Mehr Holz aus dem Kleinprivatwald? – der Beitrag von SIMWOOD

Das EU-finanzierte Projekt SIMWOOD leistet einen Beitrag dazu, Informationen und Beratungsangebote für Eigentümer von Kleinwaldflächen in ganz Europa zu verbessern. Dadurch sollen die Waldeigentümer für die Nutzung ihrer Wälder interessiert werden, und möglicherweise können dadurch die nach wie vor im Kleinprivatwald vorhandenen Holzreserven im Rahmen der Nachhaltigkeit geerntet werden.

 
Über 44 % der Wälder in Deutschland sind im Eigentum von mehr als zwei Millionen Familien – damit liegt die durchschnittliche Größe des Waldeigentums deutlich unter 2,5 ha. Dies macht die Bewirtschaftung schwierig und oft wirtschaftlich uninteressant. Immer mehr Waldbesitzer leben nicht mehr im Ländlichen Raum und sind mit der land- und forstwirtschaftlichen Urproduktion nicht mehr eng verbunden. Diese urbanen Waldbesitzer verfügen häufig nicht mehr über waldbauliches Wissen und auch nicht mehr über die erforderlichen Arbeitsmittel, um den Wald selbst zu bewirtschaften. Außerdem können aus den kleinen Waldflächen oftmals nur so geringe Erträge erwirtschaftet werden, dass sie keinen nennenswerten Beitrag zum Haushaltseinkommen darstellen. Daher verliert sich das Interesse an der Nutzung des Waldes immer mehr. Allerdings gibt es seit einigen Jahren in manchen Regionen auch einen gegenläufigen Trend, der insbesondere auf der gestiegenen Nachfrage nach Brennholz beruht. So haben sich einige Waldeigentümer wieder auf ihren Wald besonnen und fragen sich, wann sie welchen Nutzen daraus ziehen können. Der Wald soll in jedem Fall den heutigen und zukünftigen Eigenbedarf an Brennholz decken.
Vorteile für den Waldbesitzer

Ziel des SIMWOOD-Projektes ist es, die Waldeigentümer von den Vorteilen einer Nutzung ihrer Wälder zu überzeugen,

  • von den ökologischen – so sind nachhaltig genutzte Wälder stabiler und zuwachsstärker. Außerdem können damit die Weichen für die nächste Waldgeneration gestellt werden. Beispielsweise durch eine Erweiterung des Baumartenspektrums kann die Klimaresistenz und der Artenreichtum der Wälder gezielt erhöht werden.
  • und von den ökonomischen – so sind 3 500 € der Einnahmen aus dem Holzverkauf jährlich steuerfrei, danach greift ein ermäßigter Steuersatz. In der Regel führt der Holzeinschlag zu qualitativ hochwertigeren Beständen.

Ziele des Projektes

Die Ergebnisse des SIMWOOD-Projektes dienen der Politikberatung. So soll herausgearbeitet werden, welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen und Instrumente geeignet sind, Waldeigentümer für ihren Wald zu interessieren und mit welchen Argumenten sie überzeugt werden können, ihren Wald zu nutzen. Dafür haben die Projektpartner – 28 Partner aus 11 europäischen Mitgliedsstaaten – Pilotregionen in ganz Europa ausgewiesen, in denen einerseits die forstlichen Verhältnisse untersucht und die bei der Holzernte eingesetzte Technik sowie die Holzernteverfahren beschrieben werden sollen. Es sollen die Möglichkeiten einer Intensivierung der Nutzung evaluiert und geeignete Vorgehensweisen entwickelt und geprüft werden. Dafür werden dezentrale Informationszentren geschaffen, sogenannte Regional Learning Labs. Die Pilotregionen in Deutschland liegen in Bayern und NRW.

