ABO
Mitgliederversammlung der EZG e.V.

Mitgliederversammlung der EZG e.V.

Bei  der Mitgliederversammlung am 23.September 2010 in Leipheim konnte die EZG traditionell etliche Gäste und Referenten aus der Forstwirtschaft begrüßen. Die Vorsitzende, Frau Steffi Handel erinnerte dabei an die EZG-Aktivitäten im Bereich der Herkunftssicherung und der Pflanzenqualität in den letzten Jahren, die in Zusammenarbeit und im Dialog mit Abnehmern und Verwaltungen erfolgreich realisiert wurden und die die Bedeutung eines regen Austausches  bzw. einer  konstruktiven „Marktpartnerschaft“ unterstreichen.
Befriedigende Versorgungslage- aber bei Rotbuchen ist Flexibilität gefragt
Nach Beurteilung der EZG-Baumschulen sind die meisten Pflanzensortimente und Herkünfte zum Herbst 2010/Frühjahr 2011 ausreichend und in guter Qualität verfügbar. Allerdings wird es aufgrund fehlender Fruktifikation  2007 und 2008 beim wichtigen Sortiment 2-jährige Rotbuche in den Größen 30/50 und 50/80 mit gesicherten Herkünften zu massiven Lieferengpässen kommen. Deshalb sei die Pflanzung etwas kleinerer einjähriger Buchen (z.B. 20-40) oder von noch verfügbaren größeren 3-jährigen Buchen (z.B. 80/120 oder 120/150) anstelle einer Kulturverschiebung oft die einzige Alternative. Die Saatgutente 2010 lässt überwiegend keine bzw. nur bescheidene Erntemöglichkeiten zu, was aber angesichts der hohen Saatgut-Erntemengen im Vorjahr kein Nachteil sei und zur Stabilisierung des Pflanzenmarkts beitrage.
Pflanzenfotos ergänzen EZG-Qualitätsrichtlinien
Der Geschäftsführer, Gerhard Wezel stellte Bilderreihen aus der EZG-Internetseite vor. Zur Ergänzung der Qualitätsrichtlinien und als Hilfe bei der Ansprache der Pflanzenqualität wurden dort zahlreiche kommentierte Pflanzenphotos der wichtigsten Baumarten und Sortimente eingestellt. Außerdem wurden die Bündelungsempfehlungen für Forstpflanzen aktualisiert, während die EZG bei den geplanten Empfehlungen zu Wurzelhalsdurchmessern bzw. h/D-Werten noch laufende wissenschaftliche Untersuchungen abwarten möchte, um gesicherte Werte zu erhalten. 
Grußworte & Statements
Jerg Hilt, GF der Forstkammer Baden-Württemberg begrüßte den guten Kontakt zu den Baumschulen und betonte, dass das Thema Pflanzung auch im Rahmen des naturnahen Waldbaus und des Waldumbaus wieder mehr in den Vordergrund rücken werde. Insgesamt sieht Hilt die Notwendigkeit, den Nadelholzanteil künftig nicht weiter zu reduzieren, auch weil die heimischen Märkte künftig ein Mindestmaß dieses  Rohstoffs benötige, und weil das wirtschaftliche Ergebnis für Forstbetriebe von zentraler Bedeutung sei. In diesem Zusammenhang müssen auch die Unterschiede bei der Nachfrage- und der Erlössituation von Laub- und Nadelholz, die sich mittelfristig wohl nicht deutlich verändern werden, berücksichtigen. Durch entsprechende waldbauliche Behandlung könne auch bei der Fichte das Risiko etwas reduziert werden, während man in Regionen mit erhöhtem „Klimarisiko“ durchaus den Anbau anderer Nadelhölzer prüfen sollte (z.B. Küstentanne). Denn, so Hilt: „Auch mit einem Anteil bewährter Nadelhölzern ist klimatoleranter Waldbau möglich“
Hans Baur, Geschäftsführer des bayerischen Waldbesitzerverbandes  hob ebenfalls die Zusammenarbeit mit der EZG hervor und  könnte sich vorstellen, bestimmte Themen und Projekte künftig verstärkt gemeinsam anzugehen. Baur bekräftigte die Aussage Hilts, wonach gerade für den Waldumbau Baumschulen benötigt werden, weil der geplante Umbau in klimastabile Mischwälder nur so in angemessener Zeit zu realisieren sei. Aktuelle Herausforderungen bzw.  Probleme für Waldbesitzer sieht Baur in Forderungen nach Flächenstilllegungen und Bestrebungen die Douglasie als potentiell invasive Art zu bewerten, was in FFH-Gebieten massive Anbaubeschränkungen zur Folge haben könnte.
