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Im Projekt angewendeter Teleskopansatz zur Erstellung der Ertragstafeln.

Ertragstafeln sollen modernisiert werden

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) und die Universität Göttingen haben sich in einem  Verbundvorhaben das Ziel gesetzt, die etablierten, aber zum größten Teil veralteten Ertragstafeln zu modernisieren. Das Vorhaben startete am 1. September 2017 mit dem Ziel, die Ertragstafeln an gegenwärtige und zukünftige waldbauliche Situationen anzupassen.

Dabei sollen die Ertragstafeln nichts von ihrer Praktikabilität einbüßen. Die Anpassung an veränderte Wachstumsbedingungen und aktuelle Waldbaukonzepte erfolgt u.a. mit Hilfe von Einzelbaumwachstumssimulatoren. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), gefördert.

„Die heute in der Forstwirtschaft, vor allem in der Forsteinrichtung genutzten Ertragstafeln sind nicht mehr in der Lage, ihren Aufgaben nachzukommen: Sie können den aktuellen Zustand des Waldes, den Wachstumsgang der Baumarten oder die forstwirtschaftliche Entwicklung nicht mehr wiedergeben“, so Projektleiter Professor Hermann Spellmann von der NW-FVA. Um Abhilfe zu schaffen, entwickeln die NW-FVA und die Universität Göttingen gemeinsam eine neue Generation von Ertragstafeln. Diese sollen – anders als ihre Vorgänger – nicht nur Aussagen über eine einzige Baumart in einem Reinbestand treffen, sondern auch die spezifische Wuchsdynamik von Mischbeständen der wichtigsten Waldentwicklungstypen abbilden. Der aktuelle Waldzustand sowie aktuelle Waldbaukonzepte finden ebenfalls Berücksichtigung. Die Herausforderung dabei ist, auch weiterhin eine einfach zu handhabende Planungshilfe anzubieten.

Daten für die neue Generation der Ertragstafeln

Einzelbaumwachstumssimulatoren, die teilweise in der forstlichen Praxis für die Bewirtschaftungsplanung heutiger Rein- und Mischbestände eingesetzt werden, liefern die Daten für die neue Generation der Ertragstafeln. Dies geschieht mit Hilfe eines Teleskopansatzes, indem die Waldentwicklung einer Vielzahl von Modellbeständen mit einem Einzelbaumwachstumssimulator fortgeschrieben wird, die Einzelbauminformationen dann zu Bestandeskennwerten aggregiert und schließlich in die Form einer traditionellen Ertragstafel überführt werden.

Mit Hilfe von Einzelbaumsimulatoren lassen sich grundsätzlich alle denkbaren waldbaulichen Maßnahmen für Forschungszwecke simulieren. Sie bieten die Basis für eine sehr detaillierte Planung, können aber in der forstlichen Praxis aufgrund ihrer Komplexität oft nicht eingesetzt werden. Ertragstafeln bleiben insbesondere für den Privatwald die erste Wahl für die Forstplanung und Waldwertschätzung. Die im Projekt zu erarbeitenden Tafeln bilden hinsichtlich Informationsgehalt und Anwenderfreundlichkeit eine Zwischenstellung zwischen den komplexen Einzelbaummodellen und den herkömmlichen Ertragstafeln.

Die neuen Ertragstafeln werden getestet

Um die Anwenderfreundlichkeit während des Entstehungsprozesses nicht aus den Augen zu verlieren, findet im Projektverlauf ein enger Austausch mit Praktikern des Landes-, Kommunal- und Privatwaldes statt. Mit ihnen wird das Anforderungsprofil an die Ertragstafeln festgelegt. Sie testen die neuen, modellbasierten Hilfsmittel auf ihre Handhabbarkeit und stellen die Übertragung der Ergebnisse in die Praxis sicher.

Die Tafeln sollen nach Ende des Projekts im Herbst 2020 kostenfrei als Download zur Verfügung stehen. Zunächst entstehen Ertragstafeln für den nordwestdeutschen Raum. Die Methodik lässt die Übertragung aber auch auf das gesamte Bundesgebiet zu. Außerdem schafft sie die Grundlage für regelmäßige, etwa alle 20 Jahre stattfindenden Neuparametrisierungen der Ertragstafeln.

Weitere Informationen zum Verbundvorhaben sind in der Projektdatenbank der FNR zu finden.

FNR

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