Leistungen des KWF

Aufgabe des KWF im Rahmen des Projektes ist es, Empfehlungen zur Optimierung der Holzernte (Technik und Verfahren) zu geben. Hierzu werden Verfahrensbeschreibungen und -bewertungen insbesondere unter Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit, der Umweltverträglichkeit und der Arbeitssicherheit vorgenommen. Aufgrund des hohen Gefahrenpotenzials bei der Waldarbeit sind geprüfte, hochwertige Arbeitsgeräte, eine funktionale persönliche Schutzausrüstung sowie Anleitungen und technische Mittel, die die Arbeitssicherheit erhöhen, unabdingbar. Die Holzernte wird heute überwiegend von Partnern des Waldbesitzes, von professionellen Forstunternehmern, geleistet.

Holzernteverfahren

In kleinstrukturierten Gebieten stehen viele verschiedene Holzernteverfahren und ein breites Technikangebot zur Verfügung. Dabei können sich verschiedentlich die Waldbesitzer auch selbst einbringen.

Motormanuelle Holzernte

  • Motormanueller Einschlag, Schlepper-, Forwarderbringung

Das Basisverfahren ist eine Holzernte – beginnend mit der motormanuellen Fällung. Es wird als Basisverfahren bezeichnet, da der motormanuelle Einschlag und das Vorrücken mit einem Schlepper vom Waldbesitzer gelegentlich noch selbst durchgeführt werden kann (Eigenleistung). Bei diesem Verfahren werden die Bäume mit der Motorsäge gefällt und bis zum Rohschaft aufgearbeitet. Der Rohschaft wird von einem Schlepper mit Seilwinde an die Rückegasse vorgerückt. An der Rückegasse kann das Holz in Sortimente eingeteilt werden. Der Forwarder kann dann zeitlich versetzt das Holz an die Waldstraße rücken und poltern.

Teilmechanisierte Holzernte

  • Mittelstreckenseilkran

Für Bestände in Steillagen mit geringer Feinerschließung eignet sich ein Verfahren mit dem Mittelstreckenseilkran. Das Holz wird von Arbeitskräften fischgrätenartig auf die Seiltrasse gefällt und bis zum Rohschaft aufgearbeitet (um die beizuseilende Menge zu reduzieren). Die Rohschäfte werden durch den Seilkran zur Waldstraße transportiert. An der Waldstraße werden die Stämme mit der Motorsäge in Sortimente geschnitten. Zum Entzerren und zum Poltern des Holzes ist eine Rückemaschine notwendig. Dieses Verfahren ist sehr flexibel. Der Mittelstreckenseilkran kann z.B. auf einem Rückezug oder Schlepper montiert werden. So müssen nur alle 40 bis 60 m Seiltrassen in den Bestand gelegt werden.

  • Gebirgsharvester

Ebenfalls für steile Lagen, in denen es kein dichtes Netz der Feinerschließung gibt, eignet sich der sogenannte Gebirgsharvester. Das ist eine Maschine, die sich nach dem motormanuellen Einschlag das Holz selbst beiseilen und mit einem eigenen Prozessor einschneiden kann. Die Bäume werden fischgrätenartig auf die Seiltrasse gefällt und für das Beiseilen als Vollbäume oder Rohschäfte belassen. Nachdem die Stämme an der Forststraße in Sortimente geschnitten wurden, ist eine Rückemaschine zum Entzerren und zum Poltern notwendig. Auch bei diesem Verfahren werden nur alle 40 bis 60 m Seiltrassen in den Bestand gelegt.

Vollmechanisierte Holzernte

  • Harvestereinsatz, Forwarderbringung

Kann bei der Holzernte keine Eigenleistung erbracht werden, weil z.B. die Arbeitsmittel oder das Personal nicht vorhanden sind, bietet sich die vollmechanisierte Holzernte an. Der Holzeinschlag erfolgt dabei durch einen Harvester von der Rückegasse aus. Anschließend kommt der Forwarder zum Einsatz. Er transportiert das Holz zur Waldstraße, um es dort zu poltern. Bei einem vollmechanisierten Verfahren ist der Organisationsaufwand besonders groß.

Nadine Karl Projektmitarbeiterin beim

Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF).

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