Forstpolitik

Milliarden-Schäden in der Forstwirtschaft

Bearbeitet von Rainer Soppa

Im Rahmen einer Bundespressekonferenz am 8. April stellte der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) eine erste ökonomische Zwischenbilanz der Extremwetterereignisse der letzten drei Jahre vor. 13 Mrd. € Schaden treffen die Forstbetriebe in ihrer Substanz.

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Die Forstwirtschaft in Deutschland steht vor ihrer größten Bewährungsprobe, die sie nur gemeinsam mit Politik und Gesellschaft bewältigen kann!“ Die Soforthilfeprogramme von Bund und Ländern seien richtig, würden mit 1,5 Mrd. € aber nur einen Bruchteil der Schäden abdecken. „Wenn wir den Wald und seinen Funktionen für die Gesellschaft erhalten und an den Klimawandel anpassen wollen, werden Finanzmittel dieser Größenordnung jährlich benötigt“, betont DFWR-Präsident Georg Schirmbeck.

„Das Schadausmaß von 2018 bis 2020 durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer übersteigt die finanziellen Möglichkeiten und Reserven der meisten Waldbesitzer und Forstbetriebe angesichts der Dimensionen bei weitem“, sagt Prof. Dr. Bernhard Möhring von der Universität Göttingen und Leiter einer Studie zur Abschätzung der ökönömischen Schäden der Extremwetterereignisse der Jahre 2018-2020 in der Forstwirtschaft.

Rund die Hälfte des Waldes in Deutschland ist Privatwald

Schon aufgrund seiner verbreiteten Kleinstrukturiertheit haben Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer mit organisatorischen und technischen Problemen zu kämpfen. Bisher haben sie die Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel aus dem Verkauf des geernteten Holzes finanziert. „Biodiversität, Klimaschutz und Erholungsraum stellen die Forstbetriebe bisher überwiegend unentgeltlich zur Verfügung. Dieses Prinzip hat der Klimawandel ausgehebelt“, betont Prof. Dr. Möhring. Wald mit all seinen Leistungen werde bereits in jungen Jahren stark beeinträchtigt und alle finanziellen, aber auch „emotionalen“ Investitionen in die Pflege seiner Wälder gingen den Waldbesitzern Großteiles verloren. Zudem überschwemmt Schadholz den Holzmarkt. Die Erlöse aus dem Holzverkauf fehlen den Waldbesitzern zum Beispiel für die Wiederbewaldung von Schadflächen mit Mischwald oder für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen für die Gesellschaft.

Schirmbeck: „Die Forstbetriebe benötigen eine wirtschaftliche Perspektive, um ihr Generationenwerk nachhaltig bewirtschafteter Wälder weiterführen zu können. Von der Politik sind neue Instrumente zur Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes auf den Weg zu bringen.“ Da die Wälder und deren Klimaschutzfunktion durch nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holzverwendung durch die Folgen des Klimawandel bedroht werden, sollte ein Teil der Einnahmen des Bundes aus der CO2-Abgabe für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel und damit zur Sicherung der Klimaschutzleistung durch die Wälder und nachhaltige Holznutzung eingesetzt werden.

Die von der Bundesregierung und den Ländern aufgelegten Soforthilfe-Programme sind sehr hilfreich, aber zeitlich auf vier Jahre befristet. „Die Forstwirtschaft benötigt ein langfristiges Anschlussprogramm, wie zum Beispiel eine Verlängerung der GAK-Förderung (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) über 2023 hinaus, denn die Bewältigung der Waldkrise ist eine Jahrhundertaufgabe“, betont Schirmbeck.

Johannes Röhl von der Wittgenstein-Berleburg`schen Rentkammer ist zuversichtlich: „Viele private Waldbesitzer wie wir sind schwer in Mitleidenschaft gezogen, einige stehen vor dem Nichts. Der Wald wird nicht verschwinden, wir werden die Freiflächen wieder bewalden, wir werden uns die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Empfehlungen dafür zunutze machen. Es ist eine große Herausforderung, den kommenden Generationen aus heutiger Sicht stabile, gemischte und produktive Wälder zu hinterlassen, die auch in 60 bis 160 Jahren noch Bestand haben. Bis dahin werden alle Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen eine lange Durststrecke durchlaufen, bis wieder nutzbares Holz herangewachsen ist. Für diese Durststrecke brauchen wir gesellschaftliche Unterstützung.“

Schirmbeck betont: „Die Forstwirtschaft in Deutschland steht vor ihrer größten Bewährungsprobe, die sie nur gemeinsam mit Politik und Gesellschaft bewältigen kann. Neben verlässlichen Rahmenbedingungen und Förderinstrumente für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung müssen weitere Einschränkungen und Verbote hinsichtlich Waldbewirtschaftung und Holznutzung verhindert werden. Sie bremsen die Klimaschutzziele aus und die Optionen, die für einen Weg aus dem fossilen Zeitalter hin zur Klimaneutralität nötig sind.

Quelle: DFWR