Holzindustrie, -verbände

Möbel: XXXLutz und Tessner dürfen unter Auflagen fusionieren

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Das Bundeskartellamt hat eine Beteiligung der Möbelkette XXXLutz an der Tessner-Gruppe, zu der die Möbelketten Roller, tejo’s und Schulenburg gehören, unter Auflagen freigegeben. Sollte auch die EU-Kommission zustimmen, entsteht der größte Möbelhändler in Deutschland, noch vor Ikea.

Das Bundeskartellamt hat die geplante Beteiligung der Mann Mobilia Beteiligungs GmbH, Würzburg, Teil der österreichischen XXXLutz-Gruppe, in Höhe von 50 % an der tejo Möbel Management Holding GmbH & Co. KG, Goslar, sowie der Roller GmbH & Co. KG, Gelsenkirchen (Tessner-Gruppe) unter Auflagen freigegeben.

Die Prüfung der wettbewerblichen Auswirkungen des Vorhabens auf die Beschaffungsmärkte – also das Verhältnis zwischen Möbelhandel und Möbelhersteller – liegt in diesem Fall bei der Europäischen Kommission. Dieses Verfahren ist bislang noch nicht abgeschlossen.

Wettbewerbsrechtliche Auflagen

Die XXXLutz-Gruppe ist in Deutschland mit über 200 Niederlassungen vertreten. Das Vorhaben bezieht sich auf 155 Standorte der Tessner-Gruppe. Nach der Entscheidung des Bundeskartellamtes dürfen 22 dieser Tessner-Standorte nicht übernommen werden, und ein weiterer XXXLutz-Standort muss abgegeben werden.

Für diese 23 Standorte hat das Kartellamt wettbewerbliche Bedenken. In den jeweiligen regionalen Märkten würde der Zusammenschluss zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs führen, so die Begründung. Vor allem im Möbel-Discountbereich hätten die Kunden dort künftig keine hinreichende Auswahl mehr zwischen verschiedenen Händlern. Die Unternehmen müssen deshalb diese 23 Standorte zunächst an einen oder mehrere unabhängige Dritte veräußern, bevor sie den restlichen Zusammenschluss vollziehen dürfen.

Nr. 2 und Nr. 4 werden zusammen Nr. 1

Die europaweit aktive XXXLutz-Gruppe ist in Deutschland mit über 200 Standorten vertreten und nach Umsatz der zweitgrößte Möbelhändler in Deutschland. Die Gruppe verfügt mit XXXLutz, dodenhof, Zurbrüggen, Möbelzentrum Pforzheim, POCO, Mömax, Osca und Sparkauf über mehrere etablierte Vertriebslinien.

Die Tessner-Gruppe ist mit 178 Standorten die Nr. 4 unter Deutschlands Möbelhändlern. Zu der Gruppe gehören die Handelsketten Roller, tejo’s SB Lagerkauf, Schulenburg sowie Meda Küchenstudios. Letztere sind aber nicht Gegenstand der Fusion.

Im Discountbereich haben die beiden Unternehmen insbesondere mit den Linien POCO bzw. Mömax und Roller die mit Abstand führenden Positionen inne. Nach dem Zusammenschluss entsteht der auch insgesamt größte Möbelhändler in Deutschland, noch vor Ikea.

Ausnahmsweise Prüfung von Bundeskartellamt und EU Kommission

Das Vorhaben wird ausnahmsweise nicht von einer Wettbewerbsbehörde sondern sowohl in Deutschland vom Bundeskartellamt (Auswirkungen auf der Absatzseite) als auch von der Europäischen Wettbewerbsbehörde bei der Europäischen Kommission (Auswirkungen auf die Beschaffungsmärkte) geprüft.

Aufgrund der Umsätze der beteiligten Unternehmen von insgesamt mehr als 5 Mrd. € hätte das Zusammenschlussvorhaben insgesamt bei der Europäischen Kommission angemeldet werden müssen. Da sich das Vorhaben hauptsächlich in Deutschland auswirken wird, haben die Zusammenschlussbeteiligten bei der Kommission beantragt, den Fall beim Bundeskartellamt prüfen zu lassen.

Weil die Beschaffungsmärkte jedoch voraussichtlich über Deutschland hinausgehen, also Möbel von den Beteiligten auch außerhalb Deutschlands eingekauft werden, hat die Europäische Kommission Ende Januar 2020 das Vorhaben nur bezüglich der betroffenen Absatzmärkte (Verhältnis Möbelhandel/Endkunde) zur Fusionskontrolle an das Bundeskartellamt verwiesen. Das Verfahren bei der Europäischen Kommission ist bislang noch nicht abgeschlossen.

BKartA/Red.