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Stefan Huber

Nachhaltigkeit noch feiern?

Soll man „300 Jahre Nachhaltigkeit“ überhaupt noch feiern, fragte Olaf Schmidt, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft beim Neujahrsempfang des Zentrums Wald-Forst-Holz. Hier die Antwort.

Nutzen und schützen oder noch besser bebauen und bewahren, wie man den Begriff Nachhaltigkeit auch umschreiben könnte, seien ein modernes Prinzip der Zukunftsvorsorge, so Schmitt. Und dieses gelte es auch in die Gesellschaft zu tragen, denn dort müssten noch viele lernen, was die Forstwirtschaft seit nunmehr 300 Jahren praktiziert.

Gerade weil, wie Schmidt es ausdrückte, der Begriff Nachhaltigkeit zum Modewort verkommen sei, müsse man ihn weiter verwenden, zwar mit Bedacht, aber man müsse ihn in seinem eigentlichen Sinne weiter verwenden. Von diesem Geist soll auch die Tagung „Leben in den Grenzen des Universums“ des Zentrums Wald-Forst-Holz (ZWFH) Weihenstephan am 22. März getragen sein, in deren Rahmen auch das Denkmal für den „Erfinder“ der Nachhaltigkeit, Hans Carl von Carlowitz, enthüllt wird. Der steinerne Sockel stammt aus Carlowitzs Heimat Freiberg. Womit wir schon mitten in den Aktivitäten des ZWFH für 2013 wären. Es besteht heuer im zehnten Jahr und wird dieses Jubiläum am 21. Juli im Rahmen „Festes der Nachhaltigkeit“ in Weihenstephan feiern. Wer nach zehn Jahren immer noch nicht weiß, wer hinter dem Zentrum steckt, dem sei es hier noch einmal kurz erläutert. Darin arbeiten die Studienfakultät für Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement der TU München, die Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zusammen.
Wie Heinrich Förster, Geschäftsführer des Zentrums, berichtete, gibt es 2013 wieder volles Programm, angefangen vom Forstlichen Unternehmertag oder dem Bayerischen Baumforum, über den Weihenstephaner Forsttag, die regionalen Waldbesitzertage und den zentralen Bayerichen Waldbesitzertag bis hin zur Pflanzung des Hains der Nachhaltigkeit durch die 21 Bayerischen Forstorganisationen oder der Beteiligung an den Münchner Wissenschaftstagen. Ebenso zahlreich und an ein ebenso breites Publikum gerichtet waren die Aktivitäten im vergangenen Jahr. Aus der umfangreichen Liste, die Förster vorstellte, seien nur zwei Punkte herausgegriffen: Zum einen hat das ZWFH nun endlich ein sogenanntes „Corporate Design“, also ein optisch einheitliches Auftreten, etwa vom Plakat bis zur Visitenkarte. Und zum Zweiten hat das ZWFH 2012 zum ersten Mal die Georg-Dätzel-Medialle verliehen, die die Stadt Augsburg für ihr vorbildliches Engagement für Forst und Holz in der Öffentlichkeitsarbeit erhalten hatte. Damit wäre auch ein eleganter Übergang zum heurigen Preisträger geschafft: Die Georg-Dätzel-Medialle ging diesesmal an den Verein „Bergwaldprojekt e.V.“.
Durch die Organisation ökologischer Arbeitseinsätze im Wald trägt dieser Verein besonders zum Schutz, Erhalt und Pflege des Bergwaldes, der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für seine Funktionen und ihrer Motivation zu umweltverträglichem Handeln bei. Dabei wird auch ein Schwerpunkt auf die Einbindung von Kindern gelegt. Seit fast 20 Jahren mit mehr als 20 000 Freiwilligen leistet der Verein einen aktiven Beitrag zur Umsetzung und Verbreitung von Waldwissen. Allein im Jahr 2012 wurden 56 Einsatzwochen abgeleistet. Der Verein erfreut sich auch eines breiten Rückhaltes, so gehören zu seinen Unterstützern sowohl die Bayerischen Staatsforsten als auch Greenpeace. Diese beiden Organisationen hatten ja bekanntlich 2012 eine heftige Auseinandersetzung um die Bewirtschaftung des Staatswaldes. Wie Peter Naumann vom Verein Bergwaldprojekt berichtete, hat der Verein drei Standbeine oder Schwerpunkte. Das eine sind die bereits erwähnten Freiwilligeneinsätze.
Für 2013 werden hier 70 Einsatzwochen mit mehr als 2000 Teilnehmern angepeilt. Das zweite ist die Waldschule, in der Kindern Wissen zum Wald nahegebracht wird. Und schließlich sind da noch die Unternehmen, die durch ihren finanziellen Beitrag die Maßnahmen ermöglichen. Der ZWFH-Empfang bot heuer auch den Rahmen für eine Schecküberreichung an Forststudenten der Uni, die im Rahmen von Bachelor-Projekten Ideen entwickelten zur Landschaftsgestaltung am „Naturerbe Donauhänge“ rund um Kelheim. Dabei wurden vier Themenwege konzipiert. Die Ideen, die dort umgesetzt werden sollen, wurden mit einer finanziellen Anerkennung ausgezeichnet.

Sepp Kellerer
 

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