Forstpflanzenproduktion unter dem Aspekt des prognostizierten Klimawandels
Eingangs betonte Christoph Göckel, stv. Geschäftsbereichsleiter Waldbau/Waldschutz an der FD Freiburg (ForstBW) und Leiter der Staatsklenge Nagold, die konstruktive, gute Zusammenarbeit zwischen der Forstverwaltung B-W und der Baumschulbranche in den letzten Jahren, so zum Beispiel bei den Themenbereichen Herkunftssicherung oder Pflanzenqualität. Dies seien gute Voraussetzungen, um auch die „gemeinsamen“ Herausforderungen der nächsten Jahre erfolgreich zu bewältigen. Zwar könne man derzeit noch nicht absehen, wie sich die gravierenden Veränderungen der Forst- und Holzwirtschaft, verursacht v.a. durch zunehmende Globalisierung, steigende Energiepreise und den Klimawandel auf die wirtschaftliche Situation von Forstbetrieben und den Forstpflanzenbedarf auswirken werden. Allerdings könne man sicher davon ausgehen, dass der Waldumbau im Zuge des Klimawandels standorts- und herkunftsgerechte, qualitäts- sowie herkunftsgesicherte Pflanzen benötige und für Baumschulen vermutlich auch eine gewisse wirtschaftliche Chance bietet.
Klimawandel und Anpassung der Wälder
Der Wald in Baden-Württemberg wird durch den prognostizierten Klimawandel verwundbarer und das Risiko von Schäden und Ausfällen steigt, so dass Anpassungsmaßnahmen unumgänglich werden. Für diese bedarf es eines konzeptionellen Vorgehens, das einerseits einen schnellen Beginn geeigneter Maßnahmen erlaubt, das aber auch genügend Raum für die weitere wissenschaftliche Absicherung des Vorgehens ermöglicht. Göckel konzentrierte seine Ausführungen auf die Strategie zur ersten Phase der Überlegungen, einen Zeitraum bis ca. ins Jahr 2030, für die bereits einige Forschungsprojekte, wie zum Beispiel zur Modellierung von Arealverschiebungen der Hauptbaumarten, Untersuchungen zum Wasserhaushalts – und Trockenstress, zur Veränderung biotischer- und abiotischer Schäden und sowie zu Entscheidungshilfen für Praktiker in Bearbeitung sind. Klimaschutz müsse aber weiterhin oberste Priorität haben.
Hauptbetroffene Baumarten des Klimawandels in Baden-Württemberg
Eine Erhöhung der Temperaturen ist vor allem für die Fichte, deren natürliche Hauptverbreitung im „borealen“ Nadelwaldgürtel liegt und die in Baden-Württemberg 38% der Waldfläche einnimmt, problematisch. Im Rahmen der seit rund 30 Jahren praktizierten „naturnahen Waldwirtschaft“ wurden nicht standortsgemäße Fichtenwälder bereits auf großen Flächen in naturnähere, i.d.R. Laub-Mischwälder umgebaut. Weiteren Umbaubedarf wird es aber noch Temperatur/-trockenheitsbedingt und auch Sturmrisikobedingt geben.
Mit der Buche (21% Baumartenanteil) und Tanne (8%) werden zwei weitere Hauptbaumarten vom Klimawandel betroffen sein. Auf ihren natürlichen Standorten befinden sich Buche und Tanne derzeit im Bereich ihres ökologischen Optimums, weshalb ihre Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderungen, im Vergleich zur Fichte, höher eingeschätzt wird.  Für die Tanne wird aber auch insbesondere die Veränderung der Niederschläge entscheidend sein. Allerdings weise ihre rasche Erholung nach dem Trockensommer 2003 darauf hin, dass sie warme und trockene Wetterperioden durchaus verkraften könne. Die Eichen (7% Baumartenanteil) die in natürlicher Verbreitung auf warm-trockenen, aber auch vernässenden Standorten vorkommt, sollten mit höheren Temperaturen keine Probleme haben. Allerdings, so Göckel, gebe es im Hardtwaldbereich des Rheintals große Probleme mit Wurzelfraß durch Maikäferengerlinge. Die Prognosen für die Kiefer (7% Baumartenanteil) sind derzeit noch indifferent. Während sie mit Trockenheit gut zu rechtkommen dürfte, sei unklar, inwiefern dies auch für einen Temperaturanstieg gelte, bei dem zudem eine Zunahme von Insekten – und Pilzschäden zu erwarten sei.
