Holzverkauf und Holzpreise

Nachfrage nach modernen Hackschnitzelheizungen steigt

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Seit kurzem zertifiziert das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) neben Holzpellets auch Holzhackschnitzel. Ziel der ENplus-Zertifizierung ist die Bereitstellung standardisierter Hackschnitzelqualitäten im Sinne möglichst geringer Emissionen. Im Folgenden beschreibt das DEPI die aktuelle Marktsituation für Hackschnitzel in Deutschland sowie Initiativen zur Professionalisierung dieses Energiesegments.

In den vergangenen Jahren hat die Nutzung Erneuerbarer Wärme in Deutschland nicht zuletzt bedingt durch steigende Preise für fossile Energieträger sowie verbesserte Rahmenbedingungen (Förderprogramme, eingeschränkte Nutzung Ölheizung, CO2-Preis) stetig zugenommen. Aus Umwelt- und Klimaschutzgründen setzt die Bundesregierung auch weiterhin verstärkt auf die Nutzung von Erneuerbaren Energien.

Marktsituation in Deutschland

Förderprogramme für die Installation von Holzkesseln auf Bundesebene sowie zusätzlich auf der Ebene einzelner Bundesländer machten es schon in den letzten Jahren sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich attraktiv, Holz zur Wärmeerzeugung zu nutzen. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördert diesen Trend zusätzlich. Hausbesitzer bekommen mind. 45 % ihrer Investitionen erstattet, wenn sie ihre Ölheizung durch einen Holzheizkessel ersetzen. Diese Entwicklung bei der Energiewende wird aktuell durch die kriegsbedingte Abkehr vom Gas noch beschleunigt.

Insgesamt machen erneuerbare Energieträger knapp 16 % der Wärmeversorgung in Deutschland aus und ca. 85 % dieser erneuerbaren Wärmeerzeugung wird durch Bioenergie bereitgestellt. Holz ist dabei einer der bedeutsamsten nachwachsenden Rohstoffe: 65 % der Wärme aus Erneuerbaren Energien in Deutschland wird bisher vor allem aus Holz gewonnen (Quelle: BMEL). Im Jahr 2021 wurden mit 7.100 Stück über 20 % mehr Hackschnitzelkessel installiert als im Jahr zuvor. Bei Pelletfeuerungen waren es sogar über 75 % mehr. Hackschnitzelkessel machten somit 2021 mit ca. 75.000 Kesseln im Bestand ca. 7 % der Festbrennstoffkessel in Deutschland aus (Pelletkessel 338.000, ca. 33 %) (Quelle: BDH).

Breites Einsatzgebiet

Als moderne Energiequelle aus dem Wald sind heute vor allem Hackschnitzel interessant. Sie sind regional verfügbar, dezentral einsetzbar, kaskadisch nutzbar und schaffen Arbeitsplätze vor Ort. Zudem verbrennen sie – anders als fossile Energieträger – klimaneutral. Der Energieaufwand zur Herstellung ist dank regionaler Strukturen gering.

Moderne Holzenergie mit Hackschnitzeln in automatisch betriebenen Anlagen, von der Klein- /Kombianlage bis hin zu Großfeuerungen mit Wärmenetzen, ist heute technologisch ausgereift, leistungsfähig und im täglichen Einsatz bewährt. Hackschnitzel kommen vorwiegend in größeren Feuerungsanlagen, Holzheizwerken und Biomasseheizkraftwerken zum Einsatz. Viele Kommunen haben die Vorzüge bereits erkannt und kommen immer häufiger auf Nahwärmenetze und Bürgerheizkraftwerke als Lösungen für lokale Wärmeversorgung zurück. Dies sorgt vor allem für regionale Wertschöpfung, angefangen von der Energieholzgewinnung und -aufbereitung, dem Transport, über Planungs- und Ingenieursleistungen oder den Maschinen- und Anlagenbau bis hin zum Betrieb und Wartung der Anlagen. Die getätigten Investitionen bleiben entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Region, statt für Energieimporte abzufließen. Wichtig für die Umsetzung neuer Holzenergieprojekte ist eine funktionierende und professionelle Bereitstellungs- und Lieferkette in den Regionen.

