Holzindustrie, -verbände

Möbelindustrie meldet 4,3 % Umsatzplus

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Von Januar bis Juni 2021 meldet die deutsche Möbelindustrie einen Umsatz von rund 8,4 Mrd. € – ein Plus von 4,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Inlandsumsatz entwickelte sich vor dem Hintergrund der langen Phase der Handelsschließungen mit plus 1,5 % nur leicht positiv.

Der zweite, mehrmonatige Lockdown seit Mitte Dezember 2020 führte bei den Herstellern zu einer massiven Verschlechterung der Auftragslage. Mit der Schließung der Möbelhäuser brach ihnen über Monate hinweg in der ansonsten umsatzstärksten Zeit des Jahres der Hauptabsatzkanal weg. Viele Unternehmen mussten Kurzarbeit anmelden. Erste positive Impulse gab es dann im Frühjahr mit Lockerungen auf wichtigen Auslandsmärkten wie Österreich. Eine weitere Belebung brachten die Öffnungsschritte im deutschen Möbelhandel im Mai.

Dagegen konnte der Auslandsumsatz der deutschen Möbelindustrie im ersten Halbjahr 2021 kräftig um 10,6 % zulegen. Das Exportgeschäft profitierte vom rückläufigen Infektionsgeschehen in wichtigen europäischen Exportmärkten, der im Vergleich zu Deutschland früheren Aufhebung der Lockdown-Maßnahmen, der schrittweisen Rückführung der internationalen Reiseeinschränkungen und dem Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.

Erst Corona, jetzt Materialmangel

Die wieder anziehende Nachfrage stelle die Branche gleichzeitig vor große Herausforderungen, erklärt Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK). Denn bei vielen wichtigen Vormaterialien bestehen weiterhin erhebliche Engpässe. Neben Holzwerkstoffen sind unter anderem Metallkomponenten, Beschläge, elektronische Bauteile, Polsterschäume, Bezugsstoffe und Verpackungsmaterialien knapp. In der jüngsten Verbandsumfrage gaben 42 % der befragten Möbelhersteller an, dass sich die Materialversorgung im Juli 2021 gegenüber dem Vormonat weiter verschärft hat und es wegen der Engpässe zu Einschränkungen und Verzögerungen in der Produktion kommt. Die Planung von Kapazitäten wird erheblich erschwert, die Kalkulationsbasis verändert sich massiv infolge der Verteuerung der Vorprodukte. Es sei davon auszugehen, dass die höheren Produktionskosten in der Wertschöpfungskette weitergegeben werden müssen. Es komme in einigen Bereichen zu verlängerten Lieferzeiten.

Bei der Entwicklung der Umsatzzahlen verweisen die Verbände auf die äußerst schwachen Vorjahreswerte. Aufgrund der ersten Pandemiewelle brachen die Umsätze der deutschen Möbelhersteller im ersten Halbjahr 2020 um 10,2 % ein. Der Inlandsumsatz ging damals um 8,6 % und der Auslandsumsatz um 13,4 % zurück. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 liege die Branche im ersten Halbjahr 2021 immer noch um 6,3 % unter dem Umsatzniveau des ersten Halbjahrs 2019.

Küchenmöbel weiter Spitze

Die Küchenmöbelhersteller schafften einen kräftigen Umsatzanstieg um 16,3 % auf rund 2,8 Mrd. € und wiesen damit eine wesentlich bessere Performance als andere Segmente auf. Überdurchschnittlich wuchsen auch die Umsätze der Hersteller von Polstermöbeln, um 17,5 % auf 500 Mio. €. Die Matratzenindustrie wies ein Umsatzplus in Höhe von 3,5 % auf rund 363 Mio. € aus.

Die Umsatzentwicklung beim größten Segment der Möbelindustrie – den sonstigen Möbeln, darunter Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel, sowie Möbelteilen – fiel mit minus 5,8 % auf 2,8 Mrd. € dagegen negativer aus als im Branchendurchschnitt.

Wie bereits im Vorjahr weisen die konsumgüternahen Segmente der Möbelindustrie einen deutlich besseren Konjunkturverlauf auf als die Investitionsgütersegmente. Die Büromöbelindustrie registrierte mit einem Umsatz von rund 960 Mio. € erneut einen Rückgang um 0,3 %. Die Hersteller von Laden- und sonstigen Objektmöbeln lagen um 4,4 % über dem Vorjahreswert und erzielten einen Umsatz von rund 867 Mio. €.

Auftragseingang durchwachsen

Nach internen Erhebungen der Fachverbände stieg der Auftragseingang in der deutschen Küchenmöbelindustrie in den ersten sechs Monaten 2021 um 13,3 %. In der Polstermöbelindustrie wurde jedoch ein Rückgang um 6,6 % und in der Wohnmöbelindustrie sogar ein deutlicher Rückgang um 9 % registriert. Die im Vergleich zur amtlichen Statistik deutlich negativeren Ergebnisse sind vor allem auf das zeitliche Auseinanderfallen zwischen Auftragseingang und Umsatz und den guten Auftragsbestand zum Ende des Jahres 2020 zurückzuführen. Ein weiterer Grund ist die Einbeziehung der ausländischen Produktionsstätten deutscher Hersteller sowie der deutschen Vertriebsgesellschaften ausländischer Hersteller, die von der amtlichen Statistik nicht erfasst werden.

