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Mecklenburg-Vorpommern: Zur Wirksamkeit von Wildwarnreflektoren

In der Debatte des Landtages Mecklenburg-Vorpommern zum Antrag der Fraktionen der CDU und der SPD „Menschen und Tiere schützen – Wildwarnreflektoren an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen prüfen“ (Drucksache 6/3625) in Schwerin am 28.1.2015 hat Infrastrukturminister Christian Pegel über Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern zur Verhinderung von Wildunfällen berichtet.
Verkehrssicherheit sei angesichts steigender Zahlen von Unfalltoten im Jahr 2014 sehr zu Recht ein Thema mit Aktualität. Die Entstehungsgründe und die Verhinderungsmöglichkeiten von Wildunfällen wären ein Teil dieser wichtigen Diskussion. Eine wesentliche Voraussetzung für das Feststellen von Handlungsbedarfen ist die regelmäßige Rückkopplung zwischen der Polizei und den Straßenverkehrsbehörden in den örtlichen Unfallkommissionen. Diese werten gemeinsam die statistischen Daten aus, um besondere Unfallhäufigkeiten und deren Ursachen erkennen und abstellen zu können.
Die wirksamste Maßnahme, um Wildtiere von der Straße fernzuhalten, sind immer noch Wildschutzzäune mit sicheren Querungsstellen. Lückenlose Zäune sind auf Landstraßen allerdings nicht möglich. Deshalb werden, so Minister Pegel, für Landstraßen andere Möglichkeiten gesucht und auch schon versuchsweise eingesetzt. „Dabei geht es vor allem darum, wie es gelingt, das Betreten der Straßen durch die Tiere – zumindest wenn Autos nahen – zu verhindern. Dazu gehören insbesondere auch Versuche mit Wildwarnreflektoren“, so der Minister weiter.
Wirksamkeit von Wildwarnreflektoren noch nicht zweifelsfrei nachweisbar
Bereits 2009 haben Polizei sowie Verkehrs- und Jagdbehörden der Landkreise, die Kreisjagdverbände und die Straßenbaulastträger vereinbart, neue Möglichkeiten zu testen, um die Zahl der Wildunfälle in den Landkreisen zu senken. Dafür wurden im Rahmen der Verkehrsunfallkommissionen der damaligen Kreise Mecklenburg-Strelitz, Müritz und Uecker-Randow, im Zuständigkeitsbereich des Straßenbauamtes Neustrelitz, aber auch im Landkreis Ludwigslust auf der Grundlage der statistischen Erhebungen der Polizei Straßenabschnitte mit häufigen Wildunfällen festgelegt. An diesen Strecken wurden die blauen Wildwarnreflektoren ab 2010 in größerem Umfang getestet. Auch verschiedene Hegeringe von Jagdpächtern rüsteten in Eigeninitiative Streckenabschnitte mit blauen Reflektoren aus. Insgesamt betrug die Länge der Testrecken landesweit etwa 38 km.
Die Wildunfallentwicklung wurde auf allen Teststrecken durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr gemeinsam mit den Straßenverkehrsbehörden der beteiligten Landkreise und den Polizeidienststellen besonders beobachtet und empirisch ausgewertet. Christian Pegel: „Die Unfallentwicklung ist sowohl im Vergleich der Strecken als auch im Jahresvergleich innerhalb der einzelnen Strecken sehr verschieden. Es lässt sich kein eindeutiger statistischer Trend feststellen.“
Ein Ergebnis der Tests ist aber, dass entlang der Teststrecken das Erhalten der angestrebten Barrierewirkung, also des blauen Lichtzauns, besondere Beachtung braucht. So kann der Bewuchs entlang der Straße den Lichtzaun unterbrechen. Reflektoren können beschmutzen oder beschädigt werden. „Daneben gibt es weitere Problemlagen, die eine vertiefte Analyse der Unfallentwicklungen erfordern, bevor über die Wirksamkeit der Reflektoren Aussagen getroffen werden können. Deshalb wird bei einer vertieften wissenschaftlichen Begleitung jeder einzelne Unfall individuell zu bewerten sein“, erklärt der Minister.
Pegel weiter: „Im Rahmen der hier im Lande durchgeführten rein zahlenmäßigen Wildunfallerfassung wurden auch keine weiteren Umfeldbedingungen untersucht wie beispielsweise das Futterangebot durch wechselnde Ackerkulturen, unterschiedliche Fruchtansätze bei Mastbäumen oder auch Tausalzreste am Straßenrand, die allesamt einen Wildwechsel beeinflussen können und deshalb die Aussagekraft der festgestellten Verkehrsunfälle schwieriger machen. Auch die natürliche Fluktuation der Wildbestände über die Jahre und deren Auswirkung auf die Wildunfallzahlen müssten näher beleuchtet werden. Es konnte bisher in Mecklenburg-Vorpommern nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, welchen Beitrag die blauen Wildwarnreflektoren bei der Bekämpfung von Wildunfällen haben.“
Um die erheblichen finanziellen Aufwände für die Installation und für die Unterhaltung der Reflektoren an Bundes- und Landesstraßen zu rechtfertigen, bedarf es Pegel zufolge einer wissenschaftlichen Grundlage. Der Minister: „Deshalb schauen wir nach Göttingen. Bis 2017 läuft dort an der Universität ein Forschungsprojekt zur Überprüfung der Wirksamkeit von blauen und akustischen Reflektoren zur Bekämpfung von Wildunfällen. Aus dieser Studie werden belastbare Ergebnisse erwartet, auf deren Grundlage Entscheidungen getroffen werden können.“
EM Mecklenburg-Vorpommern

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