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Mehr Starkholz im Schweizer Wald

In der Schweiz hat das 4. Landesforstinventar (LFI4) die Entwicklung in den Wäldern zwischen 2009 und 2017 analysiert. Bei den Untersuchungen zur Waldstruktur und Holzproduktion fällt eine Zunahme der Waldflächen vor allem auf der Alpensüdseite auf. Die Starkholzvorräte sind allgemein weiter gestiegen, allerdings langsamer als davor. Den Ergebnisbericht zum LFI4 haben die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und das Bundesamt für Umwelt BAFU am 10. Juni 2020 veröffentlicht.

Die Holzproduktion hat mit 31 % in knapp einem Drittel der Schweizer Wälder Vorrang gegenüber anderen Waldfunktionen (nur die Schutzfunktion hat mit 42 % einen größeren Anteil). Rund 55 % der Schweizer Waldfläche liegen oberhalb 1.000 m ü. NN und 59 % haben mehr als 40 % Hangneigung.

Vorräte

Pro Hektar Wald weist das 4. Landesforstinventar LFI4 (2009–17) ein Holzvolumen von durchschnittlich 374m3 aus (inkl. Totholz). Der Holzvorrat aus Schaftholz (oberirdisches Holz ohne Äste) mit Rinde lebender Bäume beläuft sich im zugänglichen Wald ohne Gebüschwald (besteht zu 2/3 aus Sträuchern) auf 350m3/ha. Zwischen dem LFI3 (2004–06) und dem LFI4 gab es in den Wäldern im Mittel einen jährlichen Holzzuwachs von 9,0 m3/ha.

Die Fichte ist mit einem Vorrat von rund 181 Mio.m3 (43 %) die wichtigste Baumart, gefolgt von der Buche (18 %) und der Weißtanne (15 %). Im Jungwald (BHD bis 11,9 cm) dominiert die Buche (42 %). Im Mittelland haben die Wälder durch den Rückgang der Fichte nach und nach eine naturnähere Baumartenzusammensetzung; sehr naturferne Fichtenbestände haben dort um 22 % abgenommen.

Erschließung

Die Erschließung für die Bewirtschaftung ist in Tieflagen, wo die entsprechenden Waldstraßen eine Länge von 40,1m/ha erreichen, wesentlich dichter als in den Hochlagen mit 11,4m/ha. Unter Berücksichtigung der Ernteverfahren, die im jeweiligen Gelände einsetzbar sind, können 46 % des Schweizer Waldes als gut erschlossen bezeichnet werden. Die regionalen Unterschiede sind allerdings groß. Im Mittelland beträgt der Anteil der gut erschlossenen Wälder 80 %, in den Alpen nur 26 % und auf der Alpensüdseite lediglich 16 %.

Laut LFI4 gilt weniger als die Hälfte des Waldes in der Schweiz als gut erschlossen. Dabei gibt es erhebliche regionale Unterschiede in der Erschließungsdichte und im Erschließungsgrad. Der Bund fördert daher die Anpassung oder die Wiederinstandstellung z. B. von Waldstraßen, sofern solche für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlich sind, auf den Wald als naturnahe Lebensgemeinschaft Rücksicht nehmen, und bei deren Bau keine Übererschließung entsteht.

Mehr Starkholz

Mit 62 % werden gemäß LFI4 knapp zwei Drittel der Wälder regelmäßig bewirtschaftet. In 18 % der Wälder liegt der letzte forstliche Eingriff mehr als 50 Jahre zurück. Überdurchschnittlich ist dieser Anteil insbesondere in den Alpen (27 %) und auf der Alpensüdseite (58 %). Die Starkholzbestände mit Stammdurchmessern von mehr als 50 cm BHD haben flächenmäßig auf gut 30 % zugenommen. Diese Zunahme ist aber weniger stark als in der Vorperiode.

Holzproduktion

Fast zwei Drittel der Wälder weisen eine mittlere bis starke Hangneigung auf und verursachen dadurch hohe Kosten für Waldpflege und Holzernte. In Wäldern mit vorrangiger Holzproduktionsfunktion sind regelmäßige Eingriffe vorgesehen, in solchen mit Vorrang der Schutzfunktion eine minimale Pflege.

In der Schweiz nehmen die Starkholzbestände zu und die Holzvorräte gehören zu den höchsten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Regional weisen in der Schweiz die Voralpen und Alpen sowie Teile des Mittellandes und des Juras die höchsten Holzvorräte auf. Das überaus große Holzangebot lässt sich oft nur mit Mühe und unter Preiseinbußen verkaufen, auch weil Starkholz nicht mit gängigen Maschinen verarbeitet werden kann und daher aufwändiger ist.

Die Fichte ist aus ökonomischer Perspektive immer noch die wichtigste Baumart im Schweizer Wald und macht fast die Hälfte der gesamten Holznutzung aus. Allerdings nimmt der Buchenanteil beim Jungwald markant zu. Mit der Ressourcenpolitik Holz trägt der Bund dieser Realität Rechnung und fördert die Entwicklung von innovativen Produkten zur Verwertung von Buchenholz.

Regionale Unterschiede

Regionale Unterschiede sind insbesondere in Bezug auf das Ziel der Walderhaltung und für die Nachhaltigkeit im Wald (Bewirtschaftung, Stabilität, Neopyhten) von besonderer Bedeutung.

Die Waldfläche hat seit dem LFI1 (1983–85) gesamthaft zugenommen, insbesondere als Folge einer nachlassenden Alpwirtschaft in den Höhenlagen, am stärksten auf der Alpensüdseite. Im Mittelland, wo Boden knapp und der Druck auf den Wald hoch ist, hat die Waldfläche dank des strengen Walderhaltungsgebots nicht abgenommen.

In der Region Alpensüdseite werden die Wälder auch aufgrund der Topografie am wenigsten bewirtschaftet und damit auch am wenigsten gepflegt. In den Alpen und auf der Alpensüdseite sind denn auch die Anteile an Beständen mit kritischer Stabilität am höchsten. Weiter sind auf der Alpensüdseite und im Mittelland strauchförmige Neophyten deutlich auf dem Vormarsch, dies betrifft direkt das Thema der Biodiversität im Wald. Aus diesen Gründen soll die Waldentwicklung südlich der Alpen unter Berücksichtigung des Klimawandels und der ökonomischen Herausforderungen für die Waldwirtschaft vertieft beobachtet und untersucht werden. Die komplexe Ausgangslage und verschiedene ungünstige Entwicklungen zeigen Handlungsfelder für die Erhaltung der Waldfunktionen auf, die im Waldgesetz verankert sind und die flächendeckend sowie langfristig im Interesse unserer Gesellschaft sichergestellt werden sollen.

BAFU/Red.

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