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Meindl Forstmaschinen

Geheimtipp

Das Firma Meindl im oberbayerischen Tyrlaching gilt im Forstmaschinenmarkt seit 20 Jahren als echter Geheimtipp.
Der Kunde kann in fast allen Details mitreden, auch komplette Neuentwicklungen sind kein Problem. Mit dem Firmenchef haben wir einen Kunden besucht und Harvester sowie Forwarder im Einsatz begleitet.

Wer zur Firma Meindl geht, muss sich darüber im klaren sein, dass jede Maschine ein Prototyp ist“, sagt Christian Thoma. Leider hat der Forstunternehmer aus Eppishausen, etwa 50 km südlich von Augsburg, nach dem Schritt in die Selbständigkeit zweimal maschinentechnisch ins Klo gegriffen und will seitdem keine Kompromisse mehr eingehen: „Bei Meindl kann ich in jedem Detail mitreden. Und wer die Firma kennt, weiß, dass hier alles sauber funktioniert, auch wenn es in meiner Maschine zum ersten Mal probiert wird.“ Denn die Forstmaschinen des kleinen Betriebs werden exakt nach Kundenwunsch gebaut. Als Basis fungieren die selbst entwickelten 10- bzw. 16-Tonnen-Forwarder HR 100T und HR 160CT sowie der hauseigene Harvester TH 8/4. Wer jetzt denkt, die kleine Drei-Mann-Werkstatt könne lediglich „einfache aber solide“ Technik bieten, liegt falsch. An Bord der Fahrzeuge finden sich moderne Steuer- und Kontrollysteme, die sich vor den Marktmitbewerbern nicht zu verstecken brauchen: Als Vermessungssystem dient beispielsweise ein Motomit IT, wobei der etwas lästige Blick aufs Display bei jedem Abschnitt entfällt: Liegen Länge und Durchmesser in der Toleranz, gibt das System ein akustisches Signal. Das Aggregat Keto 655 ermittelt die zur Volumenberechnung nötigen Längen- und Durchmesserdaten direkt über das zahntechnisch etwas verschärfte Vorschubband. „Das ist unempfindlicher gegen Messfehler, meist deckt sich unser Ergebnis sehr genau mit dem Werksaufmaß“, erklärt Forstunternehmer Thoma. Gut gefällt ihm auch das Aggregat mit der Hultdins-Supercut und dem Highspeed-Motor von Bucher mit Innenzahnradmotor, der unenpfindlich gegen Verschmutzungen ist. Zudem hat Meindl den Vorschub des Aggregats von 3,8 m/s auf über 5 m/s gesteigert, die separate 210-cm³-Harvesterpumpe von Linde liefert dafür 420 l/min an den Kopf, ein zweiter Rücklauf verhindert dabei Staudruck, was sich schlussendlich auch positiv beim Dieselverbrauch zeigt. Kran und Fahrantrieb verfügen ebenfalls über eine eigene Ölversorgung durch je eine 135-cm³-Pumpe.

Kundenwunsch ist Trumpf

Martin Meindl arbeitete lange als Zulieferer für verschiedene Forsttechnik-Hersteller. Anfang der Neunziger dachte er dann, dass er eigentlich auch selbst Maschinen bauen könnte. Er entwickelte einen eigenen Forwarder, schaltete Anzeigen – und das Geschäft begann zu laufen. So kam auch Christian Thoma auf ihn, der auf der Suche nach einem Harvester war. Mitte der 1990er Jahre baute Meindl seinen ersten Harvester für ihn. Die nötigen Komponenten unterschieden sich nicht sehr von denen seiner ersten Rückezüge: zwei 28-t-Achsen von NAF, den Motor lieferte damals noch Deutz. „Mit deren Motoren war ich immer sehr zufrieden, leider hatten sie für unsere heutige Leistungsansprüche keine passenden Reihensechszylinder im Portfolio. Darum beziehen wir diese Motoren heute von Volvo“, erklärt Meindl. Bis heute hat Thoma vier Harvester in Tyrlaching gekauft, die Vorgänger nahm Meindl anstandslos in Zahlung und fand auch neue Kunden für sie. Bei jeder Maschine hat Thoma selbst an der Entwicklung mitgewirkt. Den seitlichen Kran-Tilt etwa hatte sich der Forstdienstleister gewünscht. Meindl hat den Bleistift gespitzt und das System in der Maschine von Thoma erstmals umgesetzt. Inzwischen macht es noch fünf andere Kunden glücklich.

