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Liegt die Zukunft des Holzbaus in der Buche? Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Gespräch mit Prof. Marcus Müller

Ministerpräsident Kretschmann zu Besuch an der HFR

„Nah dran. Weit voraus!“ lautet eine zentrale Aussage im Selbstverständnis der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR). Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich im Rahmen seines Besuchs an der Hochschule selbst davon überzeugt, wie ernst es den Professorinnen und Professoren und den engagierten Rottenburger Studierenden damit ist.

Es ist durchaus ungewöhnlich, dass ein Regierungschef sich die Zeit nimmt, vor Ort mehr und Konkretes über ganz bestimmte Aspekte der Arbeit einer Hochschule zu erfahren. Ministerpräsident Kretschmann ist nicht nach Rottenburg gekommen, um dort einen Vortrag zu halten, sondern, um zuzuhören, zu lernen und nachzufragen. Er folgte damit der Einladung von Rektor Bastian Kaiser. Der hat den Ministerpräsidenten bei dessen Delegationsreisen bereits in sieben Länder auf vier Kontinente begleitet und hat auch auf Landesebene in verschiedenen Gremien immer wieder Gelegenheit, zu aktuellen Themen, Herausforderungen und politischen Entwicklungen Stellung zu beziehen. Das gilt auch für eine ganze Reihe weiterer Professoren der HFR, die zusammen in 15 landesweiten Gremien, Verbänden, nationalen Jurys und Gutachtergruppen sowie Fachausschüssen in verantwortlichen Rollen mitwirken, eine Vorstandsfunktion übernehmen oder selbst Vorsitzende sind.

Das fachliche Spektrum reicht dabei vom Energiesektor, über den modernen Holzbau, die Landesinitiative zur Stärkung der biologischen Vielfalt, bis zum Vorsitz in der Landesrektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). In solchen Funktionen stehen sie mit mehreren Ministerien der Landesregierung, jenen anderer Bundesländer und einzelnen Bundesministerien in Kontakt und Arbeitsbeziehungen. Es lag deshalb nahe, dass der Ministerpräsident, sich auch einmal ein Bild davon machen wollte, in welchem Umfeld, unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen Partnern sich die Rottenburger Professoren ihre Expertise erarbeiten. Dabei kommt den Experten der HFR ein Merkmal von HAW-Professuren zugute, das auch Kretschmann bei seinem Arbeitsbesuch unmittelbar erfahren konnte: Die Professorinnen und Professoren an HAW kommen aus der Praxis an die Hochschule und werden nicht aus dem Wissenschaftssystem auf ihre Professuren berufen. Sie sind deshalb schon als Person und Persönlichkeiten ein Teil des Transfers zwischen Wissenschaft und Praxis.

Austausch auf Augenhöhe

Ministerpräsident Kretschmann informierte sich an der HFR vor allem zu den Themenschwerpunkten „Sicherung und Steigerung von Artenkenntnissen in der Bevölkerung“, „Folgen des Klimawandels für die Waldwirtschaft“ sowie „die Rolle der Biomasse in den Szenarien der Energiewende“. Dabei führte der Ministerpräsident vertiefende Gespräche mit Professoren, mit wissenschaftlichen Mitarbeitern, mit Doktoranden und den Studierenden.

In den Gesprächen und aus den Nachfragen des Regierungschefs wurde deutlich, dass ihm die Reduktion der Artenvielfalt und der Verlust der Artenkenntnisse in der Gesellschaft besonders wichtig sind und es nach seiner Auffassung nicht immer darum gehen darf, einen möglichst dichten, baumreichen Wald zu schützen, sondern es auch mal Ziel sein müsse, lichtere Strukturen zuzulassen. Die von der Landesregierung angekündigte Schaffung neuer Taxonomie-Professuren an Universitäten ist eine Antwort auf einen Teil des Problems. Die Rottenburger Experten machten jedoch auch deutlich, dass damit die Herausforderung einer höheren Sensibilität der Bevölkerung für das Artensterben und eine Revitalisierung früherer Artenkenntnisse in der Bevölkerung noch nicht gelöst sei. Hier sehen insbesondere die HAW Rottenburg und Nürtingen-Geislingen ihre Rolle und haben dem Ministerpräsidenten ganz konkrete Vorschläge dazu gemacht.

In einem direkten Zusammenhang damit stand auch die Frage, welche Baumarten die „Klimagewinner“ und damit die Waldbaumarten der Zukunft in den baden-württembergischen Wäldern sein werden und was die Verschiebung des Artenspektrums hin zu mehr Laubhölzern für den modernen Holzbau und die Entwicklung moderner Holzwerkstoffe bedeuten wird.

Außerdem galt Kretschmanns Sorge der drohenden und mit hoher Wahrscheinlichkeit kommenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) und der Frage, wie eine Ausbreitung auf Nutztierbetriebe möglichst zu verhindern wäre. Schließlich wurden die Arbeiten der HFR und ihrer Praxispartner zur Emissionsverringerung von Biomasse-Heizsystemen sowie zur Steigerung der Energieeffizienz solcher Anlagen und bei der Trocknung der Biomasse thematisiert.

Am Ende seines Besuchs betonte Kretschmann, es beeindrucke ihn sehr, dass und wie diese Hochschule an vielen drängenden und wichtigen Herausforderungen unserer Zeit, der Gesellschaft und des Landes Baden-Württemberg arbeite.

Quelle: HFR

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