ForstBranche

Multifunktionaler Forsthof setzt Zeichen für den Klimaschutz

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz fördert den Bau eines multifunktionalen Forsthofs in innovativer Holzbauweise. Stadtnah gelegen und gut erreichbar werden im Forsthof nach der Fertigstellung voraussichtlich Ende 2022 unter anderem regionale Produkte wie Wildfleisch, Brennholz oder selbst hergestellte Naturprodukte zum Kauf angeboten.

In dem neuen in Niedrigenergiebauweise errichteten Gebäude werden zukünftig die sieben Lager- und Produktionsstätten der kommunalen Forstgesellschaft „Trifels Natur“ an einem Ort gebündelt. Neben der Vermarktung von regionalen Produkten soll auch im neuen barrierefreien Seminarraum Besuchenden Wissen über die ökologischen Kreisläufe des Waldes vermittelt werden.

Edelkastanie gilt als dauerhaft

Als Baumaterial für das Gebäude kommt das hierfür bislang wenig verwendete Holz der Edelkastanie zum Einsatz. Die wärmeliebende und im Bereich von Annweiler auf über 700 ha – vor allem in den Kommunal- und Privatwäldern – bestandsbildende Baumart verfügt von Natur aus über gute Materialeigenschaften. So sorgt beispielsweise der große Gehalt an Gerbstoffen für eine hohe Dauerhaftigkeit.

Niedrigenergiebauweise spart CO2

„Nicht nur das im eigenen Wald wachsende und geschlagene Kastanienholz, das zu 100 % PEFC zertifiziert ist, wird die CO2- Bilanz des Forsthofs aufwerten. Auch die Niedrigenergiebauweise im KfW-Effizienz 55-Standard, die Photovoltaikanlage auf dem Dach, die Holzvergaserheizung mit Pufferspeicher sowie eine Wärmepumpe und die Regenwasserzisterne leisten einen wertvollen Beitrag im Bereich Ressourcen- und Energieeffizienz. Verglichen mit einem konventionell gebauten und mit Erdgas beheizten Gebäude wird der Forsthof in Annweiler jährlich rund 46.000 Kilowattstunden weniger Energie verbrauchen und pro Jahr rund 9,2 t CO2 einsparen“, so Klimaschutzstaatssekretärin Katrin Eder.

Konstruktive Herausforderung

Für den Bau der neun Meter hohen Halle, deren Tragwerk eine Spannweite von 20 m umfassen wird, wird Edelkastanienvollholz als konstruktiv tragendes Holz sowie Fachwerkbinder aus Vollholz verwendet. Da in Deutschland bislang kaum Erfahrungen mit dem Bauholz Edelkastanie vorliegen und keine entsprechende Baunorm existiert, handelt es sich hier um eine konstruktive Herausforderung. Um grundsätzliche Schwierigkeiten auszugleichen, die die Edelkastanie durch ihre Wuchsform aufweist, und damit sowohl Längen wie auch Querschnitte an ihre Grenzen stoßen, wurde für die erforderlichen Spannweiten ein Fachwerk-Dreigelenkrahmen aus Vollholzelementen neu entwickelt. Damit sollen spätere Gebäude bzw. Bauaufgaben technisch überhaupt ermöglicht werden, aber auch kostengünstiger umsetzbar sein. Mit anderen Laubholzarten wurden solche Dreigelenksrahmen bereits realisiert, nicht jedoch mit der Edelkastanie. Damit betritt man in Annweiler ‚konstruktives Neuland‘. Durch das neue Gebäude erhofft man sich wichtige Erkenntnisse, was die technischen und statischen Möglichkeiten betrifft. Bei der Entwicklung wurden alle baurechtlichen und statischen Erfordernisse erfüllt und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt.

Hintergrund:

Die Gesamtkosten des Neubaus belaufen sich auf rund 1,5 Mio. €. Hierfür stellt das rheinland-pfälzische Klimaschutzministerium 150.000 € zur Verfügung. Weitere 287.000€ kommen aus dem EU-Förderprogramm „GReENEFF“ (Grenzüberschreitendes Netzwerk zur Förderung innovativer Projekte im Bereich der nachhaltigen Entwicklung und der Energieeffizienz in der Großregion/INTERREG V A).

Quelle: MKUEM RLP