In den aktuell 458 Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten (-2,4 % bis Juni) arbeiten 78.901 Beschäftigte und damit 5 % weniger als im Vorjahr. Dieser Rückgang sei eher auf statistische Effekte als auf einen substanziellen Personalabbau in den Kernsegmenten zurückzuführen, erklärt Kurth.

Frankreich wichtigster Exportmarkt

Die deutschen Möbelexporte stiegen im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22,6 % auf 4,17 Mrd. €. Der Exportwert ist in der Regel höher als der Auslandsumsatz der Industrie, denn im Gegensatz zum Auslandsumsatz schließt der Exportwert auch die an ausländischen Produktionsstandorten hergestellte Ware mit ein. In den meisten europäischen Ländern legte der Export vor dem Hintergrund der Überwindung der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise deutlich zu. Die Ausfuhren nach Frankreich als mittlerweile wichtigsten Exportmarkt der deutschen Möbelindustrie legten mit einem Plus von 46 % kräftig zu. Die Schweiz, letzte Jahr noch Platz 1 für deutsche Möbelexporte, belegt aktuell Platz 2 mit einem Plus von knapp 16 %, gefolgt von Österreich mit plus 25,5 % und den Niederlanden mit plus 15,6 %. Der britische Markt erlebte nach der Unterzeichnung des Handelsabkommens mit der EU im ersten Halbjahr 2021 ein Comeback mit einem Plus von 25 %. In fast allen anderen europäischen Exportmärkten wie Belgien, Italien, Spanien, Polen, Schweden und Dänemark wurden ebenfalls deutliche Anstiege verzeichnet. Das aktuelle Außenhandelsniveau zur Jahresmitte 2021 liegt immerhin um rund 10 % über dem des Vorkrisenjahres 2019.

Bei den außereuropäischen Exportmärkten stiegen die deutschen Möbelexporte nach China im ersten Halbjahr 2021 um 13 %, die nach Russland um 7 %. Die deutschen Möbelexporte nach Nordamerika gingen dagegen um 0,1 % zurück. Die Exporte nach Saudi-Arabien stiegen um 38,7%, allerdings auf einem noch relativ niedrigen Niveau.

China löst Polen als größter Importeur ab

Nachdem die deutschen Möbelimporte im Gesamtjahr 2020 nur leicht gestiegen waren, legten sie von Januar bis Juni 2021 kräftig um 23 % auf 4,9 Mrd. € zu. Mit einem außerordentlich hohen Zuwachs von 45 % auf knapp 1,5 Mrd. € stiegen die Einfuhren aus China überdurchschnittlich stark. Damit löste das Reich der Mitte Polen (+9 %) als das bisher wichtigste Möbelherkunftsland ab. Fast jedes dritte nach Deutschland importierte Möbel (knapp 30 %) stammt inzwischen aus China. Der Anteil Polens an den Gesamtimporten ging dagegen auf rund 27 % zurück. Die Importe aus dem drittplatzierten Italien legten um 13 % zu. Auch die Einfuhren aus Vietnam (+25 %), Rumänien (+16 %), der Türkei (+36 %) und Frankreich (+28 %) stiegen deutlich, während die Einfuhren aus Österreich (-3,3 %) und Großbritannien (-3,0 %) zurückgingen. Allein auf die beiden wichtigsten Lieferländer China und Polen entfallen aktuell rund 57 % der gesamten deutschen Möbelimporte.

Ausblick verhalten positiv

Für den Herbst gehen die Möbelverbände von einer spürbaren Belebung der Möbelnachfrage in Inland aus. Nach der Urlaubssaison werde das Thema Wohnen wieder verstärkt in den Fokus rücken. Eine Studie zeige, dass sich die durchschnittlichen Möbel-Ausgaben je Haushalt im vergangenen Jahr auf 760 Euro (Vorjahr: 725 Euro) erhöht haben. Positive Impulse kommen zudem vom Möbel-Onlinehandel, der in der Corona-Krise einen Schub erfahren hat und dessen Anteil man mittlerweile auf mindestens 20 Prozent schätzt. In einer aktuellen Umfrage berichten 40 % der befragten Möbelhersteller, dass sich ihr Onlineanteil im Vergleich zum Sommer 2019 erhöht hat.

Die nach wie vor hohe Sparquote spreche ebenfalls für steigende Investitionen in die eigenen vier Wände. Allein im vergangenen Jahr haben die privaten Haushalte einer Studie zufolge 100 Mrd. € zusätzlich gespart, etwa weil Urlaube und andere Unternehmungen coronabedingt ausfielen. Optimistisch stimme zudem der Anstieg bei den Baugenehmigungen: Im Zeitraum Januar bis Juni 2021 wurden insgesamt 7,7 % mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum.

Sorgen machte dagegen die schwierige Beschaffung. Zudem sei der Geschäftsverlauf im zweiten Halbjahr 2020 unter anderem aufgrund der starken Nachholeffekte nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und wegen des Mehrwertsteuereffekts ausgesprochen positiv gewesen. Vor diesem Hintergrund gehen man für das Gesamtjahr 2021 von einem Umsatz auf Vorjahresniveau (Umsatz 2020: 17,23 Mrd. €) aus. Im Vergleich zum Umsatzniveau des Jahres 2019 würde dies einem Rückgang von rund 4 % entsprechen.

Quelle: VDM