ENplus-Zertifizierung für Hackschnitzel

Hackschnitzel als Energieholzsortiment findet man in unterschiedlichsten qualitativen Ausprägungen am Markt. Die fehlende einheitliche Handelssortierung erschwert allerdings das Erreichen der für die Emissionsmessungen im Rahmen der 1. BImSchV (2. Stufe) geltenden Anforderungen. Klassifiziert werden Hackschnitzel mit der seit 2014 gültigen DIN EN ISO 17225-4. Das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) hat 2016 das Zertifizierungsprogramm ENplus-Hackschnitzel ins Leben gerufen. Auf Basis der international geltenden Norm DIN EN ISO 17225-4 definiert ENplus einheitliche Qualitätsklassen.

Ziel des Zertifizierungsprogramms ist die verlässliche Bereitstellung von standardisierten, qualitätsgesicherten Holzhackschnitzeln für Feuerungen im kleinen und mittleren Leistungsbereich. Damit wird nicht nur das Emissionsverhalten verbessert, sondern das gesamte Heizsystem optimiert. Mit der Einführung des Zertifizierungsprogramms ist eine erfreuliche, wenn auch langsame Professionalisierung zu verzeichnen. Unter www.enplus-hackschnitzel.de sind Adressen von qualifizierten ENplus-Hackschnitzelhändlern zu finden.

Wirtschaftlichkeit und Preis

Investitionen in die Holzenergie bieten eine hohe Wertschöpfung und somit zukunftsfähige Perspektiven vor allem in ländlichen strukturschwachen Regionen. Durch ihre sehr stabile Preisentwicklung sind Hackschnitzel, bezogen auf den Heizwert, der günstigste moderne Holzbrennstoff.

Zehn bis fünfzehn Schüttraummeter Hackschnitzel können mit ihrem Energiegehalt rund 1.000 l Heizöl ersetzen. Die genauen Kosten sind abhängig von der jeweiligen Qualität und den Brennstoffeigenschaften: Wassergehalt, Größenverteilung, Rindenanteil, Feinanteil, Schüttdichte und Aschegehalt sind preisbeeinflussende Faktoren. Neben der Hackschnitzelqualität ist auch der Preis ein wichtiger Anhaltspunkt für die Verlässlichkeit des Brennstoffs. Eine professionelle Marktdokumentation ist wesentliche Voraussetzung für die breite öffentliche Akzeptanz von Energieträgern. Deshalb erhebt das DEPI im engen Austausch mit Hackschnitzelhändlern in ganz Deutschland einen eigenen Preis für Hackschnitzel. Die einjährige Testphase bringt nun belastbare Daten hervor.

Die Qualitätsklassen A1, A2 und B

Im April 2022 hat das DEPI die Preisentwicklung des letztens Jahres für drei verschiedene marktübliche Hackschnitzelsortimente veröffentlicht, die an die ENplus-Qualitätsklassen A1, A2 und B angelehnt sind. Der aktuelle Preis zeigt, dass heimische Hackschnitzel ein günstiger und effizienter Brennstoff im Kampf gegen den Klimawandel sind. Qualitätsklasse A1 sind aufbereitete (Siebung, Trocknung) Hackschnitzel mit einem Wassergehalt von 10-20 m-% und einem Feinanteil unter 1 %. Aufgrund dieser Eigenschaften kommen sie vorrangig in kleinen Kesseln, die für einen störungsfreien und emissionsarmen Abbrand auf einen guten Brennstoff angewiesen sind, zum Einsatz.

Hackschnitzelsortimente entsprechend der Qualitätsklasse A2 mit einem Wassergehalt von ca. 20-25 m-% finden in Kesseln ab 100 kW, wie z.B. für kommunale Nahwärmenetze, Anwendung. Für die größeren Holzheizwerke sind Hackschnitzel der Qualitätsklasse B sehr gut geeignet. Diese können mit höheren Wassergehalten und einem höheren Feinanteil gut umgehen.

Bewegter Markt

Aufgrund der immer wieder aufkommenden außerplanmäßigen Zunahme des Holzeinschlags durch klimabedingte Sturmereignisse, Trockenstress und Ausbreitung des Borkenkäfers in der Bundesrepublik, stehen die Forstwirtschaft sowie die Säge- und holzverarbeitende Industrie vor großen Herausforderungen. Holz ist einer der bedeutsamsten nachwachsenden Rohstoffe. Bei der Erzeugung haben jedoch die Rohstoffbereitsteller – die Waldbesitzer – mittlerweile immer mehr Probleme, da in Schadholzzeiten Angebot und Nachfrage regional und saisonal mitunter stark variieren und die Holzvorräte unter den Schadereignissen leiden. In den Jahren 2019 und 2020 fielen in Deutschland jeweils um die 70 Mio. m³ Kalamitätsholz an. Die Schadholzmengen werden auch in den kommenden Jahren dauerhaft hoch bleiben.

