Thomas Emslander in seinem Wirtschaftswald: Der Forstwirt setzt auf leistungsfähige Baumarten wie Küstentanne, Nordmanntanne, Douglasie, Mammutbaum und die Lärchen.
Thomas Emslander in seinem Wirtschaftswald: Der Forstwirt setzt auf leistungsfähige Baumarten wie Küstentanne, Nordmanntanne, Douglasie, Mammutbaum und die Lärchen.
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„Mein Wald ist Wirtschaftswald“

05. Oktober 2022

Forstwirt Thomas Emslander stellt klar, dass sich sein Wald auch rechnen muss. Er hat dem Wochenblatt gezeigt, wie er seine Philosophie umsetzt, mit welchen Baumarten ihm das gelingt und was die einzelnen Arten auszeichnet.

Ein Gastbeitrag von Sepp Kellerer (BLW)

Wer den Namen Thomas Emslander hört, der denkt wahrscheinlich zunächst an Christbäume. Seit langen Jahren führt er die Organisation der bayerischen Christbaumerzeuger. Aber der Land-, Forst- und Gastwirt aus Unterglaim ist auch in der klassischen Forstwirtschaft daheim.

Angefangen hat Emslander mit 25 ha Landwirtschaft und 25 ha Wald, heute gehören rund 200 ha zum Betrieb, den inzwischen sein Sohn bewirtschaftet. Beide sehen ihren Wald als Wirtschaftswald mit der Betonung auf Wirtschaft. Entsprechend sieht auch die Baumartenwahl aus. Für Emslander sen. sind dies:

  • Nordmanntanne,
  • Küstentanne,
  • Mammutbaum
  • Douglasie und
  • die Lärchen.
  • Leistungsfähig: 40-jähriger Douglasienbestand mit BHD 50 in der Spitze.
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    Die Leistungsfähigkeit dieser Baumarten kann er vorzeigen. 1996 hat er in Kleinhaid bei Mainburg in Niederbayern 65 ha Wald gekauft. 1999 warf dort ein Sturm rund 3000 fm Holz. Emslander ergriff die Chance und pflanzte die genannten Baumarten an. Bei der Nordmanntanne konnte er auf die Erfahrungen aus dem Christbaumanbau aufbauen. Sie stammt aus dem Kaukasus, wo das Klima schon einige Zeit so ist, wie es bei uns werden könnte. Ihr Holz ist mit dem der Weißtanne vergleichbar, der Zuwachs aber deutlich höher. „Der Boden muss passen“, sagt Emslander.

    Das sei eigentlich nicht das große Problem, wenn nicht 350 Jahre Fichtenwirtschaft die Böden ausgelaugt hätten. Der Forstwirt würde das gerne korrigieren, aber eine Düngung zur Ertragssteigerung ist verboten. Und auch die Asche aus den Holzheizwerken dürfe nicht zurück in den Wald, kritisiert er.

    Schnittgrün als erste Nutzung

    Wuchskräftig: 60-jährige Küstentannen mit 40 m Oberhöhe und 4 fm im Schnitt.
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    Aus den Anpflanzungen von 1999 – zwei Reihen Nordmanntanne und zwei Reihen Küstentanne – wurden Christbäume entnommen, die verbleibenden Bäume werden auch zur Schnittgrüngewinnung genutzt. „Das ist ein Markt von 500 bis 600 Millionen Euro in Deutschland“, rechnet Emslander vor. Das erste Mal wird im Alter von zehn Jahren Schnittgrün gewonnen, dann alle drei Jahre. Dabei fallen je rund zehn Tonnen je Hektar an. Die obersten vier Astquirle bleiben jeweils am Baum und es handelt sich auch nicht um eine Wertastung, denn „jede Nadel liefert Zuwachs“, so Emslander.

    Von jeder Küstentanne kommen so im Laufe der Zeit 100 € für Schnittgrün zusammen. Deren Holz entspricht optisch in etwa dem der Fichte, es hat aber eine sehr lange Faser und es nimmt Leim sehr gut auf. Das macht das Holz für die industrielle Verarbeitung besonders interessant und bei der Papierherstellung ist es laut Emslander unschlagbar.

    Die Küstentanne hat auch schon der Vorbesitzer in Kleinhaid angepflanzt, und zwar vor 60 Jahren. Ganz nüchtern sagt Emslander an dem Bestand: „Im Durchschnitt haben die Bäume vier Festmeter, die Oberhöhe liegt bei knapp über 40 Meter.“ Im Bestand steht auch eine Kiefer. Die ist aber 140 Jahre alt und wirkt gegenüber den Küstentannen ziemlich dünn.

    Tonnenweise Zapfen geerntet

    An den Einschlag denkt der Waldbesitzer in diesem Bestand noch nicht. Er hat ihn als Erntebestand zertifizieren lassen und bei der letzten Ernte daraus 4 t Zapfen gewonnen Dabei tritt ein weiterer Vorteil der Küstentanne zutage: Die Keimfähigkeit der Samen liegt bei 70 %, die Weißtanne dagegen erreicht nicht ganz 50 %.

    Weiter geht es zu einer Douglasienfläche, Alter 40 Jahre. Der Brusthöhendurchmesser (BHD) liegt bei 42 cm im Schnitt, in der Spitze bereits über 50 cm. Es stehen 320 Bäume auf dem Hektar, die die nächsten zehn Jahre auf die Hälfte reduziert werden sollen, denn selbst bei einem Baumabstand von 10 m ist das Kronendach geschlossen. „100 Bäume je Hektar mit zehn Festmetern je Baum und 150 € je Festmeter …“, fängt Emslander die Rechnung an – und die Vornutzung ist noch nicht einbezogen. In der Hallertau sind Hopfenmasten aus Douglasie durchaus gefragt.

    Dass solche Dimensionen keine Utopie sind, wird an der nächsten Station, einer 80-jährigen Douglasie mit 42 m Höhe und 14 fm deutlich. 200 kg Zapfen wurden heuer geerntet. Den Erlös dafür beziffert Emslander auf 3000 €.

    Eindrucksvoll: Erst 22 Jahre alt ist dieser Mammutbaum. Die Baumart braucht aber viel Licht.
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    Mammutbaum liefert wertvolles Holz

    Noch einmal zurück zu den Küsten- und Nordmanntannenkulturen. An deren Rändern stehen zum Teil einzeln, zum Teil in Reihe immergrüne amerikanische Mammutbäume. An den Rändern deshalb, weil diese Baumart in der Jugend Licht braucht. Die Wertastung ist Pflicht. Aber die Sonderbehandlung lohnt sich. Das Schnittgrün lässt sich gut vermarkten und wird als Wacholderersatz verwendet. Es gibt Exemplare, die haben mit 65 Jahren einen BHD von 2 m. Und in Rheinland-Pfalz wurde Mammutbaumholz für 300 €/fm vermarktet.

    „Meine Wälder sind Wirtschaftswälder“, sagt Emslander noch einmal und fügt selbstbewusst hinzu: „Wer ökologisch denkt, muss solche Baumarten pflanzen.“ Die Produktion von Holz sei nämlich aktiver Klimaschutz. Derzeit würden 14 % der CO2-Emissionen in Deutschland im Holz gebunden, „wir könnten das dreifache, wenn wir Forstwirtschaft betreiben würden“, betont Emslander, „aber wir machen Märchenwald.“

    Sepp Kellerer