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Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Wildobst in Sachsen erfolgreich abgeschlossen

Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Wildobst in Sachsen erfolgreich abgeschlossen

Am 11. Mai 2017 fand die Abschlussveranstaltung zum Modell- und Demonstrationsvorhaben ‚Erhaltung der innerartlichen Vielfalt gebietsheimischer Wildobstarten in Sachsen‘ in Dresden-Pillnitz statt.

Das Vorhaben wurde mit Mitteln der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert. Hintergrund des Projektes war die Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes, die besagt, dass ab dem 1. März 2020 in der freien Landschaft nur gebietseigenes Pflanzenmaterial verwendet werden darf.
Das Wildobstprojekt wurde vom Juli 2012 bis Juli 2017 gemeinsam zwischen Sachsenforst und der Grüne Liga Osterzgebirge e.V. bearbeitet.
Ziel des Projektes war die Ausweisung von Erntebeständen für seltene Wildobstarten in Sachsen. Zusätzlich sollte gebietseigenes Pflanz- und Saatgut in Sachsen bereitgestellt und als Baumschulware etabliert werden.
Wildapfel, Wildbirne, Gemeine Eberesche, Wacholder, Alpen-Johannisbeere
Im Rahmen des Projektes wurden 42 Vorkommen mit insgesamt rund 1.900 Individuen von fünf Modellarten (Wildapfel, Wildbirne, Gemeine Eberesche, Wacholder und Alpen-Johannisbeere) in Sachsen kartiert und Parameter zur Bestandesstruktur, zum Schutzstatus und zu den Eigentumsverhältnissen erfasst.
Alle Sträucher bzw. Bäume wurden hinsichtlich ihrer artspezifischen morphologischen Merkmale bonitiert und genetisch untersucht. Weiterhin wurden an ausgewählten Pflanzen phänologische Bonituren durchgeführt. Aus diesen Untersuchungen wurden geeignete Maßnahmen abgeleitet, um vorhandene Bestände langfristig an ihrem natürlichen Standort zu erhalten und diese, bei entsprechender Eignung, für eine Beerntung zu nutzen.
Zusätzlich wurden Samenplantagen angelegt, so dass neben der Sicherung des arttypischen, regionalen Genpools langfristig ausreichend herkunftsgesichertes Saat- und Pflanzgut als Baumschulware zur Verfügung steht. Dieses kann beispielsweise für Aufforstungsmaßnahmen oder Pflanzungen in die offene Landschaft (z.B. bei Ausgleichsflächen) verwendet werden.
Abschlusskolloquium 
Rund 60 Teilnehmer von Baumschulen, Landschaftsplanungbüros, Forstwirtschaft und Naturschutz sowie Forschungsinstitutionen nahmen Mitte Mai am Abschlusskolloquium teil. „Der Naturschutz im Wald ist eine wichtige Aufgabe der Forstwirtschaft“ stellte Dr. Dirk-Roger Eisenhauer, Leiter des Kompetenzzentrums für Wald und Forstwirtschaft des Sachsenforstes in seinem Eingangsstatement fest. „Das gemeinsame Projekt zwischen Sachsenforst und Grüner Liga Osterzgebirge e.V. ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Forst und Naturschutz“.
Die Bedeutung von forstlichen Genressourcen hob Dr. Heino Wolf, Referatsleiter des Referats für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung im Staatsbetrieb Sachsenforst, hervor. Besonders der Erhalt von seltenen Baum- und Straucharten ist von zentraler Bedeutung für die Sicherung und Wiederherstellung naturnaher Wälder.
Frank Lochschmidt, Projektmitarbeiter der Grünen Liga Osterzgebirge e.V. stellte die Ergebnisse der fünfjährigen, praktischen Projektarbeiten zur Kartierung und morphologischen Bonitur bei den seltenen Wildobstarten vor.
Dr. Stefanie Reim, Projektmitarbeiterin des Referates für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung erläuterte, welche Rückschlüsse aus den Ergebnissen der genetischen Analyse und phänologischen Bonitur für die Verwendung gebietseigener Herkünfte seltener Wildobstarten in Sachsen gezogen werden können.
Der Aufbau von Ernteanlagen für Wildobstarten zum Zwecke der Saatgutgewinnung und Generhaltung und die Möglichkeiten einer integrierten Forstpflanzenproduktion wurden von Sören Prüfer, Baumschulleiter des Zentrums für Forstliches Vermehrungsgutes des Staatsbetriebs Sachsenforst, erläutert.
Kai Noritzsch, Sachbearbeiter im Bereich Waldökologie und Naturschutz im Forstbezirk Neustadt, stellte die Verwendung von gebietsheimischen Gehölzen im Rahmen der multifunktionalen Forstwirtschaft vor. Er erläuterte dies an Beispielen, wie einer Waldrandgestaltung oder Erstaufforstungen.
Leitfaden seltener Gehölzarten
Ein wesentliches Ziel des Wildobstprojekts war die modellhafte Etablierung von Erntebeständen in-situ für seltene Wildobstarten. In diesem Zusammenhang wurde ein Leitfaden für die Ausweisung, Sicherung und Beerntung von Erntevorkommen seltener Gehölzarten erarbeitet, der von Frank Lochschmidt, Projektmitarbeiter der Grünen Liga Osterzgebirge e.V. anhand von Beispielen der praktischen Umsetzung beschrieben wurde. Dieser Leitfaden kann auf der Projektinternetseite www.wildobstsachsen.de heruntergeladen werden.
Ansatzpunkte für die Bereitstellung gebietsheimischer Pflanzen in Sachsen
Die nächsten Schritte auf dem Weg zur Erfüllung der Zielstellungen des § 40 Abs. 4 BNatSchG bis 2020 und die damit verbundenen Problematiken wurde von Dr. Thomas Gröger, Leiter des Referates Landschaftspflege, Förderung Naturschutz und Klima im Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, erläutert.
Mit dem Wildobstprojekt wurden die Ergebnisse zur Etablierung gebietseigener Gehölze in Sachsen aus fünfjähriger Projektarbeit vorgestellt und damit wichtige Ansatzpunkte für die Schaffung organisatorischer und praktischer Rahmenbedingungen für die Bereitstellung gebietsheimischer Pflanzen in Sachsen geliefert. Diese sind bedeutsam damit bis zur gesetzlich bindenden Nutzung gebietseigener Gehölze in weniger als drei Jahren ausreichend herkunftsgesichertes Pflanzenmaterial bereitgestellt werden kann.
 

Beiträge der Abschlussveranstaltung online

 
 

Internetseite zum Wildobstprojekt

 
Dr. Stefanie Reim

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