„Gewinner“ des prognostizierten Klimawandels werden wärme- und trockenheitstolerantere Baumarten wie z.B., Eichen, Hainbuche, Kirsche, Mehl- und Elsbeere, Speierling, Winterlinde, Feldahorn, Esskastanie und ggf. Esche sein, wobei beim aktuellen Anbau das „Eschentriebsterben“ für Unsicherheit sorge.Auch die Tanne dürfte eine nennenswerte Rolle dabei spielen. Diese Baumarten werden durch standörtlich geeignete Baumarten wie Douglasie, Roteiche, Robinie, Schwarz-Kiefer oder Schwarz-Nuss ergänzt. Ein angemessener Nadelholzanteil sollte auf jeden Fall sichergestellt werden.
Begleitend zu den aktiven Umbaumaßnahmen von Fichtenbeständen müssten weitere Anpassungsmaßnahmen erfolgen, um die mit dem Klimawandel/Erwärmung verbundenen Risiken waldbaulich zu minimieren. Dies sind beispielsweise Modifizierungen von Umtriebszeiten und Zielvorräten, Förderung der Naturverjüngung geeigneter Baumarten, die Erhöhung der Einzelbaumstabilität sowie die gezielte Einbringung klimastabiler Baumarten.
Resümee im Hinblick auf die Verjüngung und Pflanzung
  • Es wird Gewinner- und Verliererbaumarten im Klimawandel geben
  • Pflanzenqualität, Herkunftsgerechtigkeit- und sicherheit sowie Pflanzungsqualität haben weiterhin sehr hohe Priorität
  • Vorbaupotenziale sollten genutzt werden
  • Grundsätzlich werden stabile Mischbestände mit hoher genetischer Vielfalt angestrebt
  • Eine Erweiterung der Baumartenpalette wird mittel- bis langfristig erfolgen
  • Verbesserte Prognosen über die künftig geplanten Baumarten, Herkünfte und Sortimente sind unabdingbar
  • Anzuchtverträge sollten verstärkt genutzt werden, um mehr Planungssicherheit für Waldbesitzer und Baumschulen zu gewährleisten.
Der Staatswald in Baden-Württemberg hat derzeit einen Naturverjüngungsanteil von rund 75% und einen entsprechend geringen Pflanzenbedarf, der 2009 bei rund 1,2  Mio. Pflanzen lag. Dennoch äußerte sich Göckel dahingehend, dass beim Pflanzenbedarf wohl die Talsohle erreicht sei und sich die Nachfrage aufgrund der geplanten Umbaumaßnahmen wieder etwas erhöhen werde. Hinsichtlich aktuell empfohlener wurzelgerechter Pflanzverfahren werden dabei tendenziell vermehrt kleinere und mittlere Sortimente nachgefragt werden.
Zur Förderung des Waldumbaus in Bayern mit Schwerpunkt Bestandesbegründung und Pflanzung referierte Ministerialrat Alfons Leitenbacher vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. In Bayern sollen bis zum Jahr 2020 von 260.000 ha gefährdeter Fichten- und Kiefernbestände 100.000 ha in klimatolerantere laubholzreiche Mischbestände umgewandelt werden. Dieses Ziel soll wesentlich durch intensive Aufklärung und Beratung der Waldbesitzer sowie eine verstärkte und gezielte Förderung erreicht werden. Grundsätzlich sollen dabei, unter genauer Beachtung der Baumarteneignung und Herkunft, klimatolerante, standortangepasste Baumarten (Laubbaumarten und Weißtanne) möglichst frühzeitig eingebracht werden. Daneben werden Naturverjüngung, frühzeitige Pflegeeingriffe und Durchforstungen gefördert. Neu ab 1.9.2010 in die Förderung aufgenommen wurden unter anderem: Ballenpflanzen, die bei festgestellter Notwendigkeit stück-zahlbezogen gefördert werden, und die Pflege von Saatgut-Erntebeständen. Die Verwendung von Vermehrungsgut mit überprüfbarer Herkunft wird bei flächenbezogenen Kulturmaßnahmen weiterhin mit zusätzlich 200 Euro pro Hektar honoriert. Außerdem werden künftig Pflanzmaßnahmen (Vorbau, Umbau, Wiederaufforstung) zur Schließung kleinerer Bestandeslücken (>0,2 ha) stückzahlbezogen bezuschusst und sind nicht EU-kofinanziert.