Christian Thoma (l.) mit Martin Meindl (r.) und sein Sohn Thomas Foto: T. Meyer

Meindls Hof in Tyrlaching, nicht weit vom Chiemsee, steht häufig voll mit bunt gemischten Forstmaschinen, denn er repariert sämtliche Hersteller und Fabrikate, dazu kommen kleine Sonderaufträge, etwa ein Forstrechen zur maschinellen Reisigaufnahme oder ein Spezialmulcher für die Böschungspflege an Bahnstrecken. Mit dem Bau von zwei bis drei Großmaschinen im Jahr sowie einigen Rückeanhängern und Hackeraufbauten ist Meindl zusammen mit Sohn Thomas sowie einem weiteren Mitarbeiter dann auch voll ausgelastet. Gerade weil der Betrieb so klein ist und kaum Teile in Serie oder auf Lager produziert, kann die Firma Meindl so flexibel auf Kundenwünsche eingehen. Denn alle Komponenten werden erst angefertigt, wenn die Maschine geordert und sämtliche Details mit dem Kunden besprochen sind. Dann aktualisiert Maschinenbaumeister Thomas Meindl, der auch für die Programmierung der Steuerungen zuständig ist, die Zeichnungen und schickt die CAD-Daten an externe Spezialisten. Die Stahlplatten für Rahmen und Co. kommen fertig geschnitten und gestrahlt in die Werkstatt, ebenso die komplexen Drehteile. Erst dann beginnt die Schweißarbeit.

 

„Eine Maschine könnten wir eigentlich in zwei Monaten aufbauen, aber die Achsen von NAF haben drei Monate Lieferzeit, daher brauchen wir etwas länger“, erklärt Martin Meindl.

 

Meindl gibt zwar Empfehlungen, welche Komponenten sich seiner Ansicht nach bewährt haben, versucht aber prinzipiell jeden Kundenwunsch zu erfüllen, vom Motor bis zum Harvesteraggregat. Insgesamt setzt Meindl wo es geht auf Standardkomponenten, weil sie für die Kunden in der Regel einfach und schnell am Markt verfügbar sind.

Größer ist nicht immer besser

Seit 2013 fährt Forstunternehmer Christian Thoma diesen Meindl-Harvester TH 8, hier räumt er gerade einen Altholzstreifen. Foto: T. Meyer

Auf dem Achtrad-Harvester von Thoma arbeitet ein Mesera V220 mit 10 m Reichweite: „Wir hätten auch den 240er verbauen können, mir passt aber die Geometrie des 220er besser ins Konzept“, erklärt der Forstdienstleister. Da er einen großen Teil im liegenden Holz arbeitet, muss der Kran vor allem nahe am Fahrzeug gut heben, der größere Kran spiele seine Vorzüge aber eher bei voller Auslage aus. Daher wählte Thoma bewusst die kleinere Variante, der verbaute Keto-Kopf (60 cm Fällen, 70 cm Entasten) ist hier gewichtstechnisch aber schon die Obergrenze des machbaren. „Der Vorgänger von Meindl hatte ebenfalls diesen Kran, der schaffte 10 000 Stunden ohne einen Buchsentausch. Daher halte ich die Technik ohne Zweifel für stabil genug, das so zu betreiben“, sagt Thoma. Jedes Jahr laufen bei ihm in 1 000 Einsatzstunden etwa 25 000 Fm durch das Aggregat, er arbeitet dabei nur im Groß- und Kleinprivatwald oder in Kommunalforsten. Bei der Endnutzung schont er wo immer möglich die Verjüngung, indem er die hiebreifen Kandidaten von drei Holzhauern motormanuell mit der Krone auf die Gasse fällen lässt.

