Biomassestrategie Kronenholz Hackholz
Solche Fichtenkronen werden heute meist als Biomasse gehackt. Wird das künftig auch noch möglich sein? Das muss der Entwicklungsprozess der Nationalen Biomassestrategie zeigen.
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Ministerien legen Eckpunkte für Nationale Biomassestrategie vor

10. Oktober 2022

Die drei Bundesministerien für Wirtschaft, Landwirtschaft und Umwelt haben am 6. Oktober die Eckpunkte für eine Nationale Biomassestrategie vorgestellt. Diese soll die Grundlage für eine nachhaltige Nutzung von Biomasse aus der Wald-, Landwirt- und Abfallwirtschaft bilden.

Ziel sei es, so die Ministerien, in Deutschland eine nachhaltige Biomasseerzeugung und -nutzung sicherzustellen, die sich konsequent an den Klima-, Umwelt- und Biodiversitäts-Zielen orientiere. Das nachhaltig verfügbare Biomassepotenzial, der Erhalt natürlicher Ökosysteme und das Food-First-Prinzip (Vorrang der Ernährungssicherheit) bilden dabei den Handlungsrahmen.

Auf Basis dieser Eckpunkte soll die Strategie im Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft erarbeitet und im kommenden Jahr verabschiedet werden. Sie ist darauf ausgerichtet mittel- und langfristig Perspektiven für die Nutzung von Biomasse aufzuzeigen. Fragen der kurzfristigen Rolle der Bioenergie im Kontext der Energieversorgungssicherheit stehen nicht im Fokus der Strategie.

Biomasse gezielter einsetzen

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erklärt dazu, Biomasse wie Holz, Energiepflanzen oder organische Abfälle sei eine sehr gefragte und auch heimische Ressource. Trotz ihres natürlichen Ursprungs und der Eigenschaft als erneuerbarer Rohstoff sei ihr Einsatz ist nicht per se klima- und umweltfreundlich. Biomasse sei auch nur begrenzt verfügbar.

Also brauche man Regeln für einen nachhaltigen Umgang. Die Biomassestrategie soll sicherstellen, dass Biomasse zukünftig nur noch in nachhaltig verfügbaren Mengen, gezielter für den Klimaschutz und die Transformation der Wirtschaft in Richtung Treibhausgasneutralität eingesetzt wird. Damit schaffe man langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen, auch in ländlichen Räumen, im Einklang mit dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.

Potenziale für Biomasse sichern

Ähnlich äußert sich Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir: Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine habe weitreichende Folgen für die weltweite Ernährungssicherheit. Die Konkurrenz um knappe Rohstoffe nehme zu. Deshalb sei eine verantwortungsvolle und vorausschauende Nutzung der natürlichen Ressourcen wichtiger denn je.

Mit Blick auf weitere notwendige Anstrengungen zur Ernährungs- und Energieversorgungssicherung und zum Schutz des Klimas und der Biodiversität ist die Nationale Biomassestrategie ein wichtiges Instrument, um nachhaltig erzeugte Biomasse gezielt und systemdienlich nutzbar zu machen und ihre Potenziale zu sichern.

Klima- und Biodiversitätskrise gemeinsam lösen

Bundesumweltministerin Steffi Lemke sagt, die Klima- und Biodiversitätskrise seien zwei Seiten derselben Medaille und lassen sich nur gemeinsam lösen. Man dürfe die Krisen nicht gegeneinander ausspielen. Ziel der Nationalen Biomassestrategie sei daher zu ermitteln, wie viel nachhaltig gewonnene und erzeugte Biomasse zur Verfügung stehe, und diese innerhalb der ökologischen Grenzen zu nutzen.

Bezogen auf Holz heiße das, dass man eine effiziente Kaskadennutzung brauche und zunächst beispielsweise Baustoffen oder Möbel hergestellt werden, bevor Holz energetisch genutzt werde. Gleichzeitig führe der Schutz von Ökosystemen, die natürlicherweise CO2 speichern, zu einem messbaren Beitrag für den Klimaschutz und zum Erhalt der Biodiversität, es könne also unter Umständen sinnvoll sein, Holz im Wald zu belassen.

Leitprinzip Kaskadennutzung

Agrar- und Forst-Biomasse werde in Deutschland bereits in vielen Bereichen eingesetzt, auch um Deutschlands Klimaziele zu erfüllen. In Zukunft werde die Nachfrage nach Biomasse steigen. Zugleich sei das nachhaltig verfügbare Potenzial weltweit begrenzt. Daher gelte es, strategische Leitprinzipen für die nachhaltige Biomasseerzeugung und -nutzung aufzustellen, um mehr Anreize und Vorgaben für einen nachhaltigen Biomasseeinsatz zu setzen.

Das wichtigste Leitprinzip sei die konsequente Kaskaden- und Mehrfachnutzung von Biomasse – also immer der stofflichen Nutzung Vorrang zu geben, die eine möglichst langfristige Kohlenstoffbindung ermöglicht, und erst am Ende der Kaskade energetische Nutzungen in den Blick zu nehmen. Dabei seien immer die effizientesten Dekarbonisierungsoptionen einzusetzen.

Mit der Strategie soll außerdem dem erhöhten Nutzungsdruck – etwa auf Naturschutzflächen- und der Konkurrenz um Flächen, etwa zur Lebensmittelerzeugung, begegnet werden. In diesem Sinne sei die Nationale Biomassestrategie auch Teil der notwendigen agrar-ökologischen Transformation. Auch die im novellierten Bundes-Klimaschutzgesetz verankerte Stärkung der Klimaschutzfunktion natürlicher Ökosysteme wie Wälder und Moore soll mit der Strategie erreicht werden.

Quelle: BMEL, BMWK, BMU