Das Fahrradfahren im Wald ist rechtlich auf die Wege beschränkt. Abseits davon darf nur auf ausgewiesenen Strecken (z.B. Trails) gefahren werden.
Das Fahrradfahren im Wald ist rechtlich auf die Wege beschränkt. Abseits davon darf nur auf ausgewiesenen Strecken (z.B. Trails) gefahren werden.
|

Mit dem Mountainbike im Wald: Nutzungskonflikte reduzieren

09. Oktober 2022

Der Wald ist ein beliebter Erholungsraum. Er lädt zum Wandern, Spazieren, Radfahren, Joggen und vielen anderen Aktivitäten ein. Leider läuft die Freizeitnutzung im Wald nicht immer konfliktfrei ab. Nicht zuletzt steht auch das Mountainbikefahren im Wald häufig in der Kritik – nicht nur in Sachsen. Welche Nutzungskonflikte gibt es und wie lassen sich diese reduzieren?

Auf einer Tagung im sächsischen Sayda (Erzgebirge) tauschten sich zu dieser Frage Expertinnen und Experten über Möglichkeiten und Grenzen des Mountainbikings im Wald aus. Es galt, die Nutzungskonflikte frühzeitig zu erkennen und idealerweise zu reduzieren. Im Anschluss ging es passenderweise auf eine Exkursion mit dem Mountainbike auf einer Teilstrecke der „BLOCKLINE“, einem insgesamt 140 km langen Kurs durchs Erzgebirge.

Mountainbike-Tourismus in Sachsen mit großem Potenzial

„Gerade für den ländlichen Raum sehen wir große Chancen, Zentren für einen naturnahen und fitnessorientierten Tourismus zu entwickeln. Attraktive und zudem grenzüberschreitende Mountainbike(MTB)-Strecken ergänzen das Angebot für den Ganzjahrestourismus in den Regionen“, sagte Andrea Kis vom Landestourismusverband Sachsen e. V. (LTV SACHSEN). Sachsen habe mit seinen Mittelgebirgsregionen großes Potenzial als Magnet für das Mountainbiking. Areale und Routen wie das Trailcenter Rabenberg, die Bikewelt Schöneck oder die MTB-Strecke „Stoneman Miriquidi“ ziehen viele Begeisterte an. Für die Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe entlang und im Umfeld der MTB-Strecken seien die Besucherinnen und Besucher eine wichtige Einnahmequelle, für die Regionen ein wachsender Wirtschaftsfaktor. Eine wichtige Grundlage für die Entwicklung des MTB-Tourismus sei dabei aber die Fachplanung des Freistaates Sachsen: Die Natur und Kultur erlebbar zu machen, gleichzeitig aber zu schützen und zu erhalten, seien hier zentrale Ansprüche. Entsprechend werde eine sanfte und nachhaltige Entwicklung angestrebt.

Radfahren und Mountainbiking im Wald – ja gerne, aber die Regeln beachten!

Auch aus Sicht von Sachsenforst sei das Radfahren und Mountainbiking im Wald eine attraktive Möglichkeit der naturnahen Erholung. Auf Straßen und Wegen im Wald dürfe demnach mit dem Rad gefahren werden, solange auf andere Waldbesuchende Rücksicht genommen werde. Allein im Staatswald des Freistaats Sachsen stehen dafür rund 3.600 km Strecke zur Verfügung. Sogenannte Trails, die abseits der Wege exklusiv für das Mountainbiking verlaufen, sind jedoch nicht vom allgemeinen Betretungsrecht gedeckt. Hier darf nur auf eigens dafür ausgewiesenen Strecken gefahren werden. Deren Anlage und Nutzung bedürfen nach Waldgesetz der Zustimmung der Waldbesitzenden sowie zum Schutz des Waldes zusätzlich einer Genehmigung der Forstbehörde.

Mike Eller, stellvertretender Geschäftsführer von Sachsenforst: „Wir sind offen für sportliche Betätigungen im Wald, auch mit dem Mountainbike. Das illegale Mountainbiking auf nicht genehmigten Trails ist aber etwas anderes. Es verursacht Schäden im Ökosystem Wald und Konflikte mit Anderen, die im Wald unterwegs sind. Umso wichtiger ist es, dafür geeignete Routen anzubieten, diese auch bekanntzumachen.“ Für eine intensivere Mountainbike-Nutzung des Waldes seien hierfür mit den Betreiberinnen und Betreibern, den Verbänden und Kommunen individuelle Lösungen zu erarbeiten.

Sachsenforst unterstütze das Interesse an der Mountainbike-Nutzung im Staatswald des Freistaats unter anderem mit den MTB-Strecken „BLOCKLINE“ und „Stoneman Miriquidi“, die in großen Teilen durch den Staatswald führen. Im mittleren Erzgebirge wird darüber hinaus das Trailcenter Rabenberg mit Single-Trails für Mountainbiker von einem privaten Anbieter betrieben. Bei Sebnitz werde derzeit geprüft, wie das Mountainbiking im Staatswald in ein grenzübergreifendes Walderlebnisgebiet integriert werden kann.

Kooperation seit 2018

Sachsenforst und der LTV SACHSEN unterschrieben bereits 2018 eine Kooperationsvereinbarung, die die Vereinbarkeit von touristischen und naturschutzfachlichen sowie forstbetrieblichen Interessen zum Ziel hat. 2021 wurde diese um drei weitere Jahre verlängert. Der Dialog zwischen Forstwirtschaft und Tourismus wird laut Angabe von Sachsenforst mit dem jährlichen Informations- und Erfahrungsaustausch zu Schwerpunktthemen und best-practice-Beispielen in einzelnen Regionen belebt und gefördert.

Mit Material von Sachsenforst und LTV SACHSEN