Letztlich ist der Anreiz zur Nutzung von Kalamitätsholz auch ein entscheidender Faktor zum Walderhalt, der wiederum die dauerhafte Rohstoffverfügbarkeit von Holz zur stofflichen oder energetischen Nutzung sichert. Weil mit den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels Schadereignisse im Wald auf Dauer nicht mehr die Ausnahme, sondern eher die Regel sein werden, braucht es neue Denkansätze: Wie kann das zeitlich, örtlich und mengentechnisch schwankende Holzaufkommen mit einem auf Planbarkeit angewiesenen Verbrauch der Energieerzeuger vereinbart werden?

Professionelle Hackschnitzel-Vermarktung fördern

Trotz der wie oben beschrieben Steigerung der Kesselanzahl 2020 und 2021 bleibt der Zubau an modernen Holzfeuerungen deutlich hinter dem Möglichen zurück. Auch Nahwärmenetze und Holzheizkraftwerke gibt es nur in geringer Dichte. Das langfristige Ziel sollte daher eine flächendeckende Versorgung mit Wärme aus Holz sein.

Die professionelle Vermarktung spielte bei den privaten Waldbesitzern in den letzten 20 Jahren nur bei wenigen eine Rolle. Die damit verbundene unvollständige Markttransparenz bewirkt, dass es für potenzielle Betreiber von Hackschnitzelkesseln momentan eher schwierig zu sein scheint, schnell und ohne großen Aufwand an die von ihnen benötigten Entscheidungshilfen zu gelangen und geplante Projekte auf diesem Sektor erfolgreich umzusetzen. Eine wichtige Grundlage für die professionelle Bereitstellung von Energieholzsortimenten als Voraussetzung für einen angemessenen Zubau an modernen Holzfeuerungen bildet die Vernetzung der maßgeblichen Branchenakteure. Nur dann wird es langfristig eine erweiterte regionale Wertschöpfung geben.

Gemeinsam mit dem Bayerischen Waldbesitzerverband und den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) hat das DEPI daher ein Musterprojekt namens „Waldschutz – Klimaschutz – moderne Holzenergie“ skizziert, dessen Förderfreigabe durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) aktuell ansteht. Neben einer verstärkten Schadholzverwertung sowie der Bewerbung moderner Holzenergie soll das Projekt die professionelle Energieholzbereitstellung durch Waldbesitzer anschieben und ein Netzwerk dafür schaffen. Gegen Ende des Projektes sollen vielversprechende Konzepte und zielführende Maßnahmen auf andere Regionen und Bundesländer übertragen werden. Vertreter der genannten Zielgruppen werden daher frühzeitig über einen überregionalen Beirat in das Projekt eingebunden.

Marktpotential in den Bundesländern

Bayern ist in Sachen Holzenergie in Deutschland sehr gut aufgestellt. Sie ist in Bayern das wichtigste Standbein der Erneuerbaren Energien. Noch vor Wasser-, Wind- und Solarenergie belegen Waldhackschnitzel die Spitzenposition. Bayern vermarket als einziger Landesforst das Energieholz noch selbst. Neben den aus dem Staatswald entnommenen Hackschnitzeln kaufen die Bayerischen Staatsforsten auch Energieholz von privaten und körperschaftlichen Waldbesitzern. In den letzten zehn Jahren hat der Stellenwert der Hackschnitzel, die in modernen Kesseln Verwendung finden, stark zugenommen. Hingegen ist zu beobachten, dass der Scheitholzmarkt in den vergangenen Jahren rückläufig war (Quelle: Zentrum für Energieholz). Die finanzielle Förderung der energetischen Nutzung von Holz durch die bayerische Landesregierung scheint deutlich besser zu sein als in anderen Bundesländern. Dennoch ist das Marktpotential auch hier noch nicht gehoben.

Holzenergie leistet im durch den Kleinprivatwald geprägten und zugleich einwohnerreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in den ländlich geprägten Räumen und beim Aufbau einer dezentralen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien. Wald und Holz NRW unterstützt mit dem I.D.E.E. / Zentrum HOLZ in Olsberg die Akteure der Wertschöpfungskette „Energie aus Holz“, das Marktpotenzial des Brennstoffs Hackschnitzel weiter zu aktivieren.

Quelle: DEPI