Waldbau

Mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung Artenvielfalt fördern

Bearbeitet von Rainer Soppa

Von 11. bis 15. Oktober 2021 fand die 15. Biodiversitätskonferenz in Kunming/China statt. Die österreichischen Familienwaldbesitzer nehmen dies zum Anlass, über die neue Webseite www.waldgeschichten.com zu zeigen, wie sie durch eine nachhaltige Bewirtschaftung für eine große Artenvielfalt in ihren Wäldern sorgen.

Klar wird dabei, dass Mitteleuropa eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft hat. Ihre ganz besondere Artenvielfalt ist vom Menschen mit beeinflusst und von einer aktiven Bewirtschaftung der zumeist als natürlich empfundenen Lebensräume abhängig. Dies gilt ganz besonders für den Wald.

Nicht der Lebensvielfalt das Licht abdrehen

„Würden wir den Wald nicht bewirtschaften, wäre die Artenvielfalt wesentlich geringer. So brauchen etwa Mitteleuropas Tagfalter und viele Vogelarten lichte Wälder, um darin die geeignete Nahrung und Brutmöglichkeiten zu finden. Die Bedrohung für diese lichtbedürftigen Arten entsteht dann, wenn die Wälder immer dunkler werden und sich das Kronendach der Wälder zunehmend schließt. Dies erfolgt beispielsweise dadurch, dass Wälder großflächig aus Gründen des vermeintlichen Klima- und Biodiversitätsschutzes außer Nutzung gestellt werden, weil der in den Bäumen gebundene Kohlenstoff im Wald verbleiben soll“, weist Kurt Ramskogler, Präsident BIOSA – Biosphäre Austria, Verein für dynamischen Naturschutz, auf einen Zielkonflikt in der EU-Politik hin.

Es gibt in Österreich von Natur aus seltene Waldlebensräume, die zum Beispiel von den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern freiwillig in das Naturwaldreservate-Programm des Bundes und in private Initiativen wie bei BIOSA eingebracht werden. Zahlreiche Waldbewohner wie Pilze, Insekten, Vögel und Fledermäuse sind häufig an Totholz und spezielle Kleinstlebensräume gebunden. „Wir unterstützen daher alle Aktivitäten, die zu einer Anreicherung von sogenannten Biotopholzbäumen im Wald führen. Das sind entweder Uraltbäume mit einem hohen Totastanteil, Bäume mit Spechtlöchern oder Mulmhöhlen, Bäume mit Verletzungen durch Blitzeinschlag, Sonderformen wie Mehrwipfeligkeit oder ganz einfach ein abgestorbener Baum“, erklärt Ramskogler.

Totholz und Biodiversität deutlich verbessert

„Dass sich in Richtung einer ökologischen Bewirtschaftung des Waldes sehr viel getan hat, beweisen die Daten der Österreichischen Waldinventur. Der Anteil an totem Holz, das aus ökologischen Gründen im Wald verbleibt, ist seit 1960 um das Dreifache gestiegen und liegt bei beachtlichen 30 Vorratsfestmetern je Hektar. Der Anteil an Veteranenbäumen ist ebenfalls deutlich gestiegen. Der diesbezügliche Teilindikator im Rahmen des Biodiversitätsindex Wald hat seit 2007 um beachtliche acht Prozentpunkte zugenommen“, weist Ramskogler auf die tatsächlichen Entwicklungen im österreichischen Wald hin.

Wissenswertes für Naturfreunde in Kurzvideos

„Mit der neu geschaffenen Wissensplattform Waldgeschichten sollen der breiten Öffentlichkeit objektive Informationen zu all diesen Zusammenhängen bereitgestellt werden. Zudem zeigen die Bewirtschafter des Waldes auf dieser Plattform mit Kurzvideos, was sie tagtäglich im Wald leisten. Endlich besteht die Möglichkeit für Waldbesitzer, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch interessierte Wald- und Naturfreunde darüber zu informieren“, so Ramskogler abschließend.

Zum Hintergrund

BIOSA – Biosphäre Austria ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Eigentümern land- und forstwirtschaftlicher Flächen, die sich auf privater Basis bereit erklären, ausgewählte Flächen für Naturschutzprojekte zur Verfügung zu stellen. Derzeit betreut die BIOSA mehr als 3.500 ha Vertragsnaturschutzflächen. Damit ist sie – zumindest flächenmäßig – die größte Naturschutzorganisation Österreichs.

Quelle: red/BIOSA