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Erlen-Anbauversuch auf wiedervernässtem Moor (ALNUS-Prjekt) in Mecklenburg-Vorpommern. Bei Pflanzung der Schwarzerle auf Rabatten zeigt diese auch bei hoch anstehendem Grundwasser ein ansprechendes Wachstum (hier nach sieben Standjahren).

Konzept zur Nutzung wiedervernässter Moore

„Fachstrategie Paludikultur“: Mit der Paludikultur in Mecklenburg-Vorpommern lassen sich Klimaschutz und Wertschöpfung durch Holzproduktion miteinander verbinden.

Mecklenburg-Vorpommern ist eines der moorreichsten Länder in Deutschland: Etwa 300.000 ha sind von Mooren bedeckt, das entspricht 13 % der Landesfläche. Ein erheblicher Teil der Moore war in der Vergangenheit für die landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt worden; deutschlandweit wurden 98 % der Moore entwässert. Solche trockengelegten Moore stoßen enorme Mengen Treibhausgase aus.

„Die Emission aus den Mooren ist die mit Abstand größte Treibhausgas-Einzelquelle des Landes“, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Minister Backhaus bei der Vorstellung der „Fachstrategie Paludikultur“ auf der Landespressekonferenz (13.12.2017). Jährlich stoßen die entwässerten Moorflächen im Land mehr als 6 Mio. t Kohlendioxid und weitere Treibhausgase – etwa Methan oder bodennahes Ozon – in die Atmosphäre aus. „Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten Treibhausgas-Emission des Landes“, verdeutlichte Backhaus. Expertenberechnungen zufolge lagern in den Mooren Mecklenburg-Vorpommerns derzeit mehr als 1 Mrd. t solcher Treibhausgase.

„Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 sieht vor, dass Industriestaaten wie Deutschland ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um bis zu 90 % reduzieren, um die fortschreitende Erderwärmung auf 2 °C zu begrenzen. Dieses Ziel erreichen wir nicht ohne einen nachhaltigen Umgang mit den Mooren. Werden trocken gelegte Moore fachgerecht wiedervernässt, so lassen sich die Emissionen erheblich reduzieren“, sagte Minister Backhaus. Durch den hohen Wasserstand auf wiedervernässten Mooren werde der Kontakt zwischen Luft und Torf weitgehend unterbunden, so dass die mit einer Kohlendioxidemission verbundene Zersetzung des Torfkörpers sich verringere oder ganz ausbleibe.

Biomasse aus Paludikultur

Um die wiedervernässten Flächen zugleich für die landwirtschaftliche Produktion zu erhalten, sei im Zusammenspiel mit Wissenschaftlern eine Nutzungsmöglichkeit entwickelt worden, die den Schadstoffausstoß vermindert und gleichzeitig verwertbare Erträge bringt – die Paludikultur. Bei der Paludikultur – die Bezeichnung leite sich von dem lateinischen Wort palus für Sumpf her – handele es sich um eine „nasse Landwirtschaft“, also um eine landwirtschaftliche Nutzung bei sehr hohen Wasserständen, erklärte Dr. Backhaus. Möglich sei beispielsweise die Beweidung von Nasswiesen durch Wasserbüffel, die bereits praktiziert wird, oder der Anbau von Schilf, das als Dachreet oder als Brennstoff verwertet werden kann; Rohrkolben eignen sich etwa als Dämmstoff. Für den Klimaschutz besonders vorteilhaft sei der Anbau von Schwarzerlen, die als Wertholz oder energetisch verwertet werden können. Der Anbau von Sonnentau als Heilpflanze stelle eine weitere Möglichkeit zur Erschließung neuer Märkte dar.

Genutzt wird Biomasse aus Paludikultur bereits im Heizwerk Malchin. Verwertet werden hier jährlich etwa 1.000 t Brennstoffe, die auf rund 400 ha wieder vernässter Moorfläche geerntet werden – sie ersetzen mehr als 300.000 l Heizöl pro Jahr. Durch die Wiedervernässung der 400-Hektar-Fläche bleiben mindestens 5.000 t Treibhausgase im Moor gebunden; zudem werden die fossile Brennstoffressourcen geschont.

Fachstrategie Paludikultur

„Die Fachstrategie Paludikultur ist nicht nur ein wesentlicher Beitrag unseres Landes zum Erreichen der Klimaschutzziele. Mit ihr bleiben landwirtschaftliche Produktionsflächen erhalten, es werden neue Arbeitsplätze geschaffen und die Wertschöpfung im ländlichen Raum wird erhöht“, sagte Minister Backhaus.

An der auf dem Landes-Moorschutzkonzept von 2000 und 2009 fußenden Fachstrategie wirkten unter Federführung des Greifswald Moor Centrums neben der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA) auch die Universitäten Rostock und Greifswald sowie der Bauernverband, die Landgesellschaft und weitere Partner mit.

In Mecklenburg-Vorpommern werden bereits seit über 20 Jahren Moore wiedervernässt, um Ziele des Naturschutzes zu erreichen. Seit 2011 werden die MoorFutures angeboten, die ersten Kohlenstoffzertifikate auf Basis von Mooren. Mit dem Erwerb von bislang 13.000 MoorFutures-Kohlenstoffzertifikaten zum Einzelpreis von 35 Euro unterstützten die Zertifikat-Käufer die Finanzierung der Wiedervernässung mit insgesamt rund 400.000 €.

Weitere Informationen bei der Universität Greifswald online

Das Konzept zum Schutz und zur Nutzung der Moore zum Herunterladen (PDF, 6,27 MB)

Forstwirtschaft und Klimaschutz auf nassen Mooren

behandeln Dr. Peter Röhe und Jörg Schröder in ihrem Beitrag „Paludikultur mit Anbau der Schwarzerle“ in AFZ-DerWald, Heft 23/2017, S. 50 bis 53 – Einzelhefte bestellbar online www.forstpraxis.de oder per E-Mail: leserservice.afz-derwald@dlv.de

LU Mecklenburg-Vorpommern

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