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Moorwiedervernässung ist kostengünstige Möglichkeit für Natur- und Klimaschutz

Moorwiedervernässung ist kostengünstige Möglichkeit für Natur- und Klimaschutz

Einen neuen Weg für den Klimaschutz bieten Kohlenstoffzertifikate über sogenannte „MoorFutures“. Sie sollen helfen, entsprechende Naturschutzmaßnahmen zu finanzieren und zugleich attraktive Investitionsmöglichkeiten bieten. Solche Möglichkeiten für einen effektiven Moor- und Klimaschutz beleuchtete der „Kleine Moorgipfel“, eine Veranstaltung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) am 23.10.2013 in Berlin.
„MoorFutures“ als Kohlenstoffzertifikat
Als erstes Land überhaupt bietet Mecklenburg-Vorpommern bereits seit etwa zwei Jahren unter dem Namen „MoorFutures“ ein Kohlenstoffzertifikat an, welches durch die Moorwiedervernässung generiert wird und das beispielsweise von umweltbewussten Unternehmen erworben werden kann, die ihre Klimabilanz verbessern wollen. In Brandenburg werden seit Mai 2012 MoorFutures angeboten.
Um auch die zahlreichen weiteren Leistungen der wiedervernässten Moore in den MoorFutures berücksichtigen zu können, fördert das BfN seit Ende 2011 ein Forschungsprojekt des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, der Universität Greifswald und der Universität Kiel. BfN-Präsidentin Jessel: „In dem Vorhaben ist es gelungen, die mit einer Wiedervernässung von Mooren einher gehenden ökologischen Effekte abzuschätzen. Sie wurden in den Standard der MoorFutures mit eingebunden, so dass dieser nunmehr neben dem Klimaschutz ein breites Spektrum ökologischer Leistungen mit abbildet, die von intakten Mooren erbracht werden.“
Auf dem „Kleinen Moorgipfel“ am 23. Oktober wurde die Weiterentwicklung der MoorFutures vorgestellt. Es wurde u.a. darüber diskutiert, ob und wie Kohlenstoffzertifikate eine Option für Moorwiedervernässung in ganz Deutschland sein könnten.
MoorFutures-Zertifikate basieren auf einem transparenten Standard mit klaren Kriterien und Regelungen. Dies sei für Unternehmen von besonderer Bedeutung, da auch ihre Kunden Vertrauen in Standards und Zertifizierungen legen, erläuterte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern.
 
Andere Bundesländer sollen folgen
Das gemeinsame Plädoyer von Minister Till Backhaus und BfN-Präsidentin Beate Jessel: Die Wiedervernässung gehöre volkswirtschaftlich gesehen zu den kostengünstigsten Strategien der Emissionseinsparung. Außerdem sei es gelungen, in den MoorFutures weitere Ökosystemleistungen abzubilden und so für private Investitionen zu erschließen. Derartige Kohlenstoffzertifikate mit klaren Standards können eine Option sein und Anstöße vermitteln, dass in ganz Deutschland Moore verstärkt revitalisiert werden. Es wäre daher sehr wichtig, wenn auch andere Bundesländer dem Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs folgen und die MoorFutures einführen und damit unterstützen würden.
Weiterentwicklung der MoorFutures 
Es stellt sich die Frage, ob sich daraus ein Paradigmenwechsel für Naturschutzfinanzierung ergibt. Nach Ansicht von Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Studienleiter von „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), ist dies nicht der Fall. „Deutschland braucht keine Privatisierung sämtlicher Umweltleistungen und Umweltgüter. Worauf es allerdings ankommt, ist das bessere Aufzeigen und Kommunizieren der umweltrelevanten Konsequenzen unserer Entscheidungen.“ Die Weiterentwicklung der MoorFutures sei ein hervorragendes Beispiel dafür, so Hansjürgens.
Über 200 Jahre wurden große Anstrengungen unternommen, um Moore landwirtschaftlich nutzbar zu machen. „Seit kurzem jedoch können wir genauer einschätzen, welche Klimafolgen und Verluste weiterer Ökosystemleistungen damit einhergehen. Nun gilt es, die Nutzung von Mooren über geänderte Anreize – auch finanzieller Art – an die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen“ meint der Ökonom.
Hintergrund: Moorwiedervernässung führt zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Diese betragen zwischen 5 und 35 t pro Hektar und Jahr. Die durch Wiedervernässung erzielten Reduktionen lassen sich auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt verkaufen. Ein MoorFutures steht für die Vermeidung von 1 t Kohlendioxidäquivalent. MoorFutures werden seit 2011 auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt angeboten.
 

Weitere Informationen zu MoorFutures

 
UFZ/fp

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