WaldÖkologie

Molche und Moose leben wieder auf

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

In dem landesweit bedeutsamen Naturschutzgebiet Gagelstrauch lag für Jahrzehnte eine der größten Feuchtheiden im gesamten südlichen Rheinland NRWs verborgen. Im letzten Jahr wurde die Feuchtheide aus seinem Dornröschen-Schlaf erweckt, was v.a. für Moose und den Molche, wie den Kammmolch von großer Bedeutung ist.

Im letzten Herbst fällte Wald und Holz NRW in Zusammenarbeit mit dem LIFE Projekt „atlantische Sandlandschaften“ in einem organisch geformten Bereich von 18.000 m² alle Bäume und schloss an mittelalterlichen Dämmen Bruchstellen. Diese Maßnahmen, ausgeführt mit Pferden, Handgerät und Kleinstmaschinen von Spezialbetrieben, sorgen nun dafür, dass sich typische Tierarten wie Kammmolch, Große Moosjungfer und viele mehr wieder ausbreiten können. Das Gebiet ist einer der wichtigsten Standorte in NRW für Sumpf-Johanniskraut, Eiköpfige Sumpfbinse, Reisquecke und Keilfleck-Mosaikjungfer. Er beherbergt außerdem gefährdete Arten wie Mittleren Sonnentau, Königsfarn und den namensgebenden Gagelstrauch.

Dauerhafte Pflege nicht notwendig

Jan-Valentin Wiesmeyer vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft zieht ein positives Fazit: „Das Wasser wird erfolgreich von den Dämmen gehalten, selbst den Starkregen haben sie gut überstanden. Ungewollte Arten wie die spätblühende Traubenkirsche werden zurückgedrängt und Frösche, Libellen und Molche fühlen sich sichtlich wohl. Durch die extensiven Eingriffe, die den Wasserhaushalt stabilisieren, kann sich das vielfältige Feuchtgebiet nun weitgehend ohne dauerhafte Pflege weiterentwickeln. Das ist wirklich ein gelungenes Projekt.“

Früher Waldanbau statt Feuchtgebiet

Gleichzeitig spiegelt sich hier die Jahrhunderte andauernde Landschaftsgestaltung durch die Menschen wider. Bereits im 14 Jahrhundert schaufelten Mönche Dämme auf, um in flachen Teichen des sumpfigen Gebiets Fische zu züchten. Im Laufe der Jahrzehnte verlor die Fischzucht aber an Bedeutung. Die Teiche fielen brach und Kriebelmücken fanden exzellente Bedingungen zur Vermehrung vor – sehr zum Leidwesen der örtlichen Bevölkerung. Um die Mückenpopulation einzudämmen, rissen die Preußen ab 1815 die Dämme wieder ein und legten die Teiche weitgehend trocken – die Insektenplage hatte ein Ende. Anschließend pflanzten sie Bäume, um Holz zu gewinnen.

Gefährdete Arten können sich hier ansiedeln

Heute blicken Laien wie auch Fachleute wieder ganz anders auf das Gebiet. Eingriffe in andere Moore und Heiden haben das Gebiet mehr und mehr zu einem bedeutsamen Kleinod gemacht, das es zu revitalisieren galt. Ein Hand-in-Hand von Naturschutz, Klimaschutz und Wasserrückhaltung ist in den Fokus gerückt. Jetzt bietet das Naturschutzgebiet ideale Möglichkeiten für die Wiederausbreitung gefährdeter und geschützter Pflanzen und Tiere.

Hintergrund

Um Bereiche mit Feuchtheide und Heidemooren sowie nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Stillgewässer im Naturschutzgebiet Gagelbestand wiederherzustellen, wurde zunächst der gesamte Gehölz- und Strauchbestand entnommen. Zur Schaffung von Übergangsbereichen wurde der übrige Bereich durch Entnahme zuvor gekennzeichneter Gehölze stark aufgelichtet. Da das Gelände für Maschinen nur sehr eingeschränkt befahrbar ist, wurden für diese Arbeiten Rückepferde eingesetzt. In einem zweiten Schritt reparierten Fachleute jahrhundertealten Dämme. In überwiegender Handarbeit wurden Flechtmatten aus Holz eingebaut, die von Robinien-Pfählen gehalten werden. Zwischen den Flechtmatten bauten sie zum abdichten Ton oder Lösslehm ein. Hierdurch kann das Wasser jetzt wieder länger in der Fläche gehalten werden. Da sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Maßnahmenbereichs noch intakte, jedoch kleinflächige Restbestände der Ziel-Lebensraumtypen (3130, 4010 und 7140) befinden, ist laut einhelliger Einschätzung von Experten eine optimale Voraussetzung für die Wiederausbreitung gefährdeter und geschützter Pflanzen- und Tierarten gegeben.

Quelle: Wald und Holz NRW