Deshalb, so hob Leitenbacher positiv hervor, können solche Kleinmaßnahmen flexibel und unbürokratischer gefördert werden. Demgegenüber werde der von der EU-Kommision verlangte Wegfall der sogenannten Zustimmung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn die zeitliche Flexibilität einschränken. Denn für die Praxis bedeute dies, dass eine Maßnahme erst begonnen werden kann und deren Förderung  gesichert  ist, wenn haushaltstechnisch Geldmittel zu Verfügung stehen und der Förderantrag formal bewilligt wurde. Für  die Frühjahrskulturen  2011 müssen die Förderanträge deshalb noch rechtzeitig im Jahr 2010 beantragt und genehmigt werden, um eine Förderung sicherzustellen.
Dieser notwendige zeitliche Vorlauf sei, darin waren sich die anwesenden Baumschulvertreter mit Herrn Leitenbacher weitgehend einig, trotz gezielter Information der Waldbesitzer und der zuständigen Ämter schwierig, da Waldbesitzer meist nicht bereits über Pflanzmaßnahmen und Förderanträge entscheiden, solange sie ihren Holzeinschlag noch nicht beendet haben
Nach Leitenbacher wurde in den Jahren 2008 und 2009 in Bayern jeweils auf rund 5.000 ha der Waldumbau gefördert, Allein für Pflanzmaßnahmen lag das jährliche Fördervolumen in den letzten Jahren durchschnittlich bei mehr als 7 Mio. €.  Dies Zahlen unterstreichen die  Fortschritte in Bayern auf dem Weg in Richtung eines klimatoleranten Mischwaldes.
Gebietseigene Gehölze
Abschließend gab Roland Schlegel (Fa. Karl Schlegel) einen  Überblick über die aktuelle rechtliche Situation bei  gebietseigenen Gehölzen, ein Thema, das in der gesamten Baumschulbranche kontrovers diskutiert wird. Das 2009 novellierte Bundesnaturschutzgesetz schreibe zwar nicht explizit die Verwendung von gebietheimischen Pflanzen vor,  aber nach §40/4 gilt: „Das Ausbringen von Pflanzen gebietsfremder Arten in der  freien Natur sowie von Tieren bedarf der Genehmigung der zuständigen Behörde“ wobei eine Übergangsfrist bis 1. März 2020 gilt und Pflanzen zum Anbau in der Land- und Forstwirtschaft von der Genehmigung ausgenommen sind.  Aber abgesehen von dieser wichtigen Genehmigungspflicht sei nach Schlegel wenig „geregelt“, so dass bezüglich der praktischen Umsetzung derzeit bundesweit erhebliche Unklarheiten bestehen. Diese beginnen bei den unterschiedlichen gebräuchlichen Begriffsdefinitionen: „gebietseigen“, „gebietsheimisch“ oder „autochthon“ bis hin zu rechtlich nicht klar definierten Geltungsbereichen. Denn weil der  Begriff „freie Natur“ im Gesetz nicht definiert sei, stelle sich z.B. die Frage, wie eine Autobahnböschung einzustufen sei.
Dennoch empfiehlt Schlegel den Baumschulen sich künftig verstärkt auf die Produktion gebieteigener Gehölze einzustellen, ähnlich wie dies in Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg bereits seit etlichen Jahren praktiziert werde (z.B. Erzeugergemeinschaft für autochthone Baumschulerzeugnisse in Bayern,  Erzeugergemeinschaft für gebietsheimische Gehölze Baden-Württemberg). Die Regelwerke bzw. Vorgaben dieser Zertifizierungsvereine seien in weiten Teilen mit den Bestimmungen des Forstvermehrungsgutgesetzes (FOVG) vergleichbar und beinhalten eine „gläserne Produktion“,  unterliegen jedoch im Unterschied zum FoVG einer internen, privatrechtlichen Kontrolle.
 
EZG

Auch interessant

von