Holzindustrie, -verbände

Möbelindustrie meldet minus 4 % Umsatz für 2020

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Für 2020 meldet die deutsche Möbelindustrie ein Umsatzminus von 4 %. Die Auslandsmärkte sind von dem Umsatzrückgang stärker betroffen als der deutsche Markt, der sich zum Jahresende deutlich erholte. Prognosen für 2021 sind pandemiebedingt kaum möglich, der Onlinehandel gewinnt jedoch weiter an Bedeutung.

Der Corona-Lockdown hat der Möbelbranche nach den schwierigen Jahr 2020 auch den Jahresauftakt 2021 verhagelt, da zum einen die beiden die beiden Leitmessen imm cologne und Living Kitchen ausfallen mussten. Zum anderen, noch entscheidender: Durch die damit verbundene Schließung des Möbelhandels falle für die herstellenden Betriebe in der umsatzstärksten Zeit des Jahres der maßgebliche Absatzkanal weg, erklärte Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) und der Möbelfachverbände, am 20. Januar 2021.

Warnung vor Lockdown bis Ostern

Die Möbelindustrie warnt vor einem Lockdown bis Ostern, der bereits im Gespräch sei, denn die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen wären nicht kalkulierbar. Es müsse einen mittelfristig möglichen Weg für ein Wirtschaften im „abgesicherten Modus“ geben. Gerade der deutsche Möbelhandel mit seinen großflächigen Verkaufsräumen und den seit Monaten erprobten Hygienekonzepten liefere dafür gute Voraussetzungen. Diese könne man durch Onlinebuchungen von Beratungs- und Verkaufsterminen, einen Ausbau des Onlinegeschäfts und eine FFP2-Maskenpflicht flankieren.

Die Läger des Handels müssen aus Sicht der Hersteller aber offenbleiben, um ein Reißen der Lieferketten und damit Produktionsstillstände zu verhindern. Das habe man beim Lockdown im Frühjahr schmerzvoll erlebt. Danach habe die Nachfrage nach Möbeln überraschend stark wieder angezogen sei war im Sommer ungewöhnlich hoch gewesen.

Hohe Auftragseingänge zum Jahresende

Nach internen Erhebungen der Fachverbände stiegen die Auftragseingänge in der deutschen Wohnmöbelindustrie von Januar bis Dezember 2020 um 14,1 %, in der Küchenmöbelindustrie um 11,8 % und in der Polstermöbelindustrie um 5,5 %. Die im Vergleich zur amtlichen Statistik deutlich positiveren Ergebnisse sind vor allem auf den guten, um einen zweistelligen Prozentsatz verbesserten Auftragseingang in den Monaten November und Dezember zurückzuführen, welcher sich erst im ersten Quartal 2021 in den positiven Umsätzen niederschlagen dürfte.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnet die deutsche Möbelindustrie mit einem Umsatzminus von 4 %. Die Prognose aus dem August lautete auf ein Minus von 5 %. Der Umsatz wird voraussichtlich 17,2 Mrd. € erreichen. In den ersten elf Monaten 2020 betrugen die Umsätze der Branche nach Angaben der amtlichen Statistik rund 15,8 Mrd. €, ein Minus von 4,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Umsatzminus ist zum Jahresende 2020 hin kontinuierlich abgeschmolzen: Im Oktober verzeichnete die Branche ein Wachstum um 2,3 % und im November bereits um 5 % im Vergleich zum Vormonat.

Auslandsmärkte stärker betroffen

Die negativen Auswirkungen der Corona-Krise waren insbesondere im Auslandsgeschäft zu spüren. Der Auslandsumsatz der deutschen Möbelindustrie sank von Januar bis November 2020 um 8,4 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, dagegen ging der Inlandsumsatz lediglich um 2,8 % zurück. Die deutschen Möbelexporte sanken in den ersten zehn Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 % auf 5,9 Milliarden Euro. Besonders stark gab der Absatz deutscher Möbel in Großbritannien mit einem Minus von 12,3 Prozent nach. Die negative Tendenz infolge des Brexits wurde durch die Auswirkungen der Pandemie auf die britische Wirtschaft noch verschärft.

Die außereuropäischen Exportmärkte entwickelten sich uneinheitlich. China als weltweit größter Möbelmarkt habe die Folgen der Corona-Krise offenbar sehr schnell überwunden: Die deutschen Möbelexporte nach China kletterten von Januar bis Oktober 2020 um 2,9 %. Dagegen fielen die Rückgänge in den USA mit minus 15,7 % und in Russland mit minus 14,2 % angesichts der hohen Infektionszahlen signifikant aus.

Möbelimporte leicht gestiegen

Die deutschen Möbelimporte entwickelten sich von Januar bis November 2020 mit einem minimalen Plus von 0,6 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro leicht positiv. Vor dem Hintergrund der gesunkenen Exporte und der gestiegenen Importe legte das Außenhandelsdefizit in den ersten zehn Monaten 2020 um 82 % auf rund 925 Millionen Euro zu.

Kommende Entwicklung unsicher

Ein konkreter Ausblick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten falle aufgrund der Unwägbarkeiten der Pandemie schwer, so Kurth. Das Wohnen und Einrichten werde aber bei den Menschen weiter eine hohe Priorität haben. Die Möbelbranche habe sich deshalb in der Corona-Krise noch flexibler aufgestellt, ihre Lieferketten noch breiter ausgebaut und ihre Produktinnovationen weiter vorangetrieben. Weiter an Fahrt nehme auch das Thema Digitalisierung auf, wie nicht nur der Schub für den Online-Möbelhandel zeige, dessen Anteil die Branche für 2020 auf 18 % schätzt.

Quelle: VDM