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Nachhaltigkeit – eine deutsche Spezialität!?

Wer hat sie erfunden? Es waren die Deutschen. Die Rede ist von der Nachhaltigkeit. Inzwischen geistert der Begriff durch die verschiedensten Verlautbarungen, nicht zuletzt auch im politischen Bereich. Zur weltweit verwendeten Formel wurde die „nachhaltige Entwicklung“ durch die Agenda 21 der UN-Umwelt-Konferenz von Rio 1992. Aber ursprünglich begannen sich tatsächlich deutsche Förster schon vor mehreren Jahrhunderten mit der Frage zu beschäftigen: Wie könnte man wohl einen Wald so nutzen, dass er auch in einer fernen Zukunft noch genauso viel Holz liefert wie in der Gegenwart? Die Antwort war dann so genial wie einfach: „Nutze nicht mehr Holz, als auch wieder neu hinzuwächst“ – „nachhaltend“ eben.
Leider war das in der Praxis dann aber nicht so einfach, zumal man erst einmal herausbekommen musste, wie viel Holz denn nun tatsächlich in jedem Wald wächst. Aber damit nicht genug: Heute möchten die Förster nicht nur Holz nachhaltig nutzen, sondern auch alle anderen Leistungen des Waldes – und das sind eine ganze Menge. Ob für Hochwasserschutz oder Trinkwassergewinnung, Artenvielfalt oder Lawinenschutz, als Arbeitsplatz oder Rohstofflieferant: es werden die unterschiedlichsten Ansprüche an den Wald gestellt, und die sollen alle nachhaltig erfüllt werden. Diese Aufgabe zu lösen, ist nicht ganz einfach. Und das gilt nicht nur für den Wald.
Überall dort, wo eine nachhaltige Entwicklung gefordert wird, muss man sich zu allererst überlegen, welche Teilaspekte heute und in Zukunft zu berücksichtigen sind. Und da die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Interessen selten ganz konfliktfrei zusammenwirken, heißt die Aufgabe, möglichst sinnvolle Lösungen zu finden, in denen alle Aspekte ihre Berücksichtigung finden. Dass dies beileibe keine triviale Aufgabe ist, erkennt jeder, der sich etwa mit Fragen einer nachhaltigen Energieversorgung auseinandersetzt. Da kann ja nun gerade auch der Wald mithelfen, denn die energetische Nutzung von Holz ist tatsächlich ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Energieversorgung. Gleichzeitig kann aber das verbrannte Holz eben nicht mehr stofflich genutzt werden, zum Beispiel im Hausbau.
Und auch das ist ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung – die Nutzung von Energiesparpotenzialen: denn in der Regel wird für die Herstellung von Holzwerkstoffen wesentlich weniger Energie verbraucht wie für vergleichbare Werkstoffe aus anderen Ausgangsmaterialien. Aber das ist wieder eine andere Geschichte …
Weitere Informationen:
 

aid-Heft „Wald mit Zukunft – Nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland

 
Rainer Schretzmann, aid

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