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NABU: Zunahme illegaler Wolfstötungen ist alarmierend

Mit Blick auf die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) vorgelegten offiziellen Zahlen zur Entwicklung von Wölfen in Deutschland bezeichnet der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die steigende Zahl der illegalen Wolfstötungen als alarmierend.

Allein im Jahr 2018 wurden bereits 8 Wölfe mit Schussverletzungen tot aufgefunden. Seit dem Jahr 2000 wurden damit bisher bundesweit 35 Tiere illegal geschossen. Die Dunkelziffer an illegaler Bejagung sei mit großer Wahrscheinlichkeit viel höher, so der NABU. Das würden auch Untersuchungen an Wölfen zeigen, die bei Verkehrsunfällen zu Tode gekommen sind.

Neben der Bedrohung durch menschliche Bejagung ist für viele Wölfe der Straßenverkehr die größte Gefahr: Im Jahr 2018 kamen bisher 50 Wölfe im Straßenverkehr zu Tode, seit 2000 insgesamt 200.

Zuwachs der Wolfserritorien ist normal

Das Wolfsmonitoring bezieht sich auf den Zeitraum von 1. Mai 2017 bis zum 30. April 2018. Die Wolfsexpertin des NABU, Marie Neuwald, zu den Bestandszahlen von Wölfen im Monitoringjahr 2017/2018 (73 Rudel, 30 Paare, 3 territoriale Einzeltiere): „Dieser Zuwachs der Territorien von rund 27 Prozent ist aus biologischer Sicht vollkommen normal für die Entwicklung der Wolfspopulation, solange es sowohl genügend Rückzugsräume als auch ausreichend Nahrung wie Rehe und Wildschweine gibt. Einen günstigen Erhaltungszustand hat die Population dennoch noch nicht erreicht.“ Aus der Sicht des NABU wirken sich die Verluste durch illegalen Abschuss und Verkehr auf die Wolfspopulation aus. Solange diese so hoch sind, ist der gute Erhaltungszustand in weiter Ferne.

Bejagung ist kein Herdenschutz

Der NABU kritisiert Vertreter aus Politik und Landwirtschaft sowie Teile der Jagdlobby, die immer wieder aufs Neue eine Bejagung der Wölfe fordern, und dies unter dem Deckmantel des Herdenschutzes. „Abschussquoten von Wölfen helfen keinem einzigen Weidetier, solange die Herde nicht möglichst wolfssicher geschützt wird. Bejagung ist kein Herdenschutz. Das darf den betroffenen Tierhaltern auch nicht als Lösung suggeriert werden“, so Neuwald weiter. Vor diesem Hintergrund begrüßt der NABU die Entscheidung der EU, Herdenschutz und Kompensation nun zu 100 % fördern zu können. Jetzt seien die Länder am Zug, die Förderung schnellstmöglich und unkompliziert zu ermöglichen.

Der NABU lehnt die Forderung der Schweizer Regierung ab, den strengen Schutzstatus des Wolfes in der Berner Konvention zurückzustufen. Zielführender sei es, alle Akteure zusammenzubringen, und zwar mit dem festen Vorsatz, den Herdenschutz europaweit voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund appelliert der NABU wiederholt an die Bundesregierung und das Landwirtschaftsministerium, ein nationales Kompetenzzentrum für Herdenschutz und Innovation einzurichten, anstatt sich hinter zeit- und personalaufwändigem Gerangel um unnötige Gesetzesänderungen zu verstecken. So genannte auffällige Wölfe können im Einzelfall bereits jetzt schon laut geltendem Naturschutzrecht entnommen werden. Guter und praktikabler Herdenschutz dagegen bleibt das A und O und muss entsprechend gefördert werden – daran führt kein Weg vorbei.

Auch durchziehende Wölfe können Schaden anrichten

In Brandenburg gibt es mit 26 Rudeln und 12 Paaren die meisten Wolfsterritorien. Sachsen (18 Rudel) und Niedersachsen (13 Rudel) haben jeweils 22 Wolfsterritorien.

Weitere Rudel gibt es in Sachsen-Anhalt (ein Territorium weniger als im Vorjahr), Mecklenburg-Vorpommern und Bayern (erstmalig ein Rudel bestätigt). Die territorialen Einzeltiere verteilen sich auf Mecklenburg-Vorpommern (2) und Thüringen (1).

Somit sind in sieben Bundesländern Wölfe territorial ansässig, in allen anderen Flächenländern außer dem Saarland wurden durchziehende Wölfe nachgewiesen. Das zeigt, dass es in allen Ländern Gebiete gibt, die als potenzielle Wolfsterritorien in Frage kommen. Den Regierungen und Weidetierhaltern dieser Länder empfiehlt der NABU, sich frühzeitig um einen guten Herdenschutz zu kümmern. Auch durchziehende Wölfe können Schaden anrichten, wenn sie auf ungenügend geschützte Weidetiere treffen.

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

Red./NABU

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