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Nachhaltige Forstwirtschaft und Naturschutz im LV Lippe

Nachhaltige Forstwirtschaft und Naturschutz im LV Lippe

Die Leistungen der Forstabteilung des Landesverbandes Lippe für den Naturschutz in Lippe waren Thema der Forstbereisung der Verbandsversammlung am 4. Juli. Bei einem dreistündigen Rundgang um den Norderteich in Horn-Bad Meinberg nahmen Hans-Ulrich Braun, Leiter der Forstabteilung, und Revierleiter Günter Harmel das 300. Jubiläum des Begriffs Nachhaltigkeit in diesem Jahr zum Anlass, die umfangreichen Naturschutzmaßnahmen des Landesverbandes Lippe an Beispielen zu erläutern.

„Ich beobachte eine verstärkte Diskussion zwischen Naturschutzverbänden und Forstwirtschaftlern bzw. Forstwissenschaftlern über Naturschutzthemen. Die Leistungen der Förster für den Naturschutz werden dabei meiner Meinung nach häufig nicht oder nicht angemessen wahrgenommen. Forstwissenschaftliche Erkenntnisse zum Naturschutz werden in den Naturschutzverbänden zu wenig gern auch kritisch diskutiert. Insbesondere die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit fehlt mir“, machte Verbandsvorsteherin Anke Peithmann zu Beginn der Begehung ihre Position deutlich. „Aus unserer Forstabteilung weiß ich aber, dass unsere Forstfachleute von der Leitung über die Revierleiter bis zu den Forstwirten über eine hohe, naturschutzfachliche Kompetenz verfügen und der Naturschutz tagtäglich eine große Rolle in ihrer Arbeit spielt“, betonte sie.

Dies belege zum Beispiel die Forsteinrichtung aus dem Jahr 2009, die mit 65 000 Fm einen hohen Totholzanteil in den Landesverbandsforsten ausweist. Dies zeigten aber auch Areale wie der Norderteich und das Beller Holz: „Dies ist einer jener Hotspots in den uns anvertrauten Wäldern, bei denen wir kleine Gebiete aus der Nutzung herausnehmen, gezielt Naturschutzmaßnahmen umsetzen und die Artenvielfalt besonders fördern“, ergänzte Braun.
 
Der Norderteich ist ein wertvolles Naturschutzgebiet. Der Landesverband Lippe hat die umliegenden Wiesen um das Gewässer erworben, um sie extensiv zu bewirtschaften. Sie werden nur einmal im Jahr gemäht und nicht gedüngt. „Damit stellen wir sicher, dass keine landwirtschaftlichen Düngemittel in den Teich gelangen, nur so konnte sich hier ein einmaliges Ökosystem etablieren“, so Braun. Umfangreiche Pflanzungen von Hecken, Sträuchern und Wildobst bieten der Tierwelt Äsung und Deckung. Zudem gibt es einen kleinen Hudewald als Wildnisgebiet: Er wird seit mehr als 50 Jahren forstlich nicht bewirtschaftet: „In diesem Hudewald wurde der Eremit nachgewiesen, neben dem Naturschutzgebiet Externsteine befindet sich hier also das zweite Vorkommen dieses Käfers in Lippe.“
 
Das Beller Holz steht für die beeindruckende Leistung von Förstergenerationen über mehr als 200 Jahre: „Das Areal war praktisch entwaldet und öde. Heute findet sich hier einer der größten Eichenwälder Lippes, mit Bäumen im Alter von 175 bis 320 Jahren. Das ist eine Kulturleistung des Menschen nicht der Natur“, hob Harmel hervor. Dass dieser Wald ebenfalls Naturschutz- bzw. FFH-Gebiet ist, sei eine schöne Auszeichnung für die Förster, die hier gewirkt haben. Denn als Lichtbaumart müsse Eiche gezielt gefördert werden: „Die Buche würde sie im Wachstum sonst überflügeln und schließlich eingehen lassen“.

Der Anteil von Eiche in den Landesverbandsforsten beträgt derzeit zehn Prozent, er soll auf zwölf Prozent steigen: „Diese Entscheidung haben wir vor dem Hintergrund des prognostizierten Klimawandels und steigender Temperaturen getroffen: Eichen können sich an diese Bedingungen besser anpassen“, erklärte Braun. Aufbau und Pflege des Eichenwaldes in Belle sei zwar kostenintensiv, doch sie lohnten doppelt: „Einerseits aus wirtschaftlichen Gründen. Anderseits aus Naturschutzgründen: Eichenwälder weisen eine hohe Artenvielfalt auf, vor allem was Insekten, Fledermäuse und Vogelarten wie z. B. Spechte angeht.“

„Die Bewirtschaftung des Beller Holzes in den letzten Jahrhunderten und die Pflege des Naturschutzgebietes Norderteich verdeutlichen hervorragend, dass naturnahe, nachhaltige Forstwirtschaft und Naturschutz, dass Artenvielfalt und ökonomischer Erfolg sich nicht ausschließen, ja harmonieren können“, lautete das Fazit von Peithmann und Braun. „Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Förster sind fachlich ausgebildete Naturschützer, und die Forstwirtschaft fußt seit 300 Jahren auf dem Nachhaltigkeitsprinzip“, ist Peithmann überzeugt.

Am Ende der Forstbereisung stellten Braun und sein Team eine Bank am Entenkrug vor, die verdeutlicht, wie viel Holz in drei Minuten in den Landesverbandsforsten nachwächst. Die Verbandsabgeordneten waren von der fünf Meter langen Bank sehr beeindruckt. „Wir werden insgesamt sieben derartige Bänke an Erholungsschwerpunkten in den Landesverbandswäldern aufstellen“, kündigte Braun an.

LV Lippe

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