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Mehr Buchenwälder in Zeiten des Klimawandels?

Mehr Buchenwälder in Zeiten des Klimawandels?

Der Internationale Tag des Waldes (21. März) ist für den Landesverband Nordrhein-Westfalen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Anlass, die Anreicherung mit Mischbaumarten zur Risikostreuung zu fordern.

Die je nach Standort und Klima unterschiedlich aufgebauten Buchenwaldgesellschaften kommen nur in Europa vor und Nordrhein-Westfalen liegt im Zentrum des natürlichen Verbreitungsgebietes. Das Bundesland hat damit eine besondere Verantwortung für diese Baumart und mit einem Anteil der Rotbuche von 19 % an der Gesamtwaldfläche wird das Land dieser Verantwortung durchaus gerecht.
Die aktuell vom Landeskabinett beschlossene NRW-Biodiversitätsstrategie sieht vor, den Anteil der natürlichen Buchenwaldgesellschaften weiter zu erhöhen.
Naturnah ausgeprägte Buchenwälder bestehen jedoch großflächig meist aus reiner Buche, ohne Mischbaumarten und mit nur wenigen Begleitbaumarten. Unsere Wälder müssen dauerhaft vielfältige Funktionen erfüllen und es stellt sich daher die Frage, ob die Ausweitung solcher Reinbestände in Zeiten des Klimawandels vertretbar ist?
Als langlebiges Ökosystem ist der Wald vom Klimawandel besonders betroffen. Allgemein werden häufigere Witterungsextreme wie Sturmereignisse, Starkniederschläge und sommerliche Trockenperioden erwartet. Mit Schaffung standortgerechter, strukturierter Mischbestände will man das Risiko minimieren und sich Handlungsoptionen für die unsichere Zukunft erhalten. Naturnahe Buchenbestände weisen jedoch kaum Mischbaumarten aus und folglich muss man sich fragen, wie es denn um die Vitalität unserer Buchenbestände steht, denn ein Ausfall dieser einen absolut dominierenden Baumart hätte gravierende Auswirkungen.
Hinweise geben die seit 1984 jährlichen durchgeführten Waldzustandserhebungen und danach ging es der für Nordrhein-Westfalen ökologisch und ökonomisch wichtigen Rotbuche noch nie so schlecht wie heute. Waren bis 1989 mehr als die Hälfte der Buchen ohne erkennbare Schäden, hat sich dieser Anteil kontinuierlich auf zuletzt 12 % verringert. Zugleich wuchs der Anteil von Bäumen mit deutlichen Schäden von 6 % im Jahre 1989 auf 55 % im Jahr 2014. Nach Einschätzung der Schwerpunktaufgabe Waldschutzmanagement bei Wald und Holz NRW wird durch den Klimawandel die sogenannte Buchenkomplexerkrankung (Rindensterben) zunehmen und es könnte gebietsweise zu größeren Schäden und Ausfällen dieser Baumart kommen.
Der Orkan „Kyrill“ hatte im Jahr 2007 in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen verheerende Schäden verursacht. Eine vom Umweltministerium eingesetzte Facharbeitsgruppe hatte daraufhin die „Empfehlungen für die Wiederbewaldung der Orkanflächen des Landes NRW“ erarbeitet, wobei auch die möglichen Auswirkungen des Klimawandels mit berücksichtigt wurden. Diesen Empfehlungen nach ist die Buche nur auf den besseren Standorten vorgesehen und deren Bestände sollten zudem aus Gründen der Risikoverteilung mit Mischbaumarten angereichert werden.
Die Rotbuche ist und bleibt eine Hauptbaumart der naturnahen Waldwirtschaft und ist somit auch eine Baumart mit Zukunft. Großflächige Reinbestände sollten jedoch in Zeiten des Klimawandels nicht mehr begründet werden. Wichtiger wäre v.a. die Erforschung neuer Holzverwendungsmöglichkeiten, damit nicht – wie bisher – der Großteil des Buchenholzes sofort in der energetischen Nutzung endet.
SDW Landesverband Nordrhein-Westfalen

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