waldstrategie habe die Bundesregierung den Waldklimafonds auf den Weg gebracht, der die notwendige Anpassung der Wälder an den Klimawandel fördere. Der Waldklimafonds habe bei Vertretern aus Forst- und Holzwirtschaft, aus dem Naturschutzbereich sowie aus der Wissenschaft hohe Resonanz hervorgerufen.
Der Minister betonte, dass sein Haus sich als Sachwalter aller Waldfunktionen versteht im Sinne einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung unter besonderer Berücksichtigung des Gemeinwohls.
Standortgerechte und klimastabile Wälder in den kommenden 20 Jahren
Die wichtigsten Ergebnisse der neuesten „Taxation“ der Wälder der Marktgemeinde und die daraus resultierenden Planungen für die kommenden 20 Jahre stellte der Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Uffenheim, Dr. Ludwig Albrecht, vor.
Die dominierende Baumart ist demnach in fast allen Forstbetrieben die Kiefer. Nur im Rechtlerwald Unterrimbach hat die Baumart Fichte einen Anteil von fast 50 %. Buche und Eiche sind im Gemeindewald und in den Rechtlerwäldern ebenfalls mit geringen Anteilen vertreten. Die durchschnittlichen Holzvorräte liegen zwischen 200 bis 280 Fm/ha, wobei der Rechtlerwald Rosenbirkach die höchsten Vorräte verzeichnen kann. Auf jedem Hektar wachsen jährlich ca. 6 Fm Holz dazu (5,1 bis 6,4 Fm). Die jährlich nutzbare Holzmenge liegt etwas darunter. Die nachhaltige Waldnutzung in den Kommunalwäldern Burghaslach liegt insgesamt bei über 1.800 m pro Jahr.
Während im abgelaufenen Zeitabschnitt die Pflege der Waldbestände im Vordergrund stand, liegt der Arbeitsschwerpunkt in den kommenden 20 Jahren auf der Verjüngung der Altbestände. Der nachwachsende Wald soll aus standortgerechten Baumarten bestehen, die auch im Zeichen des Klimawandels für die Zukunft gut gedeihen können. Die Verjüngung soll möglichst natürlich erfolgen. Baumarten wie Tanne, Buche oder Eiche, die die nächste Waldgeneration mit prägen sollen, werden jedoch meist gepflanzt werden müssen. Schwerpunkt der Pflege sind die großflächig vorhandenen Altdurchforstungsbestände mit relativ hohem Kiefernanteil. Hier kommt es vor allem darauf an, die vorhandenen Eichen, Buchen und das Edellaubholz, das vereinzelt eingestreut ist, zu erhalten und zu fördern, damit sie später als Samenbäume dienen können.
Dr. Albrecht betonte die Bedeutung der Baumartenmischung im Zeichen des Klimawandels. „Wer streut, rutscht nicht“ heiße die Devise. Ein gut gemischter Wald mit der Eiche im Hauptbestand verkrafte den Ausfall einer Baumart leichter als ein Reinbestand.
Burghaslachs Bürgermeister Armin Luther war sehr erfreut, dass die Forstwirtschaftspläne in diesem feierlichen Rahmen übergeben werden. Der neue Plan sei sehr umfassend. Luther zeigte den Wirtschaftsplan der Gemeinde Burghaslach aus dem Jahr 1928, der schon damals große Bedeutung für eine nachhaltige Waldwirtschaft gehabt habe.
Klima-Holzwürfel mit Symbolkraft
Jeder der sechs Forstbetriebe erhielt aus der Hand von Minister Christian Schmidt einen sogenannten „Klima-Holzwürfel“ überreicht. Dieser Würfel ist von der Größe her so bemessen, dass er den Holzzuwachs je Minute im jeweiligen Gemeinde- oder Rechtlerwald darstellt. Gleichzeitig ist auf der Unterseite angegeben, wie viel Kohlendioxid der Wald pro Minute aus der Luft filtert und im Holz speichert und wie viel Sauerstoff pro Minute produziert wird. Mit diesem Holzwürfel kann sehr anschaulich die überaus positive Klimawirkung des Waldes aufgezeigt werden.
AELF Uffenheim
Stefan Klein (Münchhof) Die Klimawürfel sind überreicht (v.l.): Georg Kreuzer (Rosenbirkach) Fritz Köstner (Unterrimbach) Hans-Peter Eyßelein (Gleißenberg)

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