Muss die Maschine weiter entfernt umgesetzt werden, wandert sie auf Thomas Tieflader, dafür legte er Wert auf maximal 3,65 m Transporthöhe – kein Problem für Meindl. Strecken unter zehn Kilometer legt der Harvester auf eigener Achse zurück, das Zweiganggetriebe – wie die Achsen von NAF – wechselt mechanisch schaltbar zwischen Gelände- und Straßenfahrt. Dafür dreht Thoma die Kabine um 180° nach hinten und blickt dann über die Motorhaube in Richtung Heck. Auf diese Weise werden die vom Gesetzgeber gewünschten 3,5 m zur Fahrzeugkante in Fahrtrichtung eingehalten.

Vor einigen Jahren ist Meindl Forsttechnik von Deutz- auf Volvo-Motoren umgestiegen, 240 kW leistet der Volvo Penta Foto: T. Meyer

Mit dem Dieselverbrauch ist Thoma zufrieden: „Im Jahresschnitt komme ich auf etwa 0,6 l/Fm“, sagt Thoma. Das liegt laut Meindl an dem mit 240 kW und 1 700 Nm sehr kräftigen Motor, der nötig sei, um die groß dimensionierte Hydraulik betreiben zu können. Dafür arbeiten so alle Systeme in einem eher entspanntem Modus und nicht ständig an der Leistungsgrenze.

Der Forwarder

Thomas 16-t-Forwarder kommt ebenfalls aus Tyrlaching. Seine Fahrer – ganzjährig unterwegs auf verschiedensten Fabrikaten – begeistert vor allem die Steigfähigkeit und die Standsicherheit der Maschine, in der inzwischen ebenfalls ein Volvo-Motor der neusten Abgasnorm unter der Haube steckt. Den Kran Mesera 83 F empfiehlt Meindl, da er sehr gute Erfahrungen mit dem Hersteller gemacht habe und dessen Modelle schon verbaute, als sie noch unter der alten Marke Loglift vertrieben wurden. „Durch eine spezielle Antriebswelle schaffen wir bei unseren Forwardern einen Fahrzeug-Knickwinkel von 50°, so wendig kommen nur wenige durch enge Bestände“, erklärt Meindl. Auf Kundenwunsch hat Meindl außerdem eine zwischen den letzten Rungen einsetzbare Seilwinde montiert. Allgemein bekannt ist zudem die Klemmbank der Firma Meindl, die das geladene Langholz automatisch nachspannt, sobald es sich durch Verrutschen der Stämme beim Schleppen lockert.

Langholz kann Thoma in die Drehrunge am Heck einlegen Foto: T. Meyer

Insgesamt hat Meindl im Laufe der Jahre 25 bis 30 Harvester und Rückezüge gebaut, sämtlich noch im Einsatz. Seine Maschinen haben dabei keine großen Entwicklungssprünge getan, sondern haben sich kontinuierlich in kleinen Schritten weiter entwickelt, zum Teil auch wenn sie schon ausgeliefert waren. Meindl ist es wichtig, dass es keinem Kunden schlecht geht, denn „schlechte Maschinen gibt es heute nicht mehr“, erklärt er im Hinblick auf die große Konkurrenz. Habe ein Kunde also Probleme, liege das selten an der verfügbaren Technik. Vielmehr sieht Meindl sich selbst in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass es seinen Kunden während der Lebensdauer der Maschinen an nichts fehlt.

Technische Daten der Meindl-Maschinen Grafik: dlv

 

Tobias Meyer

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