Holzenergie

Mit Holz heizen und Heizkosten sparen? Die Fakten

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Während die Preise für Erdgas, Strom und Heizöl immer weiter steigen, kostet Brennholz nicht viel mehr als im vorigen Jahr. Für August meldet das Statistische Bundesamt für Brennholz und Energieholz sogar einen moderaten Preisrückgang. Landwirte, Verbraucher und Unternehmen machen sich angesichts Kostenexplosion bei Energie natürlich Gedanken, welche preisgünstigen Alternativen es beim Heizen und bei der Energiegewinnung gibt.

Zumal es derzeit nicht nach einem schnellen Rückgang der exorbitant hohen fossilen Energiepreise aussieht. Im Gegenteil! Fakt ist aber auch: Eine Umstellung auf Holz erfordert vergleichsweise hohe Investitionen für den Einbau einer Holzheizung (Pellets, Scheitholz, Hackschnitzel), die zum Teil deutlich über den Kosten für den Einbau einer Gasheizung oder die Installationen von Solarpanels auf dem Dach liegen. Zudem braucht man ausreichend Platz, um den Rohstoff Holz für einen längeren Zeitraum zu lagern. Und man muss den Brennstoff mitunter selbst in den Ofen schippen. Matthias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat sich vor einiger Zeit mit der Umstellung von Öl und Gas zu Holz befasst. Und er hat die Kosten der unterschiedlichen Energiearten berechnet. Er sagt: „Der Energieträgerwechsel wird im Regelfall dann sinnvoll, wenn neben vermuteten niedrigeren Brennstoffkosten auch der Ersatz des Heizkessels erforderlich wird, egal ob der Schornsteinfeger es verlangt oder die Heizung reparaturanfällig wird. Dann sind alle Kosten „variabel“ und der Vergleich zwischen einem neuen Heizkessel, der mit dem bisherigen Brennstoff betrieben wird, und den heiztechnischen Alternativen wird sinnvoll.“

Hohe Investitionskosten für Holzheizungen

Welche Möglichkeiten gibt es nun mit Holz zu heizen und was kosten sie? Kammerexperte Schindler nennte neben Holzpellets auch das Heizen mit Scheitholz und Holz-Hackschnitzeln. Für eine Umstellung spielen neben dem nötigen Investitionsbedarf auch die zu erwartende Nutzungsdauer und das bei einer Finanzierung über diesen Zeitraum gebundene Kapital eine Rolle.

Danach kostet ein neuer Ölheizkessel etwa 19.200 € und seine Lebensdauer liegt bei 18 Jahren, bei einem Wirkungsgrad von 94 %. Für eine Gasheizung bzw. Brennwerttherme werden 17.400 € Investitionsbedarf (inklusive Neuanschluss an das Gasnetz) sowie 20 Jahre Nutzungsdauer und ein Wirkungsgrad von 96 % angenommen. Bei einer Heizung mit Scheitholz müssen 27.700 € investiert werden. Zu bedenken ist dabei: Die Brennstoffzufuhr muss bei dieser Heizungsart manuell erfolgen. Man braucht also deutlich mehr Zeit zum Heizen. Die Lebensdauer liegt bei 15 Jahren und der Wirkungsgrad bei etwa 87 %, hat Kammerexperte Schindler ausgerechnet. Bei Holz-Hackschnitzeln muss man wegen aufwendigen Zuführtechnik mit 33.700 € am meisten Geld ausgeben. Der Wirkungsgrad liegt bei 89 %. Für die Pellet-Heizung liegt der Investitionsbedarf immerhin bei 30.600 €, bei einer Lebensdauer von 15 Jahren. Bei entsprechender Kesselauslegung würde hier zudem das Verbrennen von Getreidekorn und Strohpellets möglich sein, sagt der Kammerexperte.

Ohne Berücksichtigung anderer Kosten ergibt sich bei den reinen Brennstoffkosten (im langfristigen Vergleich) zudem ein leichter Vorteil für die Holz-Hackschnitzel, gefolgt von Scheitholz, Holzpellets. Gas und Öl weisen deutlich höhere Brennstoffkosten auf.

