Naturschutz, Landschaftspflege

Moore – was diese Ökosysteme so wertvoll macht

Bearbeitet von Jörg Fischer

Moore gelten als wichtige Kohlenstoffspeicher und sind deshalb aktuell wieder in aller Munde. Auch mit Blick auf die Artenvielfalt sind diese Ökosysteme von unschätzbarem Wert. Doch viele Moorstandorte in Deutschland sind weit davon entfernt, wieder als naturnah eingestuft werden zu können. Hinzukommen auch hier Konflikte mit anderen Interessensgruppen.

Moore prägten über Tausende von Jahren hinweg das Landschaftsbild in Deutschland. Bis zur Industrialisierung im 18. Jahrhundert waren die Feuchtgebiete weitestgehend vom Menschen unberührte Wildnis, die als lebensfeindlich und unzugänglich galt. Viele Schauergeschichten und Sagen ranken sich um Menschen, die im Moor ein tragisches Schicksal ereilte und so wurden diese Gebiete so gut es ging gemieden. Das hatte zur Folge, dass sich die Natur hier ungestört entwickeln konnte.

Altes Handwerk im Moor

Eine Ausnahme stellte der Torfstich dar – eine alte Form der Brennstoffgewinnung, die bereits seit etwa 5.000 Jahren praktiziert wird. Hierzu muss der zu bearbeitende Moorabschnitt zunächst über ein Grabensystem entwässert werden. Der eigentliche Torfstich erfolgte dann in früheren Zeiten mühsam mit Spaten, Schaufel und Stecheisen. Die Torfsoden wurden anschließend auf Trockenplätzen den Sommer über getrocknet. Mit der industriellen Revolution hielten dann nach und nach mechanisierte Verfahren beim Torfstich Einzug.

Moore auf dem Rückzug

Bis ins 18. Jahrhundert hinein blieben Moore also weitestgehend unberührt. Dann, mit der einsetzenden Industrialisierung und der damit einhergehenden Modernisierung der Forst- und Landwirtschaft, wurden die Moorflächen immer weiter entwässert, um Anbauflächen für die Landwirtschaft sowie Aufforstungsflächen für die aufstrebende Forstwirtschaft zu gewinnen. Das hatte den Rückzug der Moorflächen in weiten Teilen Deutschlands zur Folge (nach Schätzungen des Naturschutzbunds Deutschland gut 90 % der ursprünglichen Flächen). Die wenigen noch intakten Moorflächen sind heute stark gefährdet, genau wie ihre typischen Lebensgemeinschaften. Erst in jüngerer Zeit wurde verstärkt damit begonnen, alte Moorstandorte wieder zu vernässen.

Chancen für den Klima- und Artenschutz

Gerade unsere Moore stellen eine bedeutende Kohlenstoffsenke dar, sofern sie intakt sind. Entscheidend ist hierbei der Prozess der Torfneubildung. Hierbei wird unter Sauerstoffausschluss in dem vorherrschenden nassen Milieu der Moore abgestorbenes organisches Material wie Pflanzenreste in Torf umgewandelt. Der in dem organischen Material gebundene Kohlenstoff wird auf diese Weise im Boden gebunden und gespeichert. Somit dient die Renaturierung von Moorstandorten und die Förderung der Torfneubildung dem Klimaschutz.

Doch auch der Schutz bestehender Moore spielt eine wichtige Rolle, denn gestörte Moorböden verlieren nicht nur ihre Fähigkeit, Kohlenstoff zu binden, sie werden auch von einer Kohlenstoffsenke zur -quelle. Der Grund hierfür liegt in den Abbauprozessen, die einsetzen, sobald der Torf mit Sauerstoff in Berührung kommt, wodurch der gebundene Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt.

Moore sind wichtige Bodenarchive

Hinzu kommt noch eine andere Herausforderung: Ebenso wie Kohlenstoff im Moorboden gespeichert wird, so werden auch Kleinstlebewesen, Stäube oder Artefakte konserviert. „Moore sind kulturhistorische Bodenarchive“, sagt Constanze Fuhrmann, Leiterin des Fachreferats für Umwelt und Kulturgüter in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Sie beinhalten Informationen über Praktiken, Lebens- und Identitätsformen der Menschheit.“

Überreste von sogenannten Moorwegen, Gegenständen oder ganze Siedlungen hätten Forschende bereits gefunden. Aber das kulturelle Erbe in Mooren könne zu Konflikten in der Landschaft führen, so Fuhrmann. Archäologische Fundplätze würden manchmal durch Naturschutzmaßnahmen versehentlich zerstört.

Moore stehen also nicht nur im Spannungsfeld zwischen Wirtschafts- und Naturschutzinteressen, sie sind zudem häufig Fundplatz archäologischer Artefakte. Um für diesen Konflikt zu sensibilisieren, hat ein von der DBU gefördertes Projekt des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) jetzt eine zweiphasige Tagung entwickelt, bei der Beteiligte aus Natur- und Denkmalschutz zusammengeführt und Synergien herausgestellt werden sollen. Das Vorhaben startete am 24. Mai digital mit einer Reihe von Fachvorträgen.

Um konkrete Maßnahmen und deren Auswirkungen zu diskutieren, werden in einem zweiten Teil am 8. und 9. November 2022 Fallbeispiele aus Deutschland und Dänemark vorgestellt und im Rahmen einer Exkursion in die Dümmerniederung an regionalen Beispielen im Gelände diskutiert. Informationen zum Programm und zur Anmeldung gibt es unter: https://www.dbu.de/@KulturellesErbeMoore.

Konflikte identifizieren und Synergien schaffen

Fuhrmann: „Es freut uns sehr, dass dieser Interessenskonflikt jetzt thematisiert und für denkmalpflegerische wie Naturschutz-Maßnahmen sensibilisiert wird. Das ist ein wichtiger Baustein beim Schutz und Erhalt von Moorlandschaften.“

Andreas Bauerochse, NLD-Referent und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde, zufolge wird dieses Ziel nur erreicht, wenn alle daran Beteiligten in einen Dialog treten: „Mit der Tagungsreihe soll ein Blick über den Tellerrand der eigenen Disziplin ermöglicht werden“, so Bauerochse. „Im Herbst wollen wir dann allen Teilnehmenden vor Ort die Möglichkeit geben, an konkreten Beispielen zu erfahren, was die Verbindung von Naturschutzaspekten und Kulturgüterschutz bedeuten kann.“

Mit Material von BfN, DBU und NABU