Holz-Hackschnitzel vor Scheitholz und Pellets

Die laufenden bzw. variablen Kosten der Heizsysteme hängen sehr stark von den jeweiligen Brennstoffkosten ab, wie die aktuelle Preisentwicklung bei Gas und Heizöl deutlich macht. Mathis Schindler hat bei seinem Vergleich deshalb die längerfristigen Durchschnittskosten bei den einzelnen Brennstoffen zu Grund gelegt. Danach würde, berücksichtigt man ausschließlich die variablen Kosten – trotz des hohen Lagerraumbedarfs – die Holz-Hackschnitzel-Heizung die günstigste Variante sein. Dahinter rangiert als Brennstoff dann Scheitholz, wegen der arbeitsaufwendigen Scheitholzfeuerung.

Die Preise für Holzpellets schwanken im Zeitablauf weitaus weniger. Deshalb sind sie bei den variablen Kosten sogar etwas teurer als Gas, aber günstiger als Heizöl. Anders sieht das Ranking indessen bei der Berücksichtig der Vollkosten (einschließlich Abschreibung und Zinsanspruch) aus: Dann liegt die Gasheizung (im langjährigen Vergleich) klar vorne. Dahinter kommt dann Scheitholz mit etwa 9 % höheren Kosten (das dürfte im Moment allerdings komplett anders sein). Wer mit einer Scheitholzheizung den Gasnutzer unterbieten will, müsste die Scheite für weniger als 45 €/rm einkaufen, hat der Kammerexperte ausgerechnet. Scheitholz-Heizungen und Hackschnitzel sind dennoch 7 % bzw. 3 % günstiger als Ölheizungen. Die Pellet-Heizung ist hingegen nicht nur teurer als die Gasheizung, sondern (ohne Förderung) etwa so teuer wie eine Ölheizung.

Hohe Investitionszuschüsse bei Holzheizungen

Und es gibt noch einen Vorteil von Holzheizungen: Nämlich umfangreiche staatliche Förderung für diese als „umweltfreundlicher“ eingestufte Energie. So zahlt der Staat bei Pellet-Heizungen 35 % Investitionszuschuss für Alt- und Neuanlagen. Und wer seine alte Ölheizung gegen eine Holz-Pelletts-Heizung austauscht, bekommt sogar 45 % der Investition zurück. Nach den Berechnungen des Energieexperten Schindler bleiben im langfristigen Vergleich – trotz dieser Förderung – gegenüber einer Gasheizung immer noch ein gewisser Kosten-Nachteil. Gegenüber einer Ölheizung hätte mit Förderung einen deutlichen Kostenvorteil.

Nach Berechnungen der Arbeitsgruppe Erneuerbare-Energien-Statistik (AGEE-Stat) deckt Holz derzeit etwa 10 % des Bedarfs an Heizwärme in Deutschland ab. Rund 900.000 Holzheizungen zählt die Initiative Holzwärme, ein Zusammenschluss mehrerer Industrieverbände. Ganz überwiegend werden sie mit Pellets betrieben. Dazu kommen noch 2000 Holzheizwerke, die Nah- und Fernwärmekunden sowie Industriebetriebe versorgen.

Zudem gibt es etwa elf Millionen Öfen und Kamine für Scheitholz. Sie zählen allerdings nicht als Heizung. Kritiker von Holzheizungen sagen außerdem: Diese sind nicht wirklich CO2-neutral sind. Durch die Verbrennung wird das im Holz gebundene CO2 wieder freigesetzt. Zusätzlich (und das ist der Hauptkritikpunkt) entsteht Feinstaub. Der Bundesverband Brennholzhandel und Brennholzproduktion betont hingegen die Nachhaltigkeit von Brennholz als nachwachsende Ressource. Holz könne regional angebaut werden, die Transportwege seien kurz und Transport und Lagerung seien ungefährlich für Menschen und Natur.

Olaf Zinke, Agrarheute